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Fragen lernen bei K. Rahner - die fehlenden Fragen in der säkularisierten Gesellschaft der Slowakei

Arbet, Viliam (2017) Fragen lernen bei K. Rahner - die fehlenden Fragen in der säkularisierten Gesellschaft der Slowakei.
Dissertation, University of Vienna. Katholisch-Theologische Fakultät
BetreuerIn: Appel, Kurt
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URN: urn:nbn:at:at-ubw:1-17733.65019.907352-1

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Abstract in German

Karl Rahner war für die katholische Theologie ein wichtiger Denker, der der Theologie den Zugang zur Moderne eröffnet hat; er hat gezeigt, dass Katholizismus und Moderne nicht unversöhnbare Gegensätzen darstellen müssen. Durch seine langjährige theologische Tätigkeit hat Rahner die katholische Theologie nicht nur allgemein, sondern auch vielen einzelnen Glaubensinhalte neue Zugänge eröffnet, welche den modern denkenden Menschen mehr respektieren. Rahner hat mit seinem Denken eine Welle einer neueren Theologie losgetreten, die im Zweite Vatikanischen Konzil begründet war. Christen im ehemaligen Ostblock konnten diesen Prozess in der Theologie leider nur von der Ferne vermittelt beobachten. Nach dem Fall der Totalität standen Christen nun vor der Aufgabe, sich theologisch mit einer neuen Situation auseinandersetzen, sowohl mit ihren Chancen als auch mit ihren Risiken. Dies bedeutete für viele, einen Zugang zu den neuen „Orten der Theologie“ zu suchen – in der Gesellschaft, in der Geschichte, in der Freiheit; eine praeambula fidei zu suchen, die den heutigen Menschen entspricht. Sich theologisch mit der Geschichte dieser Welt auseinanderzusetzen setzt eine Theologie voraus, welche sich selbst geschichtlich denken kann. Geschichte theologisch akzeptieren zu lernen –gerade dies ist bei Karl Rahner gut möglich. Karl Rahner kann Christen beim Verstehen des Glaubens behilflich sein – in der Eröffnung des Glaubens für das existentielle Ausmaß des Menschen. Die Grundfrage seiner Theologie beleuchtet die Bedingungen der Möglichkeit im Menschen für die Annahme der Offenbarung, für den Akt des Glaubens – damit der Mensch glauben kann. Rahner versuchte mitunter, den Glauben vom her Menschen zu durchdenken. Er verstand die Offenbarung nicht als eine rein epistemische Information für den Menschen, sondern als die Antwort auf die wesenhafte, existentielle Frage des Menschen – welche er metaphysisch in seinem Werk Hörer des Wortes thematisiert hat. Dieser Ausgangspunkt der daseienden Frage des Menschen kann auch heute für die Theologie inspirativ sein, da er die Erfahrung des Menschen respektiert, vor allem seine tiefere, transzendentale Erfahrung, durch welche der Mensch all seine Vollzüge, sein Denken, sein Erkennen und Handeln der Frage unterwirft. Diese Erfahrung thematisierte Rahner nicht selbstzweckmäßig, sondern er zeigte damit auf, dass sich in ihrer Tiefe die ursprüngliche Gotteserfahrung befindet – wenn sie auch nicht immer ausdrücklich thematisiert ist, jedoch zieht sie durch ihre Verankerung die andere Erfahrung des Menschen, seine Transzendenz, zu sich heran. Der Mensch erlebt solche Erfahrungen besonders in Situationen des Umbruchs, der Zäsur, die den selbstverständlichen Lauf des Lebens unterbrechen. Rahner analysierte durch seine metaphysische Anthropologie den Menschen als Wesen der Frage, als geöffnetes Wesen, bereit, die Offenbarung anzunehmen. Besonders in dieser Fragestellung ist Rahners Theologie noch heute aktuell, da er vom Dasein des Menschen ausgeht und dabei die Positionierung des Menschen in der Welt und seine Freiheit nicht umgehen will. Dies alles bildet den Horizont des Fragens für den einzelnen Menschen und somit auch für seinen Glauben. Diese rahnersche Denkweise bringt die Theologie näher zum Menschen, zu seiner konkreten Situation. Auch wenn Rahner die Begründung der Theologie im Allgemeinen gesucht hat, gleichzeitig kam er immer konkreten Situation des Menschen nahe. Er bemühte sich, auf die Situation des Christentums in der Zeit einzugehen, in welcher sie die äußeren Glaubensstützen – wie z. B. im Blick auf das numinose Weltbild oder die gesellschaftliche Konventionen – verliert. Weiters lenkte Rahner die Sicht darauf, den Glauben in jenen Situation durchzudenken, in denen der Mensch mehr auf sich selbst, auf sein Inneres, verworfen wird – nicht deswegen, damit er den Glauben privatisiert, sondern damit der Mensch authentisch eine solche Glaubensgrundlage finden kann, die ihm seinen Glauben auch geschichtlich, im gesellschaftlichen Leben ermöglicht. Den Glauben muss der Mensch zuerst vor sich selbst verteidigen – damit er diesen auch vor dem Antlitz dieser Welt leben kann. Die Situation der Säkularisation, in welcher der Mensch die äußeren Stützen für seinen Glauben verliert und in welcher die Welt noch weltlicher geworden ist, nimmt Rahner nicht als eine Bedrohung wahr, sondern als Kairos, als die Chance des neuen wesenhaften Anfangs. Es zeigt eine Situation auf, die den Menschen in die Frage stellt, in eine des Umbruchs, in der der Mensch „aus der Tiefe zu Gott ruft“ (Vgl. Ps 130, 1). In dieser Situation kann der Mensch Gott neu und tiefer finden, in dieser Situation kann er seinen Glaube sozusagen „reinigen“ und vertiefen. Auf der anderen Seite stellte Rahner durch sein Denken auch eine Herausforderung für die Welt der modernen Wissenschaft und der objekthaften Erkennens dar. Rahner warnte vor dem Verlust der Wirklichkeit, vor der Entleerung des Sinnes. Wenn der Mensch im Namen der Positivität alle tieferen Fragen seines Lebens abwehrt und negiert, dann ist der Mensch damit bedroht, dass sich sein Leben entleert und objekthaft manipulierbar wird. Die Folgen solcher Denkweise zeigen sich schon gewissermaßen in der Postmoderne, was auch für Christen Anlass für eine Gewissensforschung sein kann. Aus diesen Gründen habe ich versucht, in dieser Arbeit das rahnersche Denken zu analysieren, als jenes, das von der Frage her ausgeht und ebenso an jene Fragen erinnert, die auch die heutige Gesellschaft nicht verlieren sollte. Ansonsten droht ein der Verlust wirklichen Glaubens und der geistigen Ebene des Lebens.

