@unpublished{othes23419, title = {Die fabrica des Legionslagers Vindobona}, school = {Universit{\"a}t Wien}, author = {Markus Franz Jandl}, address = {Wien}, year = {2012}, keywords = {fabrica / Legionslager / Vindobona / r{\"o}mische Kaiserzeit}, url = {http://othes.univie.ac.at/23419/}, abstract = {Bei der Grabung Am Hof 8 im Jahr 2007 konnten ein r{\"o}misches Wirtschaftsgeb{\"a}ude und zwei Stra{\ss}enz{\"u}ge lokalisiert werden. Wie sich herausstellte, handelte es sich dabei um die fabrica des Legionslagers Vindobona, die nordwestlich an die via vallaris und s{\"u}dwestlich an eine Nebenstra{\ss}e grenzte und sich in der westlichen retentura befand. Die folgende Tabelle (Tab. 22) gibt einen {\"U}berblick {\"u}ber die f{\"u}nf Bauphasen der fabrica. Tab. 22: Die Bauphasen der fabrica des Legionslagers Vindobona Bauphase Datierung Ereignisse 1 ab Ende 1. Jh. Erbauung der fabrica 2 ab Ende 1./Anfang. 2 Jh. Erste Nutzung durch Grubenkomplexe (GK 1-3) 3 2./3 Jh. Umbauma{\ss}nahmen: Mauerausriss von Mauer 4 (M4) und Neuerrichtung der Mauer 5 (M5) Auflassung der Grubenkomplexe 4 Sp{\"a}tantike Massive Nutzung von ebenerdigen Herdstellen 5 Ab 5 Jh. Verfallhorizont der fabrica, gekennzeichnet durch Schwarze Schichten Vier R{\"a}ume (R1-R4) konnten eindeutig der fabrica zugeordnet werden. In Raum 1 (R1) und im Bereich der Nebenstra{\ss}e konnten Spuren der Erbauung der fabrica lokalisiert werden (Bauphase 1). Die 2. Bauphase ist gekennzeichnet durch einen Grubenkomplex (GK1) in Raum 1 und zwei Grubenkomplexe (G2 und GK3) in Raum 2. Jeder Grubenkomplex besteht aus einer Arbeitsgrube und einer Grube mit einer Herdstelle. Aufgrund von in beiden R{\"a}umen gefundenen Schmiedeschlacken und Hammerschlag k{\"o}nnen die Grubenkomplexe als Herdstellen von Schmiedewerkst{\"a}tten interpretiert werden. Die 3. Phase ist gekennzeichnet durch die Schleifung der Innenmauer (M4) zwischen Raum 2 (R2) und Raum 3 (R3) und die Neuerrichtung einer Mauer (M5) nord{\"o}stlich davon, wodurch es zu einer Vergr{\"o}{\ss}erung von Raum 2 (R2) bei gleichzeitiger Verkleinerung von Raum 3 (R3) kam. Die Grubenkomplexe wurden zugesch{\"u}ttet und neue ebenerdige Herdstellen errichtet. Auf die drei R{\"a}ume verteilt, k{\"o}nnen dieser Nutzungsphase insgesamt f{\"u}nf Herdstellen (H3-H6, H32) zugeordnet werden. Im Bereich einiger Herdstellen wurden Schmiedeschlacken und Hammerschlag gefunden, was auf eine Nutzung als Schmiedeherde schlie{\ss}en l{\"a}sst. In diese Bauphase f{\"a}llt auch der erste Nachweis eines Lehmfu{\ss}bodens: mit Befunden in Raum 4 (R4), der nur in einem kleinen Bereich untersucht werden konnte. 7. Zusammenfassung 64 Die sp{\"a}tantike Nutzungsphase (Phase 4) ist durch das massive Vorhandensein von Herdstellen gekennzeichnet. Insgesamt konnten 27 Herstellen (H4-H29) lokalisiert werden, wobei einige dieser Herdstellen, getrennt durch Planierschichten, {\"u}bereinander gesetzt wurden. Wieder konnten einige dieser Herdstellen aufgrund von Schmiedeschlacken und Hammerschlag als Schmiedeherde interpretiert werden. Ein in Raum 3 (R3) gefundenes Keramikfragment mit Farbresten gibt einen Hinweis auf eine zumindest teilweise Nutzung dieses Raumes als Malerwerkst{\"a}tte. In Raum 4 (R4) wurden sowohl Keramikfragmente mit Farbr{\"u}ckst{\"a}nden als auch Rohmaterial zur Produktion von Farben gefunden. Der Fund eines Neugeborenenskelettes in Raum 2 (R2) ist als ein Hinweis darauf zu deuten, dass das Legionslager in der Sp{\"a}tantike nicht nur von Soldaten, sondern auch von Angeh{\"o}rigen der Zivilbev{\"o}lkerung bewohnt war. Die letzte Umbauma{\ss}nahme bezeugt ein viertelkreisf{\"o}rmiger Einbau in Raum 1 (R1). In Raum 3 (R3) gefundene germanische Keramik der 2. H{\"a}lfte des 4./5. Jh.s ist der j{\"u}ngste Nachweis der Nutzung dieses Geb{\"a}udes und l{\"a}sst auf den Verfall der fabrica im 5. Jh. schlie{\ss}en. Die Funde und Befunde sprechen f{\"u}r eine Nutzung dieses Teils der fabrica als Schmiede- und Malerwerkst{\"a}tten, in denen auch Farben produziert wurden. Hinweise auf Buntmetallverarbeitung, wie Buntmetallschlacken, Gusstiegel und Gussformen, fehlen zur G{\"a}nze. Der Bleigusskuchen (Kat.-Nr. A1) und der Bleibarren (Kat.-Nr. A4) wurden, ebenso wie die Fragmente von Eisengef{\"a}{\ss}en mit Buntmetallr{\"u}ckst{\"a}nden (Kat.- Nr. C27 und C28), sekund{\"a}r verlagert in Planier- bzw. Versturzschichten gefunden und k{\"o}nnen daher nicht als Nachweise f{\"u}r Blei- und Buntmetallverarbeitung in dem in dieser Arbeit vorgestellten Teil der fabrica gewertet werden. Dem ergrabenen Teilbereich der via vallaris konnte nur eine Bauphase f{\"u}r das 2./3. Jh. eindeutig zugewiesen werden, da sp{\"a}tere Funde und Befunde mit mittelalterlichem Fundgut vermengt waren. Die Stra{\ss}e bestand aus einem dreischichtigen Unterbau und wurde dreimal saniert. Sie war in einen Stra{\ss}enbereich und einen Gehsteig unterteilt. S{\"u}dwestlich der fabrica befand sich eine Nebenstra{\ss}e, die nur aus einer einfachen Schotterung bestand und im Vergleich mit der via vallaris sehr einfach gebaut war. Sie zeigte zwei Bauphasen, eine im 2./3. Jh. und eine in der Sp{\"a}tantike.} }