Universitätsbibliothek Wien

Der Blechhaufen von Wien

Konrath, Stefan (2008) Der Blechhaufen von Wien.
Diplomarbeit, Universität Wien. Historisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
BetreuerIn: Eigner, Peter

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URN: urn:nbn:at:at-ubw:1-29320.45793.750364-5
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Abstract in Deutsch

Die Wiener Rotunde fungierte als zentraler Mittelpunkt und als Hauptgebäude der Wiener Weltausstellung 1873. Sie war ein gigantischer Kuppelbau auf einem auch sonst überdimensionierten Weltausstellungsgelände. Die erste Weltausstellung auf deutschsprachigem Gebiet sollte alles Bisherige übertreffen. Macht, Leistungsfähigkeit und das neu erlangte Selbstverständnis der Habsburgermonarchie, aber auch des Bürgertums sollten mit einem kostspieligen technischen Wunderwerk demonstriert werden – ein Gebäude als Statussymbol für ein geplantes Jahrhundertereignis. Aus dem angesagten Jahrhundertereignis wurde allerdings ein Fiasko, zumindest aus wirtschaftlicher Sicht. Eine Reihe von unglücklichen Umständen – allen voran der „Große Krach“ – verursachten einen unvermuteten Besuchermangel und ein daraus resultierendes Riesendefizit. Der ursprünglich geplante Abbruch der Rotunde wäre aus technischen Gründen äußerst kostspielig gewesen, und so wurde dem Rundbau ein weiterer Fortbestand gewährt. Das monumentale Bauwerk und ihr Umfeld blieb die größte bauliche Örtlichkeit, den die Österreichisch-Ungarische Monarchie für repräsentative Zwecke zu bieten hatte. In ihrer über 64-jährigen Funktionsperiode wurde die Rotunde somit zum Schauplatz einer kaum überschaubaren Reihe von Ausstellungen und Veranstaltungen aller Art. Zahlreiche Großausstellungen Wiens wurden in der Rotunde und auf ihrem Terrain (dem heutigen Messegelände) abgehalten. Die namhaftesten Ereignisse nach der Weltausstellung von 1873 waren die Internationale Elektrische Ausstellung (1883), die Internationale Musik- und Theaterausstellung (1892), die Kaiser-Jubiläumsausstellung (1898), die Erste Internationale Jagdausstellung (1910) und die letzte Großausstellung der Monarchie, die Adria-Ausstellung (1913). Es handelte sich dabei vorwiegend um einerseits sehr moderne Industrie-Produktenausstellungen, die zumeist von typisch repräsentativen Kunstausstellungen ergänzt wurden. Diese Ausstellungen hatten häufig ein rundes Jubiläum zum Anlass und fanden in unregelmäßigen Abständen statt. Veranstalter war in der Regel nicht die Gemeinde Wien, sondern ein von der öffentlichen Hand unterstützter Verein. Die Rotunde war aber nicht nur eine Ausstellungshalle, in der die Industrie und das Gewerbe ihre Produkte zur Schau stellten. Sie diente über Jahrzehnte als Mehrzweckhalle für Musik- und Theatervorstellungen, Zirkusgastspiele und andere teils außergewöhnliche gesellschaftliche Ereignisse und Spektakel. Millionen von Besuchern statteten dem monumentalen Bauwerk, das aufgrund seiner Dimensionen auch das Stadtbild Wiens prägte, einen Besuch ab. Zahlreiche technische und kulturelle Leistungen wurden in dem Kuppelbau erstmals aufgeführt. Die Rotunde hatte als Veranstaltungsort eine beachtliche wirtschaftliche und kulturelle Bedeutung für die Stadt Wien. Das Gebäude stand aber auch über lange Zeiträume leer oder wurde lediglich als Lagerraum bzw. Sammelstelle genutzt. Nach dem Ersten Weltkrieg