Universitätsbibliothek Wien

Sehnsucht nach Ganzheitlichkeit

Tretina, Kerstin (2016) Sehnsucht nach Ganzheitlichkeit.
Masterarbeit, University of Vienna. Katholisch-Theologische Fakultät
BetreuerIn: Heller, Birgit
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URN: urn:nbn:at:at-ubw:1-10109.67963.948363-4

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Abstract in German

Weshalb sind Formen von holistischer Spiritualität für Frauen besonders attraktiv? Diese Frage steht im Zentrum der Arbeit „Die Sehnsucht nach Ganzheitlichkeit“. Der Erforschung dieses Zusammenhangs dient eine empirische Untersuchung, die sich auf eine theoretische Auseinandersetzung stützt. Im theoretischen Teil werden Begriffe aus dem Bereich Religion und Geschlecht sowie aus dem weiten Feld der holistischen Spiritualität geklärt. Es wird ein Überblick über den derzeitigen allgemeinen Forschungsstand samt neuen, innovativen Erklärungsmodellen für die höhere Präsenz von Frauen im holistischen Milieu gegeben. Die Erkenntnisse aus der theoretischen Auseinandersetzungen werden als Grundlage für die empirische Untersuchung herangezogen. Diese umfasst vier qualitative Interviews mit drei Frauen und einem Mann, deren spiritueller, weltanschaulicher Zugang eine Form von holistischer Spiritualität darstellt. Die Interviewform orientiert sich dabei an dem von Andreas Witzel entworfenen problemzentrierten Interview, greift allerdings auch auf einige Vorteile des narrativen Interviews zurück, das von Fritz Schütze geprägt wurde. Ausgewertet werden die transkribierten Interviews in einem an die Grounded Theory nach Anselm Strauss und Juliet Corbin angelehnten Verfahren. In die Interview-Analysen nehmen auch kurze Geschlechterrollenorientierung-Analysen der jeweiligen interviewten Person Eingang. Zur Überprüfung der aufgestellten Hypothesen werden die ermittelten Hauptkategorien aus der empirischen Untersuchung herangezogen. Die Eigenschaften, Vorlieben, Überzeugungen, die Frauen und Männer im holistischen Milieu besitzen, und die Wünsche und Bedürfnisse, die sie haben, stehen mit den Charakteristika einer (traditionell) femininen Geschlechterrollenorientierung in Verbindung. Körper und Körperlichkeit spielen für alle Befragten eine (sehr) große Rolle. In der holistischen Spiritualität sind Interpersonalität und Beziehungsaspekt von großer Bedeutung. Der Wunsch, für andere hilfreich zu sein bzw. andere Menschen zu heilen, ist bei allen Interviewten stark ausgeprägt. Intuition, Emotion und subjektives Empfinden bzw. subjektive Erfahrungen prägen den spirituellen Zugang aller Befragten, sind Bezugsrahmen für die eigene Spiritualität und Weltdeutung. Zum einen spielen also traditionell feminin konnotierte Eigenschaften und Prinzipien in diesen Formen von Spiritualität eine wichtige, wenn nicht tragende Rolle. Zum anderen wird die in den westlichen Gesellschaften konventionelle, feminine Geschlechterrolle aber durchaus aufgebrochen. Die verschiedenen Formen von holistischer Spiritualität ermöglichen Frauen also das Balancieren der zwei verschiedenen Modi des Selbstseins – des autonomen, maskulin konnotierten „Selbst für sich selbst“ und des relationalen, feminin konnotierten „Selbst für andere“ – und bieten dafür einen sinnvollen und ansprechenden Rahmen. 193 Was Frauen innerhalb dieser Formen von Spiritualität außerdem erfahren, ist eine gewisse Art von Selbstermächtigung. Alle Befragten entwickeln zudem ein großes, gegenkulturelles Narrativ: Die Welt sei aus dem Gleichgewicht gekommen; die westlichen Gesellschaften bzw. die westlichen Lebensstile hätten die Balance verloren. Das rationalistische Weltbild, das eine entpersonalisierte, gefühlskalte Lebenswelt hervorgebracht habe, habe nun sein natürliches Ende erreicht. Zu lange seien bestimmte Ebenen des Menschseins sowie bestimmte Qualitäten, vornehmlich die femininen, vernachlässigt worden. Die holistische Spiritualität kann aus Sicht ihrer Vertreterinnen und Vertreter auf den großen Wunsch nach Ausgleich und Wiederherstellung des Gleichgewichts besonders gut eingehen. Mittlerweile beanspruchen feminine Religionsstile in Form von holistischen Spiritualitäten auch mehr (öffentlichen) Raum, sie sind auf dem Weg dazu Mainstream zu werden und haben in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten zunehmend Aufmerksamkeit bekommen. -- [Die Printversion dieser Master-Arbeit enthält eine CD-Beilage mit den Transkriptionen der Interviews.]

