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Thesen zum Aufstieg des Faschismus in der Weimarer Republik

Purrer, David (2020) Thesen zum Aufstieg des Faschismus in der Weimarer Republik.
Diplomarbeit, University of Vienna. Historisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
BetreuerIn: Eigner, Peter

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DOI: 10.25365/thesis.61235
URN: urn:nbn:at:at-ubw:1-14728.27236.925672-7

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Abstract in German

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Debatte über den Aufstieg des Faschismus in der Weimarer Republik. Primärquellen sind dabei die Texte von vier Autoren (Theodor Heuss, August Thalheimer, Alexander Shifrin und Theodor Geiger), die insgesamt ein politisches Spektrum von Liberalismus bis Kommunismus abdecken. Die erste Forschungsfrage erörtert das ambivalente Verhältnis von Faschist*innen und Konservativen. Die Zeitgenossen nahmen dabei die faschistische Bewegung als neue und eigenständige politische Kraft wahr, die im Kontext der autoritären Wende der konservative Rechte zu verstehen sei. Shifrin subsumiert unter dem Begriff der „Gegenrevolution“ die autoritären Regime in Europa, differenziert dabei aber zwischen „restaurativen“ und „faschistischen“ Kräften. Thalheimer wiederum entwickelte durch die Bonapartismustheorie ein Modell der faschistischen Regimebildung, dass sich aber im Abgleich mit modernen historischen Forschungen als nicht haltbar erwies. Der zweite Fragekomplex beschäftigt sich mit der Frage nach der soziologischen Zusammensetzung der faschistischen Massenbasis, im Zentrum steht dabei die Debatte um die mittlerweile als überholt geltende „Mittelstandsthese“, die die bis in die 1980er vertreten wurde und schließlich stärker empirischen Forschungen wich, die der Anhänger*innenschaft der NSDAP eine relativ starke soziale Durchmischung attestierten. Der Blick auf die Debatte in der Weimarer Republik zeigte, dass Theodor Geigers These der „Panik im Mittelstand“ vor allem von linken Theoretiker*innen vertreten wurde, es aber auch in der Zwischenkriegszeit Publizist*innen gab, die auf die relativ starke Beteilung der Arbeiter*innen hinwiesen. Der dritte und letzte Fragekomplex widmet sich der Rolle des Antisemitismus und anderen Faktoren der sozialen Mobilisierung. Es zeigte sich, dass die Zeitgenossen dem Antisemitismus in ihren Analysen erstaunlich wenig Beachtung schenken. Neben anderen möglichen Ursachen für die „Ignoranz“ der zeitgenössischen Autoren scheint die moderne Geschichtswissenschaft ihnen insofern recht zu geben, als der Antisemitismus sehr einstimmig weder als Alleinstellungsmerkmal der NSDAP noch als Grund für ihren Mobilisierungserfolg angesehen wird. In der Frage der Mobilisierung der Bevölkerung zeigten sich die Zeitgenossen teilweise überraschend einig und erklärten die Anziehungskraft der NSDAP vor allem durch irrationale Affekte. Die moderne Geschichtswissenschaft scheint hier wiederum besonders stark ausdifferenziert und bietet eine Vielzahl von höchst unterschiedlichen Erklärungsansätzen, die entweder die sehr spezifische politische und soziale Situation der späten Republik ins Zentrum stellen oder auf ideologischen wie auch rational-materialistischen Motivationen verweisen. Sicher scheint, dass der Aufstieg der NSDAP nicht ohne die Weltwirtschaftskrise möglich gewesen wäre.

Schlagwörter in Deutsch

Weimarer Republik / NSDAP / Nationalsozialismus / Faschismus / Faschismustheorien

Item Type: Hochschulschrift (Diplomarbeit)
Author: Purrer, David
Title: Thesen zum Aufstieg des Faschismus in der Weimarer Republik
Subtitle: eine Analyse zeitgenössischer Literatur
Umfangsangabe: 127 Seiten : Illustrationen
Institution: University of Vienna
Faculty: Historisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
Studiumsbezeichnung bzw.
Universitätslehrgang (ULG):
Lehramtsstudium UF Deutsch UF Geschichte, Sozialkunde, Polit.Bildg.
Publication year: 2020
Language: ger ... Deutsch
Supervisor: Eigner, Peter
Assessor: Eigner, Peter
Classification: 15 Geschichte > 15.06 Politische Geschichte
15 Geschichte > 15.43 Deutsche Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts
15 Geschichte > 15.37 Europäische Geschichte 1914-1945
AC Number: AC15602269
Item ID: 61235
(Das PDF-Layout ist ident mit der Druckausgabe der Hochschulschrift.)

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