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Die feministische Philosophie und der Frauenkörper

Scheufler, Eva (2008) Die feministische Philosophie und der Frauenkörper.
Diplomarbeit, University of Vienna. Fakultät für Philosophie und Bildungswissenschaft
BetreuerIn: Nagl, Herta

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DOI: 10.25365/thesis.1190
URN: urn:nbn:at:at-ubw:1-29560.50549.513266-5

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Abstract in German

In den Anfaengen der Neuen Frauenbewegung stand die Befreiung des Frauenkoerpers und dessen Wiederaneignung aus patriarchaler Vormundschaft und Kontrolle im Mittelpunkt feministischen Protests. Aktionen zur Legalisierung des Schwangerschaftsabbruchs, die Organisierung von Selbstuntersuchungen und Selbsthilfegruppen und die Errichtung von Frauengesundheitszentren waren Ausdruck dieses Auf/Begehrens. Gesundheit, Krankheit und die Sexualitaet von Frauen wurden im Zusammenhang mit den unterdrueckenden Verhaeltnissen gesehen, in denen Frauen leben. Mit der Etablierung des gender-Begriffs als Analysekategorie feministischer Forschung kam es jedoch zu einer sukzessiven Abwendung von der koerperlich/leiblichen Dimension weiblichen Daseins und zu deren theoretischen Abtrennung als sex, das an die Naturwissenschaften delegiert, aus der philosophischen Reflexion ausgeklammert wurde. Judith Butlers Theorie von der diskursiven Konstruktion der Geschlechter und ihre These, dass "sex immer schon gender gewesen sei", hat diese Abwendung vom Leib/lichen zu einem postfeministischen Ende gebracht. Unter dem Leitmotiv einer "Wiedergewinnung des Koerpers" wird in der vorliegenden Arbeit einerseits moeglichen Ursachen dieser latenten "Somatophobie" hegemonial gewordener Stroemungen des feministischen Diskurses auf den Grund gegangen, und andererseits versucht theoretische Alternativen dazu zu erschliessen. Simone de Beauvoir erweist sich in dieser Hinsicht als Schluesseltheoretikerin. Als Begruenderin der gegenwaertigen feministischen Philosophie hat sie das feministische Verstaendnis des weiblichen Koerpers entscheidend (mit)gepraegt. Nach einer euphorischen ersten Rezeptionsphase wurde ihr Denken jedoch der Koerperfeindlichkeit, ja der Misogynie und eines rigiden (maskulinistischen) Dualismus geziehen und galt lange Zeit als antiquiert. Im Unterschied zu dieser Rezeption zeigt die vorliegende Untersuchung die grosse Bedeutsamkeit sowohl des weiblichen Koerpers, als auch phaenomenologischer Theoreme, in deren Mittelpunkt das Verstaendnis des Koerpers als gelebter Koerper, als Leib steht, fuer Beauvoirs Denken auf. Dieses kann fuer aktuelle feministische Frage-und Problemstellungen fruchtbar gemacht werden.

Schlagwörter in Deutsch

feministische Philosophie / Körpertheorien / Simone de Beauvoir / Phaenomenologie / feministische Phaenomenologie / Leib / Gender Studies

Abstract in English

In the beginning of the women's liberation movement in the early 1970s issues concerning the female body were central to the feminist agenda. Actions promoting the legalisation of abortion, the organisation of medical self-help groups and the foundation of women's health centers were undertaken with the aim of liberating and reappropriating the female body from patriarchal control and domination. With the establishment of the category gender as primary analytic tool of feminist research, however, feminist theory excluded the corporeal dimension from philosophical reflection, relegating it as sex to the Natural Sciences. Judith Butler's theory of the sociocultural construction of sex has brought this development to a postfeminist end. The diploma thesis at hand inquires for the reasons of this development intending to reclaim the body for feminist-philosophical thought. After a short introduction to feminist philosophy in the first part, probable reasons for the latent "somatophobia" in feminist discourse are presented in the second part. In the third part theoretical alternatives are considered. This last section is entirely dedicated to a close examination of the philosophy of Simone de Beauvoir. As a pioneer and founder of contemporary feminist philosophy she has crucially influenced the feminist understanding of the female body. After Beauvoir's philosophy was euphorically received by early "Second Wave"-theorists like Kate Millet or Shulamith Firestone, later thinkers accused her of somatophobia, a masculinist dualist thinking and even misogyny. For a long time her work was considered as outdated. The analysis at hand demonstrates the great importance of the (female) body to Beauvoir's thinking, as it emphasizes the significance of phenomenology to her work. With respect to the recent feminist debate on the relationship of mind and body, and nature and culture, Beauvoir's philosophy opens up new ways for a theorization of the female body.

Item Type: Hochschulschrift (Diplomarbeit)
Author: Scheufler, Eva
Title: Die feministische Philosophie und der Frauenkörper
Umfangsangabe: 103 S.
Institution: University of Vienna
Faculty: Fakultät für Philosophie und Bildungswissenschaft
Publication year: 2008
Language: ger ... Deutsch
Supervisor: Nagl, Herta
Assessor: Nagl, Herta
Classification: 08 Philosophie > 08.36 Philosophische Anthropologie
AC Number: AC07076293
Item ID: 1190
(Das PDF-Layout ist ident mit der Druckausgabe der Hochschulschrift.)

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