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Verräumlichung von Komplexität

Krutter, Simon (2009) Verräumlichung von Komplexität.
Magisterarbeit, University of Vienna. Fakultät für Sozialwissenschaften
BetreuerIn: Pelikan, Jürgen M.

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DOI: 10.25365/thesis.4557
URN: urn:nbn:at:at-ubw:1-29282.34836.407070-5

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Abstract in German

Die theoretische Arbeit behandelt die gesellschaftliche Beobachtungsweise des Raums und fragt nach dessen Funktion für die Gesellschaft. Im Anschluss an systemtheoretisch-konstruktivistische Überlegungen wird dabei die grundlegende Annahme vertreten, dass der Raum der Gesellschaft nichts Äußerliches ist, sondern dieser ausschließlich von und mit den Beobachtungen der Gesellschaft erzeugt wird. Wie die Gesellschaft den Raum beobachtet und welche konkreten Räume dabei hervorgebracht werden, das kann soziologisch an den aktuellen bzw. historischen Raumsemantiken abgelesen werden. In diesem Sinne untersucht die Arbeit im Zuge einer Beobachtung zweiter Ordnung an den Raumsemantiken, wie in den gesellschaftlichen Selbstbeschreibungen der Raum beobachtet wird und welche konkreten Räume dabei konstruiert werden. Die derart identifizierten Räume der Gesellschaft werden in einem nächsten Schritt der Untersuchung mit der Struktur der Gesellschaft in Beziehung gesetzt, um im Rahmen einer funktionalen Analyse zu fragen, welches Problem die Gesellschaft mit Hilfe ihrer Räume löst. Als systemtheoretisch vorab definiertes Bezugsproblem wird dabei das Problem der Abgrenzung festgemacht und untersucht, wie sich die Subsysteme der Gesellschaft auch im Rekurs auf ihre Räume voneinander abgrenzen können. In Anlehnung an systemtheoretische Überlegungen zur sozialen Funktion des Raums wird diesbezüglich die These vertreten, die gesellschaftlichen Subsysteme können sich auch über eine Verräumlichung von Komplexität voneinander abgrenzen. Begrifflich ist unter einer Verräumlichung von Komplexität die selektive Relationierung der Elemente nach räumlichen Gesichtspunkten zu verstehen. Auf welche Art und Weise sich jedoch eine Verräumlichung von Komplexität vollzieht, das ist auf die Strukturen des Systems zurückzuführen, da es sich bei einer räumlich selektiven Relationierung der Elemente um eine organisierte Komplexität handelt. Entlang jener strukturell vorgegebene Art der Verräumlichung von Komplexität wird in der Arbeit nachgezeichnet, wie Interaktionen, Organisationen und Gesellschaften den Raum beobachten. Hierfür wird die These entwickelt, dass eine räumlich selektive Relationierungen der Elemente nach damit kompatiblen Raumformen verlangt, um die Elemente überhaupt räumlich selektiv relationieren zu können. Von daher wird in der Arbeit argumentiert, die gesellschaftliche Beobachtungsweise des Raums hat mit der Art der Verräumlichung von Komplexität zu tun. Aber auch an den Systembildungsebenen Interaktion und Organisation wird veranschaulicht, wie jene Sozialsysteme ihre Komplexität verräumlichen und welche damit kompatiblen Raumformen sie für diesen Zweck konstruieren. Da nun aber die Art der Verräumlichung von Komplexität strukturell vorgegeben ist und sich die beobachteten Formen des Raums bei wiederholtem Gebrauch als Raumsemantiken ins Formengedächtnis der Gesellschaft einschreiben, ist es wissenssoziologisch möglich, den zu beobachtenden Wandel der Raumsemantiken mit dem Wandel der Gesellschaftsstruktur in Beziehung zu setzen. Als hierfür beobachtungsanleitend ist die intervenierende Variable „Verräumlichung von Komplexität“ anzusehen, als sie zwischen den Raumsemantiken und der Gesellschaftsstruktur vermittelt. Diesbezüglich lässt sich feststellen, dass es in der modernen, primär funktional differenzierten Gesellschaft zu einer Ausbildung von Sondersemantiken des Raums kommt, derer sich die Funktionssysteme bedienen können, um sich in der Kommunikation über den Raum voneinander abzugrenzen. Da die moderne, funktional differenzierte Gesellschaft aber auch segmentäre und stratifikatorische Subdifferenzierungen aufweist, wird in der Arbeit ebenso gesellschaftstheoretisch erläutert, wieso in der modernen Gesellschaft Formen der Verräumlichung von Komplexität und damit einhergehende Beobachtungsweisen des Raums anzutreffen sind, die primär segmentär bzw. primär stratifikatorisch differenzierten Gesellschaften zu eigen sind und ihrer Funktion gemäß einen Unterschied dadurch erzeugen, wo jeweils im Raum kommuniziert wird. Ferner machen die getätigten Analysen raumsoziologisch darauf aufmerksam, dass die gesellschaftlich in Gebrauch stehenden Formen des Raums nicht losgelöst von den jeweiligen gesellschaftlichen Funktionen des Raums zu untersuchen sind. Vielmehr stehen die beiden Variablen in einem konstitutivem Wechselverhältnis und sollten als solches auch stets gemeinsam analysiert werden.

Schlagwörter in Deutsch

Soziologie / Systemtheorie / Raumsoziologie / Wissenssoziologie / Gesellschaftstheorie / Raum / Komplexität / Raumsemantiken / Gesellschaftsstruktur und Semantik / Funktionale Analyse

Item Type: Hochschulschrift (Magisterarbeit)
Author: Krutter, Simon
Title: Verräumlichung von Komplexität
Subtitle: Zum Wandel gesellschaftlicher Raumsemantiken ; eine wissenssoziologische Untersuchung über die gesellschaftliche Beobachtung des Raums
Umfangsangabe: 178 S.
Institution: University of Vienna
Faculty: Fakultät für Sozialwissenschaften
Publication year: 2009
Language: ger ... Deutsch
Supervisor: Pelikan, Jürgen M.
Assessor: Pelikan, Jürgen M.
Classification: 71 Soziologie > 71.11 Gesellschaft
71 Soziologie > 71.02 Theorie der Soziologie
AC Number: AC08024118
Item ID: 4557
(Das PDF-Layout ist ident mit der Druckausgabe der Hochschulschrift.)

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