Universitätsbibliothek Wien

Zwischen Festland und Insel

Gumpenberger, Elisabeth (2010) Zwischen Festland und Insel.
Magisterarbeit, Universität Wien. Philologisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
BetreuerIn: Weigelin-Schwiedrzik, Susanne

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URN: urn:nbn:at:at-ubw:1-30335.50798.281366-4
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Abstract in Deutsch

Bo’ao, eine kleine Marktgemeinde auf der chinesischen Insel Hainan, hat sich innerhalb der letzten Jahre von einem unbekannten Fischerdorf zu einem wichtigen Konferenz- und Tourismusort entwickelt – nicht zuletzt durch das jährlich im Ort tagende Boao Forum for Asia. Finanzinvestitionen haben zu einem umfassenden Ausbau der touristischen Infrastruktur sowie der Verkehrswege geführt, und viele agrarisch genutzte Gebiete und Wohnsiedlungen mussten Hotels und anderen touristischen Einrichtungen weichen. Gleichzeitig profitiert die Lokalbevölkerung von gesteigerten Steuereinnahmen, höheren Einkommen und vielfältigen Beschäftigungsmöglichkeiten im tertiären Sektor. Bo’ao verzeichnet neben einer stetig steigenden Besucherzahl auch einen starken Zustrom an ArbeitsmigrantInnen vom chinesischen Festland, die vom Bau- und Investitionsboom in Bo’ao profitieren wollen. Angelehnt an die Grounded Theory erfasst diese Magisterarbeit mithilfe qualitativer teilstrukturierter Interviews, welche Gründe für die ArbeitsmigrantInnen vorrangig waren, nach Bo’ao zu ziehen. Weiters wird die Lebensgestaltung der ArbeitsmigrantInnen in der Marktgemeinde erforscht. Dabei wird deutlich, dass sowohl die Migrationsgründe als auch die soziale Integration im lokalen Ortsleben maßgeblich vom Bildungsniveau der MigrantInnen abhängen. Während es sich bei AkademikerInnen tendenziell um eine strategische Migrationsentscheidung handelt, die für die spätere berufliche Entwicklung als wichtig eingeschätzt wird, migrieren Nicht-AkademikerInnen primär aus ökonomischer Notwendigkeit. Unterschiede zeigen sich auch bezüglich der Bedeutung sozialer Netzwerke: Nicht-AkademikerInnen greifen im gesamten Migrationsablauf wesentlich stärker auf Verwandtschaftsbeziehungen und Freundschaften zurück als AkademikerInnen, die in erster Linie herkömmliche offizielle Kanäle und Bewerbungsverfahren nützen. Unabhängig vom Bildungsgrad sind die FestlandchinesInnen kaum bereit, den lokalen Dialekt Hainanesisch zu erlernen. Die Nicht-AkademikerInnen fühlen sich im Gegensatz zu den AkademikerInnen durch die Sprachdifferenz eher ausgeschlossen und verzichten weitgehend auf Interaktion mit der Lokalbevölkerung. Die AkademikerInnen sind wesentlich mehr an lokalen Gepflogenheiten und Verhaltensweisen interessiert. Höhere Bildung lässt sich also in Bezug zu höherer sozialer Integration setzen, es kommt allerdings nicht zu Assimilation. Differenzen zur Lokalbevölkerung werden deutlich wahrgenommen und die kulturelle Verbundenheit zur Heimat bleibt erhalten.

Schlagwörter in Deutsch

China / Hainan / Migrationsforschung / Integrationsforschung / Arbeitsmigration / Integration / Migrationsgründe / Lebensgestaltung / Sprache / Entwicklung / Grounded Theory / MaxQDA

Abstract in Englisch

Bo’ao, a little town on Hainan, a Chinese island, has evolved from an unknown fishing village to an important location for conferences and tourism. This change could be witnessed in the course of a few years, and the Boao Forum for Asia, that is being held annually, surely contributes to this development. Financial investment has led to a large extension of Bo’ao’s tourism infrastructure as well as its transportation system. Areas that were used as agricultural land or residential areas had to give way to hotels and other tourism facilities. At the same time the locals also benefit from increased fiscal revenue, higher income and manifold job opportunities in the tertiary sector. Bo’ao not only registers a steadily increasing number of visitors, but also a heavy influx of working migrants from the Chinese mainland who want to benefit from Bo’ao’s booming construction industry and investment activity. Following the concept of the Grounded Theory this master thesis explores the reasons that brought these migrants to Bo’ao, using qualitative semi-structured interviews. Furthermore, this paper investigates the way the migrants organize their lives in this little town. It becomes evident that both migratory reasons and social interaction in the local town life are significantly related to the level of education. University graduates tend to migrate out of strategic reasons and consider their migration to Bo’ao as an important step towards their future career. Non-academics, on the other hand, mainly migrate out of economic necessity. The research also shows that social networks vary in importance depending on the migrants’ level of education: While non-academics heavily rely on kinship and friendships during the entire process of migration, university graduates rather use conventional official ways and application procedures for their job search. The mainland Chinese in Bo’ao generally are not willing to learn the local dialect Hainanese, independent from their educational background. While university graduates do not feel excluded because of this language barrier, the non-academics feel shut off and widely refrain from interaction with the locals. Apparently, university graduates have developed a greater interest in the locals’ habits and customs. Hence, higher education is related to a higher level of social integration, but this must not be mistaken for assimilation. Differences between the mainland Chinese and the locals are perceived clearly and the cultural connection to the mainland remains.

Dokumentenart: Hochschulschrift (Magisterarbeit)
AutorIn: Gumpenberger, Elisabeth
Titel: Zwischen Festland und Insel
Untertitel: Migrationsgründe und Lebensgestaltung der ArbeitsmigrantInnen in Bo'ao
Umfangsangabe: 157 S. : Ill., graph. Darst., Kt.
Institution: Universität Wien
Fakultät: Philologisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
Publikationsjahr: 2010
Sprache: ger ... Deutsch
BetreuerIn: Weigelin-Schwiedrzik, Susanne
BeurteilerIn: Weigelin-Schwiedrzik, Susanne
Klassifikation: 71 Soziologie > 71.40 Soziale Prozesse: Allgemeines
AC-Nummer: AC08023924
Dokumenten-ID: 8311
(Das PDF-Layout ist ident mit der Druckausgabe der Hochschulschrift.)

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