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Hilfreiche Hilfe - ausgewählte Handlungsstrategien für professionelle KlientInnen-HelferInnen-Interaktionen in der Sozialen Arbeit

Roessler, Marianne (2016) Hilfreiche Hilfe - ausgewählte Handlungsstrategien für professionelle KlientInnen-HelferInnen-Interaktionen in der Sozialen Arbeit.
Dissertation, University of Vienna. Fakultät für Sozialwissenschaften
BetreuerIn: Reinprecht, Christoph
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URN: urn:nbn:at:at-ubw:1-25060.89182.274570-4

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Abstract in German

Untersuchungsgegenstand und Erkenntnisinteresse: Die vorliegende Dissertation hat professionelle Hilfe in der Sozialen Arbeit zum Thema. Es wird untersucht, wie HelferInnen und KlientInnen in Prozessen der Ko-Konstruktion durch Interaktionen einen sozialen Kontext herstellen, in dem hilfreiche Hilfe gelingen kann. Es interessierten mich die Fragen, wie der kommunikative Prozess modelliert werden kann, um KlientInnen dabei zu unterstützen, mehr Handlungsfähigkeit zu entwickeln, welche Strategien zum Einsatz kommen, wie Ziele kommunikativ entwickelt und verfolgt werden und wie der Wechsel zwischen unterschiedlichen sozialarbeiterischen Handlungsprogrammen nutzbringend gesteuert werden kann. Ziel dieser Arbeit Ziel der Arbeit ist es, sozialarbeiterisches Handeln und methodisches Vorgehen in der Sozialen Arbeit näher zu untersuchen, um darzulegen, was hilfreiche Hilfe kennzeichnet, und um Handlungsstrategien abzuleiten, zu differenzieren, zu verdichten und weiterzuentwickeln. Handlungsstrategien werden offengelegt und nachvollziehbar gemacht, die von professionellen HelferInnen in der Sozialen Arbeit gewählt werden können, um KlientInnen bei ihrer Zielerreichung zu unterstützen und um Agency (Emirbayer/Mische 1998; Scherr 2012) und Selbstwirksamkeit (Bandura 1977; Grossmann 2005) zu fördern. Theoretische Grundlagen Soziale Arbeit als Profession war weder in der Vergangenheit noch ist sie heute auf eine einzige wissenschaftliche Disziplin beschränkt und verwiesen. Vor allem das konkrete fallbezogene sozialarbeiterische Handeln ist darauf ausgerichtet, dass Interventionen sich als wirksam erweisen, und nicht, dass vorrangig einer wissenschaftlichen Disziplin gefolgt wird. Kleve (etwa 2007a, 2007b) beschreibt daher – wie ich meine: folgerichtig – Soziale Arbeit als generalistische Profession, deren Aufgabe es ist, bei komplexen Problemlagen wirksam zu intervenieren. Der fehlende Bezug der Profession auf eine wissenschaftliche Disziplin kann als Stärke statt als Schwäche gesehen werden und entspricht zeitgemäßen Überlegungen zu Transdisziplinarität als „Forschungs- und Wissenschaftsprinzip“ (Mittelstraß 2007). In der vorliegenden Arbeit gehe ich von einem Verständnis von Transdisziplinarität aus, das nicht nur die Gleichwertigkeit verschiedener Wissenschaftsdisziplinen betont, sondern auch einen gleichberechtigten Diskurs zwischen wissenschaftlichem Wissen und lokalem Wissen – etwa von KlientInnen und SozialarbeiterInnen – forciert. Die vorliegende Arbeit zielt demnach darauf ab, transdisziplinäres, theoretisches und methodisches Wissen mit dem lokalen Wissen der genannten AkteurInnengruppen zu verbinden (vgl. z.B. Turnell/Edwards 1999). Diesem Verständnis von Transdisziplinarität folgend werden soziologische Theorien und Befunde (vgl. etwa Hettlage/Lenz 1991; Bourdieu 1992; Mead 1980, 1983; Blumer 1969; Giddens 1988; Goffman 1977) mit Erkenntnissen aus anderen Disziplinen und theoretischen Konzeptionen sowie mit meinen eigenen Forschungen verglichen, in Verbindung gesetzt und kombiniert. Die Integration transdisziplinärer Perspektiven