Universitätsbibliothek Wien

Sammeln und Graben für Herrscher und Vaterland

Haarmann, Daniela (2018) Sammeln und Graben für Herrscher und Vaterland.
Dissertation, University of Vienna. Historisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
BetreuerIn: Vocelka, Karl
Keine Volltext-Freigabe durch VerfasserIn.

[img] PDF-File - Zur Anzeige nicht freigegeben
Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved

-
URN: urn:nbn:at:at-ubw:1-15138.28991.526966-3

Link zu u:search

Abstract in German

Die Zeit um 1800 stellte in ganz Europa eine Phase multipler Wandlungsprozesse dar, die alle Teile des politischen, kulturellen und gesellschaftlichen Alltages betrafen. Die hier vorliegende Dissertation untersucht hierbei zwei spezifische Wandlungsprozesse dieser Zeit und ihre Wechselbeziehungen zueinander: (a) die wissensenshistorischen Veränderungen in der Altertumskunde, im Antiquarianismus und in der frühen Archäologie sowie (b) die Entwicklung zu neuen Formen von kollektiven Identitäten. Untersuchungsraum ist die Habsburgermonarchie, genauer das Königreich Ungarn, das Herzogtum Steiermark (Peripherien) und Wien (Zentrum). Die Hauptthese der Arbeit geht davon aus, dass - nach Hrochs "Drei-Phasen-Modell" - Gelehrte hier verschiedene Formen von kollektiver Identität über den Rückbezug auf eine antike Vergangenheit schufen, entweder über die "Klassische Antike" oder einer "Substitute Antiquity" (Klaniczay et al.). Ziel war es dabei, die dahinter stehenden epistemologischen Methode, die identitätsstiftende Funktion von Altertumskunde einerseits sowie von Münz- und Antikensammlungen in Wien (k. k. Münz- und Antikenkabinett), Pest (Museum Hungaricum) und Graz (Joanneum) andererseits darzustellen. Die Ergebnisse belegten maßgebenden Einfluss von Gelehrten auf die Entwicklung von kollektiven Identitäten, weil ihnen auch das normative Recht und die Macht zur Produktion von "wahrem Wissen" zukam. Die Produktionsmechanismen für die verschiedenen Identitätsformen selbst ähnelten sich in schriftlichen und musealen Darstellungsformen, sodass Unterschiede nur im Detail auszumachen waren. Unterschiede zeigten sich jedoch in der individuellen Auslegung von Begriffen wie "Nation" oder "Vaterland". Auch waren manche antike Narrative abhängig von einem konkreten Ereignis (hier: Germanen-Narrativ und Napoleonische Bedrohung) und andere wiederum konstant die Jahrhunderte überdauerten (hier: Skythen- und Hunnen-Narrativ). Die Gelehrten arbeiteten hierbei aber zumeist gemäß den epistemischen Standards ihrer Zeit. Die Untersuchung von Schatzfundrecht und Fallbeispielen ließ das Konzept vom "innermonarchischen Kulturimperialismus" entstehen, welches das Selbstverständnis Wiens beschreibt, als Zentrum der Monarchie das selbstgegebene Recht auf sämtliche Bodenfunde hatte. Obwohl dies die Sammlungserweiterung von anderen Sammlungen der Monarchie stark einschränkte, bildete dies auch die Grundlage für eine moderne, staatlich geleitete und wissenschaftlich organisierte Archäologie in Zentraleuropa.

Schlagwörter in Deutsch

Wissenschaftsgeschichte / Identitätsgeschichte / Ideengeschichte / Österreich / Ungarn / Habsburgermonarchie / Steiermark / 18. Jahrhundert / 19. Jahrhundert / Altertumskunde / Archäologie / Antikenrezeption / Antiquarianismus / Joanneum / Graz / Museum Hungaricum / Ungarisches Nationalmuseum / Magyar Nemzeti Múzeum / Ungarische Nationalbibliothek / Országos Széchényi Könyvtár / Budapest / k. k. Münz- und Antikenkabinett

