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Bronzezeitliche feststehende Altäre auf Kreta

Witzmann, Ingeborg (2009) Bronzezeitliche feststehende Altäre auf Kreta.
Diplomarbeit, Universität Wien. Historisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
BetreuerIn: Alram-Stern, Eva

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URN: urn:nbn:at:at-ubw:1-29731.09341.354369-7
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Abstract in Deutsch

Die feststehenden Altäre der Bronzezeit in Kreta sind Gegenstand der Untersuchung in dieser Diplomarbeit. Im einleitenden Kapitel A wird auf die Definition und den Forschungsstand sowie auf jene Aspekte eingegangen, die Voraussetzung für diese Thematik sind. Im Hauptteil B werden die Altäre im archäologischen Kontext behandelt, und zwar innerhalb der verschiedenen Heiligtümer in chronologischer Vorgangsweise: Die Altäre der FM II Siedlung von Myrtos Phournou Koryphi, die Altäre in FM II─MM III Grabbezirken, in Hausgräbern in Ostkreta (Mochlos, Gournia und Chrysolakkos I II), im Apsidengrab von Phourni 19 und in den Tholosgräbern von Agia Kyriaki, Apesokari I und Kamilari A. Es folgt die Untersuchung der Altäre in den MM III─SM I Höhlen von Psychro, Skotino, Arkalochori und Amnisos, danach diese von den Altären der Bergheiligtümer von Giouchtas und Gonies aus MM I─II. Eine große Gruppe stellen die Altäre in den MM III─SM I Palästen von Knossos, Phaistos, Malia, Kato Zakros, Archanes und Gournia dar. Auch in anderen Gebäuden von MM II─SM III finden sich Altäre, zunächst in den altpalastzeitlichen Heiligtümern, I/12 im Quartier Mu, im Stadtschrein von Malia und im „Tempel“ von Anemospilia, in dem drei Einrichtungen als Altäre gedeutet wurden. Die Altäre im „Haus des Hohen Priesters“ in Knossos Stadt, im „zentralen Gebäude“ von Kastelli Pediada, in den Villen von Makrygialos und Nirou Chani stammen aus der Neuen Palastzeit. Ebenso weisen die Heiligtümer der Endpalastzeit, wie in Katsambas, in der Stadt Gournia und im Palast von Knossos Altareinrichtungen auf sowie der nachpalstzeitliche „Tempel“ von Karphi. Im Kapitel C werden Darstellungen von Altären behandelt, die mit den archäologischen Befunden vergleichbar sind: z.B. das Rhyton von Kato Zakros, das Fragment eines Rhytons aus Gypsades, Tonmodelle aus Piskokephalo, ein Tonmodell aus Kamilari A sowie Darstellungen auf Siegeln und dem Sarkophag von Agia Triada. Das Kapitel D ist dem Kult am Altar gewidmet. Auch dazu kann die Ikonographie herangezogen werden. Auf dem Sarkophag von Agia Triada sind mehrere Kulthandlungen in einer narrativen Darstellung überliefert. Von besonderem Wert ist der in situ-Befund von Kultgefäßen auf dem Altar von Kamilari A. In der Auswertung, Kapitel E I, werden zunächst die archäologischen Funde, die sich mit bildlichen Beispielen vergleichen lassen, in vier Gruppen eingeteilt. Im Kapitel E II wird eine Typologie der Altäre in ihren Fundkontexten erstellt. Folgende Typen sind zu unterscheiden: I. Felsaltäre, II. Altäre aus Bruchsteinen oder Steinplatten, III. Stufenaltäre, IV. Kernosaltäre, V. bikonkave Altäre, VI. rechteckige Altäre mit runder Aushöhlung und VII. Bankaltäre. In der Auswertung E IV werden Belege für die kultische Verwendung der einzelnen Altartypen vorgelegt. Für die Felsaltäre von MM III─SM III sind dies kleine Opfertische, Fruchtständer und Schalen sowie weitere Ritualgefäße aus Ton, die Zeugnisse für feste und flüssige Opfer sind. Die Aschenschichten zusammen mit Tierknochen beweisen Brandopfer. Die Altäre aus Bruchsteinen oder Steinplatten wurden für die Vor-, Alt- und Neupalastzeit nachgewiesen. Der Kult am Altar in Myrtos Phournou Koryphi war die Aufstellung und Verehrung einer wasserspendenden, göttlichen Frauenfigur in FM II B. An den Grabaltären von FM II─MM III sind Trinkrituale und flüssige Opfer, in Phourni 19 auch Speiseopfer belegt. Im altpalastzeitlichen Heiligtum von Anemospilia wurde ein Menschenopfer nachgewiesen. Belege für Tieropfer sowie für Speise- und Libationsopfer fanden sich beim Steinaltar in der Oberhöhle von Psychro. Im mittelminoischen Höhenheiligtum von Gonies wurden Weihungen von menschlichen und tierischen Statuetten und Nachbildungen von kranken, menschlichen Körperteilen für den Heilkult gefunden. Das Depot mit Steinrhyta in der Nähe des Altares im kleinen Innenhof von Knossos ist ein wichtiges Zeugnis für den Libationskult. Die Eschara im Mittelhof von Malia diente als Brandopferaltar. Die verschiedenen Rhyta und eine typische Libationskanne im Umkreis des Altares von Kato Zakros sind eindeutige Beweise