%A Dominik Maschek %T Ratio decoris %X Bislang standen bei der Erforschung von Architekturdekor eindeutig chronologische und typologische Fragen im Vordergrund. Das Interesse der Forschung richtete sich besonders auf die Validit?t bestimmter Leitformen als Datierungskriterium. In dieser unbestrittenerma?en wertvollen Funktion ist der heuristische Wert der Besch?ftigung mit Architekturornamentik jedoch bei weitem nicht ausgesch?pft. Gerade kulturgeschichtliche Fragen werden nur am Rande ber?hrt. Deshalb setzte es sich die vorliegende Arbeit zum Ziel, basierend auf typologischen Auswertungen und r?umlichen wie zeitlichen Differenzierungen verschiedene historische Modelle zu entwerfen, die sowohl die diachrone Entwicklung von Architekturdekoration in den mittelitalischen Regionen, als auch deren Abh?ngigkeit von gr??eren kulturgeschichtlichen und sozio?konomischen Prozessen darzustellen verm?gen. Die empirische Auswertung des arch?ologischen Materials konzentrierte sich dabei prim?r auf Fragen nach der technischen Ausf?hrung der untersuchten St?cke und deren regionaler Verbreitung. Die Befunde der Einzelobjekte werden ?bersichtlich zusammengefa?t, typologisch geordnet und nach regionalem Vorkommen sowie nach stilistisch-technischen ?bereinstimmungen kartiert, um Grundlagen f?r die folgende chronologische und chorologische Auswertung zu liefern. Vor allem die Rekonstruktion der urspr?nglichen Baukontexte von Einzelst?cken spielte dabei eine wichtige Rolle. Die Ergebnisse dieser Basisuntersuchung wurden in einem letzten Schritt zu einer modellhaften Interpretation und historischen Auswertung synthetisiert. In Form dreier Exkurse konnten abschlie?end die Fragen nach den inhaltlichen und kulturellen Aspekten von Baudekor nochmals von unterschiedlichen Seiten beleuchtet werden. In bisherigen Forschungen zu mittelitalischer Bauornamentik des sp?ten 2. und des 1. Jhs. v. Chr. wurden motivisches Repertoire und Verbreitung verschiedener Dekorformen oft mit dem Wirken wandernder griechischer Werkst?tten, einem ?bergeordneten Prozess der ?Hellenisierung? oder dem Aspekt der ?klassenspezifischen? Repr?sentation in Verbindung gebracht. Die im Zuge der vorliegenden Arbeit durchgef?hrten typologischen Auswertungen und diachronen Kartierungen der mittelitalischen Monumente mit dorischem Fries zeigen allerdings, dass derartige Postulate in mehrfacher Hinsicht zu differenzieren sind: Erstens muss der Einsatz verschiedener Dekorformen chronologisch und geographisch gegeneinander abgestuft werden. Zweitens ist er in semantischer Hinsicht nach den jeweiligen Ornamenttr?gern, also den Bauwerken und ihren unterschiedlichen Funktionen zu differenzieren, und drittens k?nnen motivische Abh?ngigkeiten sowie regionale Produktionsspezifika isoliert und in ihren Abh?ngigkeiten analysiert werden. Eines der wesentlichen Ergebnisse der Arbeit besteht in einer koh?renten Typologisierung von motivischen Merkmalen, die an den exemplarisch ausgew?hlten dorischen Friesen aus insgesamt 195 verschiedenen Baukontexten durchgef?hrt wurde. Anhand dieser Datenbasis war es erstmals m?glich, f?r jedes der untersuchten Geb?ude eine typologisch begr?ndete Datierung vorzuschlagen. Auf dieser Grundlage konnten im Anschluss geographische diachrone Kartierungen vorgenommen werden, die in traditionellen Typologien bislang fehlten. Aus der r?umlichen und zeitlichen Verteilung des Materials konnte abgeleitet werden, dass anstelle einer von Rom ausgehenden konzentrischen Verbreitung der Ornamente ein komplexes Netzwerk kleinr?umiger Beeinflussungen zu postulieren ist. Die Analyse von gut erhaltenen Einzelmonumenten erlaubte dar?ber hinaus die Rekonstruktion des motivischen Repertoires und der Organisation einzelner lokaler Handwerksbetriebe. Abschlie?end konnte die wechselnde Verbreitung spezifischer Motivkombinationen an bestimmten Typen von Sakral- und Grabbauten mit verschiedenen politischen Umstrukturierungen vom Bundesgenossenkrieg bis hin zu den Landverteilungen und Munizipalisierungsprozessen der fr?haugusteischen Zeit korreliert werden. Die eingehende Analyse von Werkzeugspuren zeigte, dass die Arbeiten in der ?berwiegenden Mehrzahl der F?lle nicht von wandernden griechischen oder stadtr?mischen Handwerkern, sondern von lokalen, in spezifischen Traditionen der Steinbearbeitung geschulten Betrieben ausgef?hrt wurden. Das herk?mmliche Modell, in dem mittelitalische Architekturdekoration des 1. Jhs. v. Chr. als Zeichen einer zunehmend ?hellenisierten? Gesellschaft gesehen wurde, reicht zur Erkl?rung solcher Ph?nomene im Kontext einer komplexen historischen Lebenswirklichkeit nicht aus. Vielmehr wurde im Rahmen der Dissertation das Hauptaugenmerk auf die Beschreibung interregionaler und intralokaler Rezeptionsph?nomene gelegt. Bauornamentik konnte dabei als sensibler Indikator f?r die diachronen Ver?nderungen in der kleinr?umigen ?sthetischen Wahrnehmung von Architektur und somit auch als kulturgeschichtlich relevante Quelle f?r die heterogene Gesellschaft der sp?trepublikanischen mittelitalischen Regionen erkannt werden. %C wien %D 2010 %K Bauornamentik / Mittelitalien / r?mische Republik / dorische Ordnung / dorische Friese / Werkst?tten / Bauwesen %I uniwien %L othes11820