Universitätsbibliothek Wien

Alternativmedizin und ihre Akzeptanz in der Gesellschaft

Altmann, Susanne (2009) Alternativmedizin und ihre Akzeptanz in der Gesellschaft.
Dissertation, University of Vienna. Fakultät für Sozialwissenschaften
BetreuerIn: Knoll, Reinhold

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URN: urn:nbn:at:at-ubw:1-29097.97973.723866-6
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Abstract in German

Die vorliegende Arbeit widmet sich der Alternativmedizin und ihrer gesellschaftlichen Akzeptanz. Sie analysiert, warum sich eine Heilkunde, deren Methodik nicht auf wissenschaftlichen Grundlagen beruht, die nur in wenigen Fällen einen klinischen Wirksamkeitsnachweis erbringen kann und deren Vertreter häufig keine medizinische Grundausbildung vorweisen können, zunehmender Beliebtheit erfreut. Die Ursachen dafür liegen in der Entwicklung der Schulmedizin, die den veränderten Bedürfnissen und den Erwartungen der Patienten nicht im erforderlichen Ausmaß genügt. Dies umso weniger, als der gesellschaftliche Wandel der Gesundheitsprävention und der Empathie für den Patienten einen bedeutenden und stetig zunehmenden Stellenwert beimisst. Der Schulmedizin, die allgemein anerkannte Errungenschaften und Erfolge in nahezu allen ihren Disziplinen vorweisen kann, wird der mechanistische Umgang mit den Patienten und ihr hoher Grad an Spezialisierung vorgeworfen. Dadurch gehe der Blick auf den gesamten Menschen verloren und durch die primäre Fokussierung auf die Krankheit würden der Kranke und dessen Bedürfnisse vernachlässigt. Zudem lösen der Einsatz technischer Diagnoseverfahren („Apparatemedizin“) und die nebenwirkungsreichen medikamentösen Therapien (Antibiotika, Kortison oder Zytostatika) bei vielen Menschen Unbehagen und Misstrauen aus. Die Alternativmedizin gewinnt durch den Ruf, sanft, natürlich und nebenwirkungsarm zu sein, und wird von ihren Nutzern, zu denen primär Frauen mittleren Alters aus einer höheren Bildungsschicht zählen, deswegen sowie aufgrund ihrer Patientenorientiertheit und Ganzheitlichkeit, aber besonders wegen der aktiven Einbeziehung des Kranken in das ärztliche Beratungsgespräch und als Informationsquelle für gesundheitsrelevante Fragen sehr geschätzt. Ihre Wirkung kann auf die Stimulation der organischen Regulationsmechanismen, auf einen Placebo-Effekt, hervorgerufen durch die Persönlichkeit des Therapeuten, dessen Therapieverfahren oder Behandlungsumfeld, oder auf den Glauben des Patienten an die heilende Wirkung zurückgeführt werden. Der moderne Patient hat nicht nur den Wunsch nach kurativer Hilfe, sondern auch nach psychologischer und emotionaler Unterstützung, ein Bedürfnis, dem die Alternativmedizin derzeit wesentlich besser als die Schulmedizin nachkommt. Durch ihren zurückhaltenden Einsatz bei bestimmten Indikationen wie chronischen Erkrankungen, Befindlichkeitsstörungen, zur Prävention sowie zur Erhaltung bzw. Erreichung des Wohlbefindens entlastet sie die Vertreter der Schulmedizin und damit auch das Gesundheitsbudget, weil ihre Leistungen von der sozialen Pflichtversicherung derzeit nicht abgedeckt werden. Kranksein passt nicht in das Weltbild einer Gesellschaft, in der Gesundheit, Schönheit und Leistung zählen und sich die Menschen das Kranksein nicht mehr leisten können und wollen. Die Gründe dafür liegen in der Gefahr einer Kündigung wegen eines zu langen oder wiederholter Krankenstände, der sozialen Ausgliederung und einer damit verbundenen gesellschaftlichen Stigmatisierung. Ein neu zu definierendes Paradigma wird die Anwendung beider Medizinsysteme einschließen müssen. Aus diesem Grund sind die Vertreter der Schul- und Alternativmedizin aufgerufen, aufeinander vorurteilsfrei zuzugehen, nach wechselseitigen Ergänzungspotentialen zu suchen und die Vorteile der jeweiligen Methode anzuerkennen, ohne sie ihres Nachteils wegen zu diskreditieren. So ist zu hoffen, dass die „Medizin der Zukunft“ den Bedürfnissen des modernen Menschen in der Gesundheitsprävention, bei Befindlichkeitsstörungen und der Behandlung von Erkrankungen besser als die Anwendung polarisierender und konkurrierender Ideologien mit der Synthese beider Medizinsysteme entgegenkommen wird.