für Libationsopfer. Ein großer Altar im Heiligtum 10 von Archanes war Kultfokus für feste und flüssige Opfer. Der sog. Schlachtopferstein für Stiere in Gournia ist mit einer Durchbohrung und einem Ausgangsloch versehen, wodurch das Opferblut abfließen konnte. Die Altarplattform im „zentralen Gebäude“ von Kastelli Pediada ist mit einer Drainage ausgestattet, in der die flüssigen Opfer, die wahrscheinlich mit den Libationskannen, Kylikes und Becher ausgegossen wurden, abfließen konnten. Am Altar von Makrygialos fanden sich Weihungen in Form eines Siegels und einer weiblichen Statuette sowie ein Kelchgefäß für Trank- und Libationsrituale. Die Stufenaltäre standen in der Alt- und Neupalastzeit in Verwendung. Am großen Stufenaltar auf dem Giouchtas fanden sich Nachweise für den Heilkult und für feste und/oder flüssige Opfer. Am Stufenaltar im Ostraum des „Tempels“ von Anemospilia sind aufgrund einer typischen Libationskanne, vieler anderer Kultgefäße und eines Opfertisches aus Stein feste und flüssige Opfer belegt. Die Plattform mit den Stufen im Hof l von Archanes wurde für Tieropfer, Trankopfer und Libationen verwendet. Die flüssigen Opfer konnten in einer breiten Steindrainage abfließen. Am kleinen Stufenaltar im Theaterareal von Archanes wurden wahrscheinlich Pflanzenopfer niedergelegt. Die Stufenkonstruktion im Osthof von Nirou Chani wurde aufgrund der Funde von Doppelhörnern als Altar gedeutet. Möglicherweise war dieser für die Darstellung der Epiphanie bestimmt, wie dies auf Siegeln zu beobachten ist. Die Kernosaltäre aus der Vor-, Alt- und Neupalastzeit dienten wahrscheinlich für die Opferung von Getreidekörnern und anderen Feldfrüchten. An den bikonkaven Altären, die als neue Form in der jüngeren Palastzeit in Erscheinung treten, wurden flüssige Opfer dargebracht, das bezeugen Darstellungen aus der Glyptik. Den archäologischen Befund liefert der Altar im „Haus des Hohen Priesters“ in der Stadt Knossos, dort befindet sich vor dem Altar eine Drainage, in der größere Mengen von Flüssigkeit abgeleitet werden konnten, möglicherweise auch Blutopfer von kleinen Tieren. Die rechteckigen Altäre mit runder Vertiefung sind nur in der Altpalastzeit nachweisbar. Im Heiligtum VIII von Phaistos wurde dieser Typ aus Terrakotta mit Brandspuren gefunden, was auf Brandopfer schließen lässt. Ein zweiter Altar in dieser Form stand im Heiligtum I/12 des Quartier Mu von Malia, in Verbindung mit dem Lustralbecken. Der dritte Altar dieses Typs im Stadtheiligtum von Malia wurde ebenso wie der erste mit Brandspuren entdeckt, hier zusätzlich der Boden eines Ritualgefäßes mit reliefierter Doppelaxt. Dieser Befund deutet auf Brand- und Libationsopfer hin. Der Bankaltar im altpalastzeitlichen „Tempel“ von Anemospilia wurde möglicherweise für die Aufstellung eines hölzernen Xoanon verwendet. Belege für flüssige Opfer sind ein Rhyton und ein Eimer für Blutopfer. Auf allen Bankaltären in der End- und Nachpalastzeit waren Statuetten der „Göttinnen mit erhobenen Händen“ aufgestellt. Sie trugen Vögel als Symbole auf ihrer Tiara (Knossos, Karphi), Scheiben und Doppelhörner (Karphi) und in Gournia war eine Göttin mit Schlangenappliken um ihren Körper dargestellt.Vor dem Bankaltar fand sich üblicherweise ein runder Opfertisch aus Gips oder Ton im Boden eingelassen, um den Kultgefäße in Form von sog. Schlangenröhren aufgestellt waren. Die runden Opfertische und die unten geschlossenen Schlangenröhren könnten feste und flüssige Opfer aufgenommen haben. Auf Libationsopfer im „Tempel“ von Karphi weisen auch die Beifunde von Kaurimuscheln und einer Tritonschnecke hin.

Schlagwörter in Deutsch

Bronzezeitliche feststehende Altäre auf Kreta / Myrtos Phourni Koriphi / Gräber / Höhlen / Berge / Paläste / andere Gebäude / Darstellungen von Altären / Beifunde als Zeugnisse für die spezifische Verwendung. Typologie: Felsaltäre / Altäre aus Bruchsteinen oder Steinplatten / Stufenaltäre / Kernosaltäre / Bikonkave Altäre / Bankaltäre / Rechteckige Altäre mit runder Aushöhlung

Dokumentenart: Hochschulschrift (Diplomarbeit)
AutorIn: Witzmann, Ingeborg
Titel: Bronzezeitliche feststehende Altäre auf Kreta
Umfangsangabe: 237 S.
Institution: Universität Wien
Fakultät: Historisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
Publikationsjahr: 2009
Sprache: ger ... Deutsch
BetreuerIn: Alram-Stern, Eva
BeurteilerIn: Alram-Stern, Eva
Klassifikation: 15 Geschichte > 15.15 Archäologie
AC-Nummer: AC07994042
Dokumenten-ID: 4463
(Das PDF-Layout ist ident mit der Druckausgabe der Hochschulschrift.)

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