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Vereinbarkeitsstrategien von Akademikerinnen in der intensiven Familienphase

Kroismayr, Sigrid (2009) Vereinbarkeitsstrategien von Akademikerinnen in der intensiven Familienphase.
Dissertation, University of Vienna. Fakultät für Sozialwissenschaften
BetreuerIn: Amann, Anton

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DOI: 10.25365/thesis.8041
URN: urn:nbn:at:at-ubw:1-29606.92528.326569-1

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Abstract in German

Das Anliegen der Studie ist es, das Vereinbarkeitsverhalten von Akademikerinnen zu analysieren, die längstens ein Jahr ihre Erwerbstätigkeit unterbrochen haben und danach wieder in den Beruf zurückgekehrt sind. Dies ist deshalb bemerkenswert, weil in Österreich die Kinderbetreuung in den ersten drei Lebensjahren des Kindes als vordringliche Aufgabe der Mutter betrachtet wird. Dies wird durch die rechtlichen Rahmenbedingungen gestützt, da seit Juli 1990 eine zweijährige Karenzierung mit einem Kündigungsschutz bis zu vier Wochen nach dem zweiten Geburtstag des Kindes besteht. Öffentliche Betreuungsplätze für Kinder ab dem ersten Lebensjahr sind nur marginal vorhanden. Es liegt daher an den Frauen, Wege zu finden, Beruf und Familie zu verbinden. In der Arbeit wird davon ausgegangen, dass die befragten Frauen bei dieser Kombination mehr oder minder bewusst Strategien verfolgen. Theoretisch wird dabei auf die konzeptuellen Überlegungen von Pierre Bourdieu zurückgegriffen, der den Begriff der Strategie verwendet hat, um die subjektive Kreativität im Umgang mit objektiven Gegebenheiten auszudrücken. Dies macht sich bereits bei der Familiengründung bemerkbar. Die meisten der 14 befragten Akademikerinnen haben sehr genau die möglichen beruflichen Risiken abgeschätzt und erst dann eine Mutterschaft realisiert, als sie in ihrem Tätigkeitsbereich ein möglichstes Maß an Sicherheit erreicht haben. Dieser Weg wird von ihnen auch nach der Berufsrückkehr fortgesetzt: Zeitpunkt und Stundenausmaß der Wiederaufnahme der Erwerbsarbeit stehen in engem Zusammenhang mit der Sicherheit der beruflichen Position. Die frühe Rückkehr in den Beruf ist also darauf zurückzuführen, dass die Frauen ihre einmal erreichte berufliche Stellung, auf die sie oft lange hingearbeitet haben, behalten wollen, nicht jedoch, um „Karriere“ zu machen. Diese Rückkehrstrategien sind ein Teil der von den Frauen praktizierten Vereinbarkeitsstrategien. Für diese spielen Vorstellungen über die Betreuung des Kindes in den ersten drei Lebensjahren, die Möglichkeit und Bereitschaft des Partners zur Übernahme von Familienarbeit oder die familiäre Situation durch das (Nicht-)Vorhandensein von Großeltern eine Rolle. In der vorliegenden Untersuchung wurden zwei Dimensionen für die Klassifizierung der Vereinbarkeitsstrategie herangezogen: wer die Betreuung während der berufbedingten Abwesenheit der Mutter übernommen hat und ob die Familienarbeit innerhalb der Partnerschaft tendenziell gleich verteilt ist oder nicht. Demnach lassen sich eine partnerschaftliche (Partner), eine familiäre (Großeltern), eine private (Kindermädchen, Au-pair-Mädchen, Babysitter, Tagesmutter) und eine institutionelle (Kinderkrippe) Vereinbarkeitsstrategie unterscheiden. Jede dieser Vereinbarkeitsstrategien wurde danach unterschieden, ob die Familienarbeit gleich oder ungleich aufgeteilt war. Bei den befragten Frauen hat sich gezeigt, dass sie bei beiden Kindern in der Regel dieselbe Vereinbarkeitsstrategie verfolgen. Zu Änderungen ist es dann gekommen, wenn der Partner nicht bereit war, ein zweites Mal in Karenz zu gehen; wenn keine längerfristige Vereinbarung getroffen wurde, und der Partner nach einer kurzen Karenzphase wieder voll in den Beruf eingestiegen ist, oder die beruflichen Anforderungen an die Frau eine neue Vereinbarkeitsstrategie erforderlich machten. Bemerkenswert ist, dass sich zwischen den getroffenen Vereinbarkeitsstrategien der Frauen und ihrer sozialen Herkunft Zusammenhänge feststellen ließen. Die soziale Herkunft wurde primär durch das Bildungsniveau des Vaters bestimmt. Frauen, deren Vater mindestens eine Matura abgeschlossen hat, wurden der Bildungsschicht zugeordnet, für die ein „bürgerlicher“ Sozialhintergrund angenommen wurde, während Frauen, dessen Vater maximal einen Lehrabschluss aufweist, der Nichtbildungsschicht zugeordnet wurden. Für diese Gruppe wurde ein geringerer Grad an „bürgerlichen“ Einstellungs- und Verhaltensmuster vermutet, da Bildung ein wesentliches Merkmal bürgerlicher Lebensart ist. Es zeigte sich, dass Frauen aus der Bildungsschicht zwar eine große berufliche Leistungsorientierung besitzen. Durch die Mutterschaft kommt es jedoch durch diverse Umstände zu einer Neubewertung, die dazu führt, dass die Frauen langfristig sich auf die Rolle der Zuverdienerin einstellen, in Teilzeit arbeiten und auch für die Erledigung der Familienarbeit die Hauptverantwortung übernehmen. Damit haben sie eine Vereinbarkeitsstrategie etabliert, die in modifizierter Form dem bürgerlichen Familienleitbild entspricht. Demgegenüber finden sich ausschließlich bei Frauen aus der Nichtbildungsschicht Vereinbarkeitsstrategien, in denen die Berufs- und Familienarbeit zwischen den PartnerInnen gleichberechtigt aufgeteilt ist. Nur in dieser Schicht kommt es vor, dass die Frauen sich in höheren beruflichen Positionen befinden als der Partner, die Frauen in Vollzeit oder vollzeitnaher Teilzeit arbeiten und die Familienarbeit gleichberechtigt aufgeteilt ist.

