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Der elementare Rechenunterricht in deutschsprachigen Lehrbüchern Österreichs von Maria Theresia bis zum Ende der Monarchie

Pacher, Lieselotte Maria (2008) Der elementare Rechenunterricht in deutschsprachigen Lehrbüchern Österreichs von Maria Theresia bis zum Ende der Monarchie.
Diplomarbeit, University of Vienna. Historisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
BetreuerIn: Dienst, Heide

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DOI: 10.25365/thesis.552
URN: urn:nbn:at:at-ubw:1-30436.35089.103363-7

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Abstract in German

Die Zielsetzung der vorliegenden Arbeit ist es, die Entwicklung des elementaren Rechenunterrichtes in 140 Jahren – von Maria Theresia bis zum Ende der Monarchie – aufzuzeigen. Als Quellen dazu dienten die in dieser Periode edierten Gesetze, Erlässe und Verordnungen, die das Schulwesen betrafen, sowie die während dieses Zeitabschnitts erschienenen Schul- und Methodikbücher für den Rechenunterricht. Am 6. Dezember 1774 hatte Maria Theresia die „Allgemeine Schulordnung“ unterzeichnet und damit die Grundlage für den Aufbau eines Schulsystems geschaffen, das alle Bevölkerungsschichten zu erfassen trachtete. Der Initiator dazu, Abt Ignaz Felbiger, löste den bis dahin gepflegten Einzelunterricht durch das „Zusammenunterrichten“ und das „Tabellarisieren ab. Diese Methoden wurden auch im Rechenunterricht, für den Felbigers Bücher die Grundlage bildeten, angewendet. Die „Politische Verfassung der deutschen Schulen“ von 1805 legte fest, dass sich der Rechenunterricht in der Elementarklasse hauptsächlich auf das Kopfrechnen beschränken sollte. Bereits 1820 forderte Joseph Peitl in seinem „Methodenbuch“ einen anschaulichen Unterricht und die Abkehr vom vorwiegenden Gedächtnisdrill. Bedingt durch Erkenntnisse der Entwicklungspsychologie wurde 1845 in den „Forderungen“ ein Umdenken im Gestalten des Unterrichts postuliert. Das „Reichsvolksschulgesetz“ von 1869 und die „Schul- und Unterrichtsordnung“ von 1905 regelten die Ausbildung der Lehrer. In einer Minister-Verordnung von 1870 wurden Veranschaulichungsmittel für den ersten Rechenunterricht gefordert. Ab 1883 hieß der Gegenstand „Rechnen, in Verbindung mit der geometrischen Formenlehre“. Durch das umfangreiche Werk des österreichischen Rechenmethodikers Franz Ritter von Močnik setzte sich die in Deutschland entstandene „Monographische Methode“ von August Wilhelm Grube in etwas abgeschwächter Form in Österreich allgemein durch. Seinen methodischen Ansatz kennzeichnet eine Verschmelzung des monographischen Prinzips mit der Zahlbildmethode. Močnik war gewiss einer der bedeutendsten österreichischen Rechenmethodiker. Seine Rechenbücher wurden in alle Sprachen der Monarchie übersetzt und fast 40 Jahre lang im Unterricht verwendet. Während der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zeigt der Rechenunterricht in Österreich deutliche Züge der sogenannten „Zählmethode“, in der jede Form der Veranschaulichung der Zahl abgelehnt wurde. Zählen allein bedeutete hier die Grundlage des Rechnens. Auch Heinrich Kolar, der Wegbereiter des Gesamtunterrichts in Österreich, wählt die Zählmethode als methodischen Einstieg in den Erstrechenunterricht. Die Zählmethode verbreitete sich vor dem Ersten Weltkrieg in der gesamten Monarchie. 1913 erschien das erste farbige Rechenbuch Österreichs mit vielen grafischen Darstellungen und der Verwendung der Schreibschrift (Kurrentschrift). Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges unterbrach abrupt eine kontinuierliche Weiterentwicklung im Schulwesen und somit auch im Rechenunterricht.

Schlagwörter in Deutsch

Rechenunterricht in der Zeit vor der Maria-Theresianischen Schulreform - Die Schulreform unter Maria Theresia (Felbigers Methode des Rechenunterrichts) - Rechenunterricht unter Joseph II., Leopold II. und Franz I. (die politische Schulverfassung von 1805) - Rechenunterricht unter Ferdinand I. und Franz Joseph I. (das Reichsvolksschulgesetz von 1869, die monographische Methode, die Rechenbüch

Abstract in English

The aim of the thesis is to follow the development of elementary mathematics instruction throughout 140 years, i.e. from the time of Empress Maria Theresia of Habsburg (1740 – 1780) to the end of the Austro-Hungarian Monarchy in 1918. Sources used are the laws, decrees and governmental orders of the period in question concerning the school system, relevant schoolbooks and books of methodology for teaching mathematics. On 6th December 1774 Maria Theresia signed the so-called “Allgemeine Schulordnung” (decree of education for all citizens) which established a school system for all classes of society. The initiator, Abbot Ignaz Felbiger, substituted individual instruction methods by common instruction “Zusammenunterrichten” and tabulating “Tabellarisieren”. These methods were also used in mathematical instruction in textbooks written by Abbot Felbiger himself. The “Politische Verfassung der Deutschen Schulen” of 1805 restricted mathematical instruction in primary classes to oral arithemtics. In 1820 Joseph Peitl published a book of methodology (“Methodenbuch”) and asked for a more appropriate method and the abandonment of the predominant memory drill. The development of a new approach in the method of instruction was initiated by recent advances in psychology. The “Reichsvolksschulgesetz” of 1969 and the “Schul- und Unterrichtsordnung” of 1905 regulated the education of teachers. By means of a ministerial order of 1870 better material for the illustration of mathematical instruction at primary level was installed. From 1883 onward the subject was called “Rechnen, in Verbindung mit der geometrischen Formenlehre” (arithmetic in combination with geometry). On the basis of the comprehensive work of the Austrian mathematician Franz Ritter von Močnik, the German August Wilhelm Grube developed the “Monographische Methode” of instruction and this method was generally adopted in Austria. His method was a fusion of the monographic principle with the “Zahlbildmethode”. Močnik was certainly one of the most famous Austrian mathematics teachers. His arithmetics-books were translated in all languages of the monarchy and were used in the schools for 40 years. During the first half of the 20th century mathematics instruction in Austria showed clear signs of the “Zählmethode”, in which illustration of the numbers was not common. All calculations were based on simple counting. Heinrich Kolar, the iniator of the “Gesamtunterricht” in Austria, chose the “Zählmethode” for the arithmetic instruction of beginners. The “Zählmethode” was then used in the whole monarchy before the beginning of World War I. In 1913 the first arithmetic book with coloured illustrations and script was published. World War I interrupted any further continuous progress of methodology and consequently the development of the methods of instruction in the field of elementary mathematical education also came to a standstill.

Item Type: Hochschulschrift (Diplomarbeit)
Author: Pacher, Lieselotte Maria
Title: Der elementare Rechenunterricht in deutschsprachigen Lehrbüchern Österreichs von Maria Theresia bis zum Ende der Monarchie
Umfangsangabe: 300 S.
Institution: University of Vienna
Faculty: Historisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
Publication year: 2008
Language: ger ... Deutsch
Supervisor: Dienst, Heide
Assessor: Dienst, Heide
Classification: 15 Geschichte > 15.00 Geschichte: Allgemeines
AC Number: AC06744901
Item ID: 552
(Das PDF-Layout ist ident mit der Druckausgabe der Hochschulschrift.)

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