Schlagwörter in Deutsch

holistische Spiritualität / Frauen / Geschlechterrollenorientierung / holistisches Milieu / feminine Religionsstile

Abstract in English

Why are forms of holistic spirituality especially attractive to women? This question forms the center part of this Master’s thesis “Desire for a Holistic Approach”. To investigate this association, empirical research was done based on a theoretical analysis. The theoretical part comprises definitions from the fields of religion and gender and from the broad spectrum of holistic spirituality. The current general state of research as well as new, innovative models of explanation for women being more involved in the holistic milieu are overviewed. Insights from the theoretical analysis lay the foundation for the empirical examination consisting of qualitative interviews with four interviewees (three female, one male) whose spiritual and ideological approaches represent forms of holistic spirituality. The form of interview is strongly influenced by Andreas Witzel’s problem centered interview and is refined by some advantages of the narrative interviewing method coined by Fritz Schütze. The transcribed interviews are analyzed similar to the approach of the Grounded Theory according to Anselm Strauss und Juliet Corbin. Brief examinations of the interviewees’ gender role orientations are also taken into account. To test the proposed hypotheses, the main categories stemming from the empirical examination were used. The features, preferences, beliefs that women and men in the holistic milieu are having and their desires and needs relate to the characteristics of a (traditionally) feminine gender role orientation. The body and corporeality play a (very) significant role for all the subjects. In the holistic spirituality, interpersonality and relationships are salient. All of the respondents show a strong wish for helping and healing others. Intuition, emotion and subjective perceptions and experiences characterize the spiritual approach of all interviewees and set a framework for their spirituality and interpretation of the world. On the one hand, traditionally female properties and principles play a major if not the key part in these types of spirituality. On the other hand, the feminine gender role conventional in Western societies is abandoned, too. Various forms of holistic spirituality provide an appropriate and attractive framework for women to balance two distinct modes of the self: the autonomous “self for oneself” with a masculine connotation and the relational “self for others” with a female connotation. Moreover, women within these forms of spirituality experience a certain type of self-empowerment. All interviewees show a clear countercultural narrative: the world seems distorted; Western societies and the Western lifestyle have lost their balance. The rationalistic world view, having lead to a depersonalized and emotionally cold environment, has now come to its natural end. Certain aspects of life and specific qualities, particularly female ones, have been neglected for too long. According to 195 its followers, the holistic spirituality can attend to the wishes for balance and for the restoration thereof in an appropriate manner. Nowadays, feminine ways of religiosity of the type of holistic spirituality take up more and more (public) space, are becoming mainstream and have attracted increasing attention over the last decades, resulting in a boost of popularity of holistic spirituality.

Schlagwörter in Englisch

holistic spiritualities / women / gender role orientation / holistic Milieu / feminine religiosity

Item Type: Hochschulschrift (Masterarbeit)
Author: Tretina, Kerstin
Title: Sehnsucht nach Ganzheitlichkeit
Subtitle: weshalb sind Formen von holistischer Spiritualität für Frauen besonders attraktiv?
Umfangsangabe: 195 Seiten
Institution: University of Vienna
Faculty: Katholisch-Theologische Fakultät
Studiumsbezeichnung bzw.
Universitätslehrgang (ULG):
Masterstudium Religionswissenschaft
Publication year: 2016
Language: ger ... Deutsch
Supervisor: Heller, Birgit
Assessor: Heller, Birgit
Classification: 11 Theologie, Religionswissenschaft > 11.05 Religionssoziologie
11 Theologie, Religionswissenschaft > 11.06 Religionspsychologie
11 Theologie, Religionswissenschaft > 11.00 Theologie, Religionswissenschaft: Allgemeines
AC Number: AC13458262
Item ID: 44719
(Das PDF-Layout ist ident mit der Druckausgabe der Hochschulschrift.)

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