Schlagwörter in Deutsch

Vereinbarkeit von Beruf und Familie / Akademikerinnen / intensive Familienphase / Strategien

Abstract in English

This paper deals with the combination of work and family for academic women who return to workplace within a year after childbirth. This behaviour attracts attention because in Austria it is normal for mothers of very young children stay at home to look after them. This situation is supported by legal provisions. Since 1990, maternity leave allows women to stop working for two years. This includes job protection until four weeks after child’s second birthday. Moreover, there are very few public care facilities for toddlers, so it is up to women to find their own ways of combining work and family. To handle the connection between employment and family on a theoretical ground, the term „strategy“ is highly relevant. In this context, the conceptual considerations of Pierre Bourdieu are very helpful. He uses the term to show how actions of individuals are regulated without following rules. People don´t follow rules but pursue strategies to realize their interests. With regard to the interrelation of employment and family, it is argued that academic women develop their own strategies to stay in the labour market when they are mothers. Most of the 14 interviewed academic women had a child at a point where they had reached a relatively stable professional position. Also, when they return to work, they want to make sure that they keep their places within the company or institution where they are employed. This means that the time of return and the number of working hours depends on the professional sector (private versus public sector) and on the position they held (leading position versus non-leading position). The women have made great investments in their professional position and the reason why they want go back to the market place work within a year is not to make a „career“ but to keep their career. The strategies of return are part of the strategies to combine work and family. How the interrelation of employment and family is arranged depends on various factors. When forming „types“ of reconcilability, two dimensions are taken into consideration: who looks after the child during mother’s work, and the division of family work between the parents. According to that, there can be differentiated strategies of reconcilability based on partnership, on family (grandparents), on private persons (nurse, au-pair, babysitter, day mother) and institutional care (nursery). Then, each of these strategies is considered if the family work within the partnership is divided equally or not. If the women in this study have more than one child then most of them use the same strategy to combine work and family. The established strategies of reconcilability also show some remarkable connections to the social background of the women. Their family background was defined by the father’s educational level. According to that, women whose father has at least a general qualification for university entrance were related to the „middle class“ whereas women whose father has at most a graduation from apprenticeship training were related to the „working class“. It is seen that women of the „middle class“ are very ambitious but when they get a child their professional aspirations get lower. In the long run they work part time (maximum 20 hours) until the child is three years old and they also manage the household tasks primarily alone. On the other hand, women from the „working class“ have establish strategies where professional and family work is divided equally between the parents. Only these women held a professional position which is higher than their partner’s, and they also work full time or longer part time jobs and the partner carries out an equal part of the family work.

Schlagwörter in Englisch

work and family / academic women / return to work after childbirth / strategies

Item Type: Hochschulschrift (Dissertation)
Author: Kroismayr, Sigrid
Title: Vereinbarkeitsstrategien von Akademikerinnen in der intensiven Familienphase
Umfangsangabe: 359 S.
Institution: University of Vienna
Faculty: Fakultät für Sozialwissenschaften
Publication year: 2009
Language: ger ... Deutsch
Supervisor: Amann, Anton
Assessor: Amann, Anton
2. Assessor: Sieder, Reinhard
Classification: 71 Soziologie > 71.31 Geschlechter und ihr Verhalten
AC Number: AC07951453
Item ID: 8041
(Das PDF-Layout ist ident mit der Druckausgabe der Hochschulschrift.)

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