wird in theoriebildender Weise genutzt. Unter den angewandten Disziplinen und Ansätzen finden sich: die Psychotherapiewirkungsforschung (vgl. z.B. Lambert 2004; Grawe 2000; Bergin/Garfield 1994; Miller et al. 2013), die Neurowissenschaften (vgl. etwa Bauer 2009a, 2009b; Spitzer 2009; Hüther 2010), die Soziolinguistik, die Kommunikations- und Zielforschung (Bavelas et al. 2000; Clark 1996; Latham/Locke 2007) sowie das Konzept der Agency (Emirbayer/Mische 1998; Scherr 2012). Methodischer Zugang Als Datengrundlage für die empirischen Analysen dienten zum einen ExpertInneninterviews mit SozialarbeiterInnen und KlientInnen, zum anderen Videoaufzeichnungen von KlientInnen-HelferInnen-Interaktionen (Beratungsgesprächen). Bei der Analyse des Datenmaterials wurde auf bereits entwickelten Kategorien aus der Fachliteratur aufgebaut, existierende Theorieüberlegungen wurden empirisch abgesichert. Diese Kategorien und Theorien wurden in einem abduktiven Prozess in Handlungsstrategien übertragen, die anhand konkreter Beispiele demonstriert wurden. Die Analyse ermöglichte außerdem die datengegründete Entwicklung zusätzlicher Handlungsstrategien. Die Analyse erfolgte mittels Grounded Theory (Strauss/Corbin 1996). Die Ergebnisse wurden mit Forschungsergebnissen aus Feinanalysen von Beratungsgesprächen und Alltagskommunikation in Verbindung gesetzt (Bavelas et al. 2000; Korman/Bavelas/De Jong 2013; Goffmann 1977; Garfinkel 1967). Die analysierten Videoaufnahmen sind Aufzeichnungen von Beratungsgesprächen von professionellen psychosozialen HelferInnen, die sich am systemisch-lösungsfokussierten Ansatz (vgl. etwa De Jong/Berg 2008) orientieren. Dieser von den SozialarbeiterInnen Steve de Shazer und Insoo Kim Berg entwickelte Ansatz wurde gewählt, weil er den interaktionalen Prozess zwischen HelferInnen und AdressatInnen unterstreicht sowie den jeweiligen sozialen Kontext, in dem gehandelt wird. Erkenntnisse Die Erkenntnisse dieser Dissertation unterstreichen die Notwendigkeit eines Paradigmenwechsels im Feld Sozialer Arbeit – weg von einem nach wie vor dominierenden medizinischen Paradigma und hin zu einem kooperativ-klientInnengesteuerten Paradigma (Roessler/Gaiswinkler/Hurch 2014), nach dem KlientIn und professionelle/r HelferIn als zwei ExpertInnen kooperieren und die Ziele der KlientInnen ins Zentrum der professionellen Hilfe gestellt werden. Im Kontext des Doppelten Mandats, wenn professionelle HelferInnen den Auftrag haben, institutionelle Ziele strikt zu verfolgen, muss es ihnen gelingen, Kooperation und Kontrolle zu verknüpfen. Dies gelingt dann bestmöglich, wenn KlientInnen für sich attraktive Ziele mit entsprechenden Umsetzungsstrategien entwickeln – Ziele, die innerhalb ihres Bezugsrahmens liegen und zugleich mit dem institutionellen Auftrag kompatibel sind. Wie dies in der Praxis umsetzbar ist, zeigen beispielsweise die Partnering for Safety- bzw. Signs of Safety-Konzeptionen (Turnell/Edwards 1999; Parker 2011; Roessler/Gaiswinkler 2012; Turnell/Essex 2006), auf die in dieser Arbeit Bezug genommen wird. Veränderungen sind kein bloß innerpsychischer Vorgang, der isoliert im Menschen erfolgt, sondern ein sozialer, interaktionaler Prozess, dessen Wirkung von der Art und Weise abhängt, wie er gestaltet wird – von den handelnden Personen sowie vom sozialen Kontext und den entstehenden Wechselwirkungen. Die entwickelten und beschriebenen Handlungsstrategien zeigen Möglichkeiten, wie bei KlientInnen Agency und Selbstwirksamkeit gefördert werden können, sie folgen einer soziologischen Sicht auf KlientInnen-HelferInnen-Interaktionen und beschreiben, wie durch soziale Interaktion und die Kontextualisierung von Problemen Veränderung gefördert wird.

