Universitätsbibliothek Wien

35 Jahre Gebietsbetreuungen

Dolanski, Heinz (2009) 35 Jahre Gebietsbetreuungen.
Diplomarbeit, Universität Wien. Historisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
BetreuerIn: Eigner, Peter

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URN: urn:nbn:at:at-ubw:1-29247.83594.619361-7
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Abstract in Deutsch

Die Industrialisierung Wiens und die starke Zuwanderung führten im 19. Jahrhundert zur Stadterweiterung auf den noch freien Flächen zwischen den Vorstädten innerhalb und den Vororten außerhalb des Linienwalls. Diese zwischen 1850 und 1914 gebauten gründerzeitlichen Rasterviertel bestanden überwiegend aus „Zinskasernen“ mit Kleinwohnungen (Zimmer/Küche, Wasser am Gang). Hundert Jahre später, nach der Wiederaufbauphase nach dem Zweiten Weltkrieg und einer Stadterweiterung „auf der grünen Wiese“ waren die Häuser aus der Gründerzeit bereits sanierungsbedürftig, und die Wohnungen entsprachen in Größe und Ausstattung nicht mehr dem modernen Standard. Zusätzlich kam es noch zu einer Segregation, Arme, Alleinstehende, Ältere und die neu zugewanderten „Gastarbeiter“ blieben in diesen verfallenden Vierteln zurück, während sich die jüngeren, kaufkräftigeren Familien im „Speckgürtel“ Wiens ansiedelten. Friedenszinsregelung und Mieterschutz hatten zu einem Verbleib in den alten Wohnungen geführt, was andererseits wieder einer weitergehenden Segregation und Verslummung entgegenwirkte. Am Ende der 1960er, anfangs der 1970er Jahre begann sich auch die Gesellschaft zu ändern: Eine neue, junge Architekten und Planergeneration war herangewachsen, es entstand eine „alternative Szene“, und Bürger und Medien bereiteten Politikern und Verwaltung mehrere Niederlagen in den Kämpfen um eine Veränderung der Stadt: Paulanerkirche, Spittelberg, Flötzersteig, Sternwartepark seien hier pars pro toto genannt. Das führte vom Rücktritt eines Bürgermeisters 1973 zu den „Bunten Vögeln“, zur Gründung der „Grün-Alternativen“ und schließlich zur Ablehnung einer gemeinsamen Weltausstellung mit Budapest 1991. Getrieben von nur wenigen sozial engagierten Planern und Beamten hatte sich in Wien eine „sanfte“ Stadterneuerung entwickelt, deren Ziel eine soziale und menschlich verträgliche Sanierung der gründerzeitlichen Rasterviertel war. Ihr Instrument war die Gebietsbetreuung, die erste begann 1974 in Ottakring mehrere Blöcke mit intensiver Bürgerbeteiligung zu sanieren. Diese Gebietsbetreuungen wurden, beginnend bei ausgesuchten Vierteln zu beiden Seiten des Westgürtels, schließlich über das gesamte gründerzeitliche Gebiet Wiens ausgedehnt. Gesetzgebung und Verwaltung folgten hier nur zögernd. Mit der Gründung des WWFSG, später Wohnfonds_Wien 1985 wurde die Förderung zur Sanierung von Häusern und Wohnungen mit den geeigneten Instrumenten wie Blocksanierung, Sockelsanierung etc. geregelt. Die Gebietsbetreuungen wandten sich vermehrt einer koordinierenden Tätigkeit und dem Schwerpunkt „öffentlicher Raum“ zu: Die Gefahr einer drohenden Verslummung durch Segregation, der starken Zuwanderung aus dem südosteuropäischen Raum einerseits, Suburbanisierung und Gentrifizierung andrerseits führten schließlich zur Betonung kultureller und integrierender Initiativen vor allem im öffentlichen Raum, auf Plätzen und Strassen, um die Grätzel aufzuwerten und das Wir-Gefühl zu stärken. Der Schwerpunkt hatte sich also Mitte der 1990er Jahre bereits zur Gemeinwesenarbeit verlagert, und die sozialen und baulichen Probleme der inzwischen vier Jahrzehnte alten städtischen Wohnbauten rückten in den Mittelpunkt. Die Gebietsbetreuungen wurden auch mit dieser Aufgabe betraut, was sie aber zu sehr überdehnte, weshalb sie 2007 wieder in die klassische Gebietsbetreuung Stadterneuerung, welche sich vermehrte der Stadtteil- oder Grätzelarbeit widmet, und die GB Städtische Wohnanlagen mit vor allem sozialer Betreuung getrennt wurden. International hatten sich die Wiener Gebietsbetreuungen längst einen Namen gemacht, in Wien wurden sie durch eine komplizierte Magistratsorganisation zwar relativ unabhängig gesteuert, waren allerdings ab 1988 auf die Budgets der einzelnen Bezirke angewiesen, somit also vom Willen und Verständnis der „Bezirkskaiser“ abhängig. Die Leistungen der GB’s sind daher im Lauf der Zeit und vor allem räumlich unterschiedlich zu bewerten. Gemeinsam ist allen, dass sie mit einer sozial verträglichen Sanierung die Spekulation bekämpfen konnten, einen Großteil der Bezirke innerhalb des Gürtels sanieren konnten, und mit Glück und Willen eine großflächige Segregation und Verslummung verhindert haben.

Schlagwörter in Deutsch

Wien / Stadterneuerung / Gebietsbetreuung

Schlagwörter in Englisch

Vienna / urban renewal / area renewal

Dokumentenart: Hochschulschrift (Diplomarbeit)
AutorIn: Dolanski, Heinz
Titel: 35 Jahre Gebietsbetreuungen
Untertitel: ein Beitrag zur sanften Stadterneuerung in Wien
Umfangsangabe: 305 S. : Ill., graph. Darst., Kt.
Institution: Universität Wien
Fakultät: Historisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
Publikationsjahr: 2009
Sprache: ger ... Deutsch
BetreuerIn: Eigner, Peter
BeurteilerIn: Eigner, Peter
Klassifikation: 15 Geschichte > 15.09 Wirtschaftsgeschichte
15 Geschichte > 15.60 Schweiz, Österreich-Ungarn, Österreich
74 Geographie, Raumordnung, Städtebau > 74.73 Stadtsanierung, Stadterneuerung
74 Geographie, Raumordnung, Städtebau > 74.60 Raumordnung, Städtebau: Allgemeines
AC-Nummer: AC07953426
Dokumenten-ID: 8065
(Das PDF-Layout ist ident mit der Druckausgabe der Hochschulschrift.)

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