Abstract in English

About 1800, Europe underwent multiple processes of transformation, which concerned all parts of the political, cultural and social life. This dissertation explores two of those transformation process: (a) the epistemic changes within Ancient Studies, Antiquarianism and Archaeology and (b) the development of new forms of collective identities in the Habsburgian monarchy, specifically in the Kingdom of Hungary, the Duchy of Styria (peripherical spaces) and Vienna (centre). Following Hroch's "Three-Phase-Model", the main thesis of this study is that scholars created different forms of collective identity developed by referring to an ancient past - either the "Classical Antiquity" or a "Substitute Antiquity." (according to Klaniczay et al.). So, this PhD-thesis intended to outline the underlying epistemic methods, the function of Ancient Studies as of collections of ancient coins and antiques in Vienna (imperial-royal Cabinet of Coins and Antiques), Pest (Museum Hungaricum) and Graz (Joanneum) for creating collective identities. The results proofed the crucial influence of scholars on the development of collective identities since they had the normative right and power to produce "true knowledge." The production of those identities followed comparable patterns in written as museum presentations, so creating sub- as supra-national identities differed from the national form only by detail. But differences were to be seen in the different and individual interpretations of concepts like "Nation" or "Fatherland". Also, the reception of some antique narratives depended on actual events (Germanic narrative and Napoleon), while other narratives (Scyth and Hun narrative) were passed on throughout the centuries. The scholars, however, worked according to the epistemic standards of their time. Analysing the law of treasure finding and some case studies lead to the development of the concept in "intra-monarchic cultural imperialism." According to Vienna's self-conception of being the centre of the monarchy, this concept described the self-given right of Vienna of incorporation of all founded treasures within the borders of the empire. Though this legal situation restricted the collecting activities of other collections of the monarchy, it formed the basis of modern Archaeology in Central Europe, which was directed by the state and organised by science.

Schlagwörter in Englisch

History of Knowledge / History of Identity / History of Concepts / Austria / Hungary / Habsburgian Empire / Styria / 18. Century / 19. Century / Ancient Studies / Archaeology / Antique Reception / Antiquarianism / National Museum of Hungary / National Library of Hungary / royal imperial Coin and Antique Cabinet / Museum of Art History / Vienna / Dalmatia / Treasure of Nagyszentmiklós

Item Type: Hochschulschrift (Dissertation)
Author: Haarmann, Daniela
Title: Sammeln und Graben für Herrscher und Vaterland
Subtitle: Altertumskunde, Archäologie und die Konstruktion von Identitäten in den österreichischen und ungarischen Ländern um 1800
Umfangsangabe: 790 Seiten : Illustrationen, Diagramme, Karten
Institution: University of Vienna
Faculty: Historisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
Studiumsbezeichnung bzw.
Universitätslehrgang (ULG):
Dr.-Studium der Philosophie (Dissertationsgebiet: Geschichte)
Publication year: 2018
Language: ger ... Deutsch
Supervisor: Vocelka, Karl
2. Supervisor: Mitthof, Fritz
Assessor: Heppner, Harald
2. Assessor: Graf, Rudolf
Classification: 15 Geschichte > 15.00 Geschichte: Allgemeines
15 Geschichte > 15.01 Historiographie
10 Geisteswissenschaften allgemein > 10.01 Geschichte der Geisteswissenschaften
15 Geschichte > 15.60 Schweiz, Österreich-Ungarn, Österreich
15 Geschichte > 15.07 Kulturgeschichte
15 Geschichte > 15.49 Ostmitteleuropa
15 Geschichte > 15.61 Tschechien, Slowakei, Ungarn
15 Geschichte > 15.35 Europäische Geschichte 1789-1815
AC Number: AC15081587
Item ID: 53039
(Das PDF-Layout ist ident mit der Druckausgabe der Hochschulschrift.)

Urheberrechtshinweis: Für Dokumente, die in elektronischer Form über Datennetze angeboten werden, gilt uneingeschränkt das österreichische Urheberrechtsgesetz; insbesondere sind gemäß § 42 UrhG Kopien und Vervielfältigungen nur zum eigenen und privaten Gebrauch gestattet. Details siehe Gesetzestext.

Edit item (Administrators only) Edit item (Administrators only)