%A Viktoria Johanna R?uchle %T Mythische M?rderinnen %X In dieser Arbeit wurden bildliche Darstellungen untersucht, die sich mit den Mythen um die M?rderinnen Klytaimnestra, Prokne und Eriphyle auseinandersetzen. Der Analyse lagen insgesamt 80 Darstellungen der drei Frauen zu Grunde, wobei sich etwa zwei Drittel auf attisch rotfigurigen Vasen des 5. Jahrhunderts v. Chr. befanden . In der Einleitung wurde ?ber die Definition und Einschr?nkung des Themas der Arbeit informiert. Ziel der Abhandlung war es zum einen, die Entwicklung der Gewaltikonographie innerhalb des 5. Jahrhunderts v. Chr. anhand der ausgew?hlten Bildmotive nachzuvollziehen. Zum anderen wurde versucht, die ikonographischen Mechanismen aufzudecken, mit denen die drei M?rderinnen im Laufe der Zeit charakterisiert und bewertet wurden, und vor dem Hintergrund der tats?chlichen Gestaltungsspielr?ume von attischen Frauen im 5. Jahrhundert v. Chr. zu deuten. Im zweiten Kapitel, ?Vorbemerkungen?, wurde die methodische Herangehensweise an die zu behandelnden Bilder festgesetzt und ein kurzer historischer und forschungsgeschichtlicher ?berblick zum Umgang mit Gewalt sowie zur Stellung der Frau im 5. Jahrhundert v. Chr. gegeben. Der Hauptteil bestand aus drei gro?en Abschnitten, die sich ausf?hrlich mit den drei frevelhaften Frauen besch?ftigten. Alle Kapitel beinhalteten eine kurze Zusammenfassung der schriftlichen ?berlieferung und eine gr?ndliche Untersuchung der Ikonographie, ihrerseits nach den unterschiedlichen Sujets untergliedert. Klytaimnestra war als erste an der Reihe: Sie fiel durch ein ausgesprochen aggressives Benehmen auf, das bereits fr?h in der Bildkunst seinen Niederschlag gefunden hat. Sie t?tete zuerst den Ehemann und die Rivalin, danach machte sie sich des versuchten Totschlages des eigenen Sohnes schuldig. In den archaischen und fr?hklassischen Bildern wurde sie als waffenschwingende Furie gekennzeichnet; ab der zweiten H?lfte des 5. Jahrhunderts v. Chr. tauchte sie dann nur noch vereinzelt auf. Der zweite Abschnitt besch?ftigte sich mit der athenischen Heroine Prokne. Um sich an ihrem frevelhaften Gatten Tereus zu r?chen, t?tete sie den eigenen Sohn und servierte ihn dem Angetrauten zum Mahl. Ihre Ikonographie und die damit transportierten Aussagen waren sehr vielschichtig: Anfangs noch als mordendes Scheusal charakterisiert, wurde sie in den Bildern des mittleren 5. Jahrhunderts v. Chr. zur fl?chtenden Jungfer. Damit entzog sie sich einer einheitlichen Bewertung und verharrte im Reich der Ambivalenz. Ganz anders die dritte, Eriphyle: Ihr Vergehen war es, den geliebten Gatten f?r ein Halsband zu verraten und ihn damit dem sicheren Tod zu ?berantworten. Obgleich ihre bildliche Darstellung direkt nichts von den ?beltaten erahnen lie?, stellte sie ein besonders missratenes Exemplar von Weiblichkeit dar. Gerade diese Diskrepanz zwischen Schein und Sein war es, die sie f?r die Vasenmaler der zweiten H?lfte des 5. Jahrhunderts v. Chr. so interessant machte. In ihr konnten wir das Inbild des falschen Weibes erkennen. Im Anschluss an die drei Einzeluntersuchungen wurden die Ergebnisse zusammenfassend vorgetragen. Der erste Abschnitt dieses Fazits setzte sich mit der Frage der ikonographischen Entwicklung auseinander. Hier konnte deutlich gezeigt werden, dass die Bilderwelt im Laufe des Jahrhunderts vom Kruden zum Sanften ging. Vor allem im Medium der Vasenmalerei wurden Gewaltdarstellungen ab ca. 450 v. Chr. weitgehend ausgeblendet zugunsten idyllischer Bildthemen; ein Trend, der sich nicht nur bei unseren drei Frauen und ihren Geschichten feststellen lie?. Im zweiten Teil wurden noch einmal die wesentlichen Codes und Bildchiffren wiederholt, mit denen die drei Frauen im Laufe der Zeit charakterisiert wurden. Wir konnten sehen, dass alle drei Frauen mit Eigenschaften ausgestattet wurden, die sie ? jede auf ihre Weise ? als diametrale Gegenbilder zur idealen Frau zeichneten. Und damit fungierten sie alle drei als Antifrauen in einer M?nnerwelt. %C wien %D 2008 %K Mythologie / Ikonographie / Vasenmalerei / Antike %I uniwien %L othes1975