dauerte es bis in die frühen 1920er Jahre, ehe auf dem Gelände wieder regelmäßige Ausstellungen durchgeführt wurden. Nachdem die schwierigen wirtschaftlichen Verhältnisse den Neubau eines Ausstellungsgebäudes nicht erlaubten, griff man auf die bereits recht betagte Rotunde und ihr umliegendes Gelände, auf dem bis dahin so viele Produktschauen stattgefunden hatten, zurück, um sie für die neu gegründete Wiener Messe weiterzunutzen. Die folgenden Messeveranstaltungen wurden halbjährlich bis zum Brand 1937 u. a. in der Rotunde durchgeführt. Dabei spielte das Gebäude mit seinen außergewöhnlichen Dimensionen als Hauptausstellungsgebäude und -ort der Wiener Messe eine wesentliche Rolle und verzeichnete regelmäßig großen Publikumszulauf. Der Brand der Rotunde ist unter die größten Brandkatastrophen Wiens einzureihen, ein schauderhaftes Ereignis für dessen Bevölkerung. Neben den Spitzen des Staates strömten Massen von Menschen in den Prater, um der Brandkatastrophe beizuwohnen, bei der glücklicherweise keine Todesopfer zu beklagen waren. Für die Stadt Wien und für ganz Österreich verursachte die Zerstörung der Rotunde, die im Eigentum des Bundes stand, einen schweren wirtschaftlichen Schaden und den Verlust einer bedeutenden Kultur- und Wirtschaftsstätte des Landes. Zahlreiche Massenveranstaltungen lockten Millionen Besucher in die Rotunde. Auf diese Weise hat die Rotunde Einzug in das kulturelle Gedächtnis, vor allem der Wiener Bevölkerung, aber auch vieler österreichischer und ausländischer Wien-Besucher/innen mehrerer Generationen, gefunden. Allerdings wurde die Rotunde nicht nur positiv beurteilt. Sie galt für viele auch als monströses Überbleibsel längst vergangener Tage, an dem noch jahrzehntelang negative Erinnerungen an den unglücklichen Verlauf der Wiener Weltausstellung 1873 hafteten. Die Architektur des Bauwerks wurde von nicht wenigen Zeitgenossen ablehnend beurteilt. Die Konstruktion und die baulichen Ausführungen wurden teilweise als mangelhaft bezeichnet. Aufgrund des fehlenden Oberlichts und der schlechten Akustik wurde dem Rundbau von einigen Seiten mangelnde Brauchbarkeit attestiert. Auch die Presse nahm anfangs eine überaus skeptische Haltung gegenüber dem neuen Gebäude ein. Bei den Besuchern aber fand die Rotunde zumeist von Anfang an begeisterten Anklang. Die Wiener Bevölkerung war zunächst vorsichtig skeptisch, bedachte dann den Rundbau mit Spitz- und Schmähnamen und machte das Gebäude schließlich zu einem Wahrzeichen Wiens.

Schlagwörter in Deutsch

Rotunde / Weltausstellung 1873 / Weltausstellungsarchitektur / internationale Ausstellungen / kulturelle Veranstaltungen / Wiener Messe / Brand der Rotunde

Dokumentenart: Hochschulschrift (Diplomarbeit)
AutorIn: Konrath, Stefan
Titel: Der Blechhaufen von Wien
Untertitel: eine Studie über die wirtschaftliche und kulturhistorische Bedeutung der Wiener Rotunde
Umfangsangabe: 162 S. : Ill.
Institution: Universität Wien
Fakultät: Historisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
Publikationsjahr: 2008
Sprache: ger ... Deutsch
BetreuerIn: Eigner, Peter
BeurteilerIn: Eigner, Peter
Klassifikation: 15 Geschichte > 15.00 Geschichte: Allgemeines
15 Geschichte > 15.07 Kulturgeschichte
AC-Nummer: AC06758231
Dokumenten-ID: 647
(Das PDF-Layout ist ident mit der Druckausgabe der Hochschulschrift.)

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