@unpublished{othes11820, title = {Ratio decoris}, school = {Universit{\"a}t Wien}, author = {Dominik Maschek}, address = {Wien}, year = {2010}, keywords = {Bauornamentik / Mittelitalien / r{\"o}mische Republik / dorische Ordnung / dorische Friese / Werkst{\"a}tten / Bauwesen}, url = {http://othes.univie.ac.at/11820/}, abstract = {Bislang standen bei der Erforschung von Architekturdekor eindeutig chronologische und typologische Fragen im Vordergrund. Das Interesse der Forschung richtete sich besonders auf die Validit{\"a}t bestimmter Leitformen als Datierungskriterium. In dieser unbestrittenerma{\ss}en wertvollen Funktion ist der heuristische Wert der Besch{\"a}ftigung mit Architekturornamentik jedoch bei weitem nicht ausgesch{\"o}pft. Gerade kulturgeschichtliche Fragen werden nur am Rande ber{\"u}hrt. Deshalb setzte es sich die vorliegende Arbeit zum Ziel, basierend auf typologischen Auswertungen und r{\"a}umlichen wie zeitlichen Differenzierungen verschiedene historische Modelle zu entwerfen, die sowohl die diachrone Entwicklung von Architekturdekoration in den mittelitalischen Regionen, als auch deren Abh{\"a}ngigkeit von gr{\"o}{\ss}eren kulturgeschichtlichen und sozio{\"o}konomischen Prozessen darzustellen verm{\"o}gen. Die empirische Auswertung des arch{\"a}ologischen Materials konzentrierte sich dabei prim{\"a}r auf Fragen nach der technischen Ausf{\"u}hrung der untersuchten St{\"u}cke und deren regionaler Verbreitung. Die Befunde der Einzelobjekte werden {\"u}bersichtlich zusammengefa{\ss}t, typologisch geordnet und nach regionalem Vorkommen sowie nach stilistisch-technischen {\"U}bereinstimmungen kartiert, um Grundlagen f{\"u}r die folgende chronologische und chorologische Auswertung zu liefern. Vor allem die Rekonstruktion der urspr{\"u}nglichen Baukontexte von Einzelst{\"u}cken spielte dabei eine wichtige Rolle. Die Ergebnisse dieser Basisuntersuchung wurden in einem letzten Schritt zu einer modellhaften Interpretation und historischen Auswertung synthetisiert. In Form dreier Exkurse konnten abschlie{\ss}end die Fragen nach den inhaltlichen und kulturellen Aspekten von Baudekor nochmals von unterschiedlichen Seiten beleuchtet werden. In bisherigen Forschungen zu mittelitalischer Bauornamentik des sp{\"a}ten 2. und des 1. Jhs. v. Chr. wurden motivisches Repertoire und Verbreitung verschiedener Dekorformen oft mit dem Wirken wandernder griechischer Werkst{\"a}tten, einem {\"u}bergeordneten Prozess der ?Hellenisierung? oder dem Aspekt der ?klassenspezifischen? Repr{\"a}sentation in Verbindung gebracht. Die im Zuge der vorliegenden Arbeit durchgef{\"u}hrten typologischen Auswertungen und diachronen Kartierungen der mittelitalischen Monumente mit dorischem Fries zeigen allerdings, dass derartige Postulate in mehrfacher Hinsicht zu differenzieren sind: Erstens muss der Einsatz verschiedener Dekorformen chronologisch und geographisch gegeneinander abgestuft werden. Zweitens ist er in semantischer Hinsicht nach den jeweiligen Ornamenttr{\"a}gern, also den Bauwerken und ihren unterschiedlichen Funktionen zu differenzieren, und drittens k{\"o}nnen motivische Abh{\"a}ngigkeiten sowie regionale Produktionsspezifika isoliert und in ihren Abh{\"a}ngigkeiten analysiert werden. Eines der wesentlichen Ergebnisse der Arbeit besteht in einer koh{\"a}renten Typologisierung von motivischen Merkmalen, die an den exemplarisch ausgew{\"a}hlten dorischen Friesen aus insgesamt 195 verschiedenen Baukontexten durchgef{\"u}hrt wurde. Anhand dieser Datenbasis war es erstmals m{\"o}glich, f{\"u}r jedes der untersuchten Geb{\"a}ude eine typologisch begr{\"u}ndete Datierung vorzuschlagen. Auf dieser Grundlage konnten im Anschluss geographische diachrone Kartierungen vorgenommen werden, die in traditionellen Typologien bislang fehlten. Aus der r{\"a}umlichen und zeitlichen Verteilung des Materials konnte abgeleitet werden, dass anstelle einer von Rom ausgehenden konzentrischen Verbreitung der Ornamente ein komplexes Netzwerk kleinr{\"a}umiger Beeinflussungen zu postulieren ist. Die Analyse von gut erhaltenen Einzelmonumenten erlaubte dar{\"u}ber hinaus die Rekonstruktion des motivischen Repertoires und der Organisation einzelner lokaler Handwerksbetriebe. Abschlie{\ss}end konnte die wechselnde Verbreitung spezifischer Motivkombinationen an bestimmten Typen von Sakral- und Grabbauten mit verschiedenen politischen Umstrukturierungen vom Bundesgenossenkrieg bis hin zu den Landverteilungen und Munizipalisierungsprozessen der fr{\"u}haugusteischen Zeit korreliert werden. Die eingehende Analyse von Werkzeugspuren zeigte, dass die Arbeiten in der {\"u}berwiegenden Mehrzahl der F{\"a}lle nicht von wandernden griechischen oder stadtr{\"o}mischen Handwerkern, sondern von lokalen, in spezifischen Traditionen der Steinbearbeitung geschulten Betrieben ausgef{\"u}hrt wurden. Das herk{\"o}mmliche Modell, in dem mittelitalische Architekturdekoration des 1. Jhs. v. Chr. als Zeichen einer zunehmend ?hellenisierten? Gesellschaft gesehen wurde, reicht zur Erkl{\"a}rung solcher Ph{\"a}nomene im Kontext einer komplexen historischen Lebenswirklichkeit nicht aus. Vielmehr wurde im Rahmen der Dissertation das Hauptaugenmerk auf die Beschreibung interregionaler und intralokaler Rezeptionsph{\"a}nomene gelegt. Bauornamentik konnte dabei als sensibler Indikator f{\"u}r die diachronen Ver{\"a}nderungen in der kleinr{\"a}umigen {\"a}sthetischen Wahrnehmung von Architektur und somit auch als kulturgeschichtlich relevante Quelle f{\"u}r die heterogene Gesellschaft der sp{\"a}trepublikanischen mittelitalischen Regionen erkannt werden.} }