Schlagwörter in Deutsch

Karl Rahner / Frage / transzendental / säkularisierte Slowakei / Sein

Abstract in English

For Catholic theology, Karol Rahner was a thinker who opened the access to the new way of thinking; Rahner showed that catholicism and modernism do not have to form an implacable antagonist. During his long time activities he introduced new approaches for the Catholic theology in the whole and also for the respective concepts of faith. Rahner initiated a new wave in theology which led to the Second Vatican Council. Unfortunately we, in the Eastern Block, followed this process only indirectly. After the end of communist totality, we have faced a task to deal with a new situation in theology, its chances and risks. It meant searching the approach to new "theological points" - society, history, freedom; searching the grounds for religion, praeambulu fidei, corresponding to the today’s world. To deal with the history of this world theologically; such theology which is able to think in terms of history. Learn to accept history theologically - this is possible to learn from Karol Rahner. He can be helpful in the area of understanding of individual´s religious faith - religion opening for the existential dimension of a man. The basic question of his theology was how the man can accept revelation , i.e. for the act of his faith-religion. Rahner tried to think about religion from the bottom - from the viewpoint of a person. Rahner did not understand revelation only as epistemic information for a man but as an answer to the essential question of a man, which was metaphysically thematised in his work Hearers of the Word - Hörer des Wortes. This concept coming from the essential question of a man may be inspiring for theology also nowadays, as it respects human experience, especially deeper, transcendental experience based on which the man subjects all his actions, especially thinking, knowledge and behaviour to the question. Rahner does not address this experience as an end in itself but he wants to show that there is the original God´s experience on the bottom -as it is not always explicitly addressed but it as a secret attracts human experience, his transcendence. A person perceives this experience especially at breaking points which interrupts an obvious life cycle. Based on metaphysical anthropology, Rahner dynamically analysed a man as a creature, an open creature prepared to accept revelation. This topic is particularly current at the present moment as it is based on the actual existence of a man, Rahner does not want to circumvent man´s standing in the world or his freedom. This creates space for questioning the man, his faith. Rahner´s way of thinking draws theology close to the man, his specific situation. Even though Rahner searched for theology in general terms, as well as he was always able to come close to the specific situation of a person. That is why he tried to think about Christianity at a time free from external supports of faith, i.e. the numinous philosophy of life or societal conventions. He tried to think about faith in a situation when the man reaches the innermost part of himself - not because he wanted to privatize faith but to examine a prerequisite for faith enabling him to live in faith responsibly, in the society. The man must defend the faith to himself - so he can live in faith also in the face of this world. Rahner does not see the situation of secularisation, when the man is losing external supports for his faith, when the world becomes even more mundane, as a threat, but as a chance for new beginning. There is a question worth thinking, a breaking point when "the man calls out to the God from the deep". The man can find the God by a new way, his faith can be purified and deepened. On the other side, Rahner introduces a challenge for the world of modern science and knowledge. Rahner warns the world of the loss of deeper layers of reality, of meaningless. When the man in favour of positivism crowds out deeper issues, there is a risk that his life becomes empty and easily manipulated. Postmodern times generate the consequences of such thinking, what can give rise to searching Christians conscience. Due to these reasons we tried to analyse Rahner´s thinking which is based on a question, emphasises the question, which today´s society must bear in mind. Otherwise we are in danger of losing our faith and spiritual life.

Item Type: Hochschulschrift (Dissertation)
Author: Arbet, Viliam
Title: Fragen lernen bei K. Rahner - die fehlenden Fragen in der säkularisierten Gesellschaft der Slowakei
Umfangsangabe: 181 Seiten
Institution: University of Vienna
Faculty: Katholisch-Theologische Fakultät
Studiumsbezeichnung bzw.
Universitätslehrgang (ULG):
Dr.-Studium der Katholischen Theologie Katholische Fachtheologie
Publication year: 2017
Language: ger ... Deutsch
Supervisor: Appel, Kurt
Assessor: Appel, Kurt
2. Assessor: Treitler, Wolfgang
Classification: 11 Theologie, Religionswissenschaft > 11.69 Systematische Theologie: Sonstiges
AC Number: AC14493521
Item ID: 49399
(Das PDF-Layout ist ident mit der Druckausgabe der Hochschulschrift.)

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