Schlagwörter in Deutsch

Alternativmedizin / Komplementärmedizin / Schulmedizin / Heilung / alternativmedizinische Behandlungsmethoden / Paradigma

Abstract in English

The present paper deals with the alternative medicine and its acceptance in society. It shows why a system of medicine with methods that are not based on scientific principles, with little clinical evidence of effectiveness and with representatives without basic education in conventional medicine is becoming very popular. The reasons are found in the development of the conventional medicine which does not satisfy the modified needs and expectations of patients to the required extent – and that even more, as due to the social change a significant and ever increasing importance is given to health prevention and empathy with the patient. It is true that orthodox medicine can show broadly recognized achievements and successes in almost every medical discipline. However it is often accused of its mechanistic treatment of patients and its ever increasing specialization; the viewpoint of man as a whole entity will be lost and the primary focus on sickness does neglect man and his needs; furthermore, the use of technical diagnostic methods and medication with lots of side effects (antibiotics, cortisone or zytostatics) cause unease and distrust in many people. Alternative medicine is gaining through its reputation to be soft, natural and without many side effects and is mainly used by middle-aged women of higher education classes. The reasons for its popularity are the orientation towards the patient, the holistic approach, the active integration of the sick person into the medical consultation and the utilization as information source for questions concerning health. Their effects can be attributed to the stimulation of self-healing mechanisms, the placebo effect (produced by the personality of the therapist, his methods and environment) or the belief of the patient in their healing effects. Today’s patient desires curative help, but also psychological and emotional support – a need that alternative medicine can satisfy to a higher degree than orthodox medicine. Due to its restrained medication for certain indications such as chronic illness or disturbed well-being and its prevention, preservation and attainment of well-being, alternative medicine relieves the representatives of the orthodox medicine and the health budget, because its services are currently not covered by the obligatory social insurance. Sickness is not really accepted in a society which appreciates health, beauty as well as efforts and performance, and people are neither able nor willing to afford it. They risk dismissal due to long or repeated sickness absence, social exclusion and subsequent stigmatization. A newly defined paradigm has to include both systems of medicine. Representatives of conventional and unconventional medicine are encouraged to approach each other without prejudice, to look for mutual improvement potentials and to recognize the advantages of the other method without discrediting. We can hope that the “medicine of the future” with a synthesis of both medicine systems better meets the needs of modern man in health care, disturbed well-being and the treatment of sicknesses than the adaptation of polarizing and competing ideologies.

Schlagwörter in Englisch

alternative medicine / complementary medicine / conventional medicine / unconventional medicine / healing / paradigma

Item Type: Hochschulschrift (Dissertation)
Author: Altmann, Susanne
Title: Alternativmedizin und ihre Akzeptanz in der Gesellschaft
Umfangsangabe: 267 S. : graph. Darst.
Institution: University of Vienna
Faculty: Fakultät für Sozialwissenschaften
Publication year: 2009
Language: ger ... Deutsch
Supervisor: Knoll, Reinhold
Assessor: Knoll, Reinhold
2. Assessor: Krepler, Reinhard
Classification: 71 Soziologie > 71.11 Gesellschaft
71 Soziologie > 71.41 Sozialer Wandel
71 Soziologie > 71.31 Geschlechter und ihr Verhalten
71 Soziologie > 71.99 Soziologie: Sonstiges
AC Number: AC05040787
Item ID: 4751
(Das PDF-Layout ist ident mit der Druckausgabe der Hochschulschrift.)

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