Schlagwörter in Deutsch

KlientInnen-HelferInnen-Interaktion / professionelle Handlungsstrategien in der Sozialen Arbeit / Gemeinsame Wirkfaktoren / therapeutische Beziehung / Arbeitsbündnis / Empowerment / agency / Selbstwirksamkeit / Zielarbeit mit KlientInnen / Lösungsfokussierter Ansatz / Sozialraumorientierung / Lebensweltorientierung / Doppeltes Mandat / NutzerInnenorientierung / praxisbasierte Evidenz

Abstract in English

Object of study: This dissertation’s central object of research is professional help within social work practice. It was investigated how professional workers and clients manage to build a social context, by interaction and processes of co-construction, that enables helpful help. Particular attention was given to the following questions: How can the communicative process be designed to foster the agency of the clients? Which strategies can be applied? How can goals be developed and pursued communicatively? How can the switch between different action programmes be steered to prove beneficial and efficacious? Main Goal of this Thesis The main goal of this thesis is to investigate actions and methods of social work practice, to find out what constitutes helpful help – and to differentiate, derive, define and develop strategies of action. Those strategies of action that support clients to achieve their goals, to promote agency (Emirmayer/Mische 1998; Scherr 2012) and to foster self-efficacy (Bandura 1977; Grossmann 2005) will be identified, re-constructed and made comprehensible. Theoretical Basis Social Work as a profession has not been (and is not today) limited to one single scientific discipline. Especially in social work practice, when it comes to concrete case work, it is more important that an intervention is efficacious than if it follows specifically one scientific discipline. Kleve (cf. 2007a, 2007b) thus describes social work – and I agree – as a generalist profession which has to cope with the task to intervene efficaciously in complex situations. Thus the missing limitation to only one specific discipline can be seen as strength rather than weakness, since it complies with contemporary thoughts about transdisciplinarity as a “principle of research and science” (Mittelstraß 2007). In the present thesis I follow a concept of transdisciplinarity that emphasizes equality among different scientific disciplines and expands this to the discourse about equivalency between scientific knowledge and “local knowledge”, e.g. of clients and social workers. The present thesis thus aims to connect transdisciplinary, theoretical and methodical knowledge with local knowledge of the aforementioned groups (Turnell/Edwards 1999). According to this idea of transdisciplinarity, sociological theories and findings (e.g. Hettlage/Lenz 1991; Bourdieu 1992; Mead 1980, 1983; Blumer 1969; Giddens 1988; Goffman 1977) will be related to, compared and combined with findings from other disciplines, theoretical concepts and my own research. The integration of transdisciplinary perspectives is used as a theory-building approach. Among the utilized disciplines and concepts are: psychotherapy impact research (e.g. Lambert 2004; Grawe 2000; Bergin/Garfield 1994; Miller et al. 2013), neurosciences (e.g. Bauer 2009a, 2009b; Spitzer 2009; Hüther 2010), sociolinguistics, communications theory and goal theory (Bavelas et al. 2000; Clark 1996; Latham/Locke 2007) and the concept of agency (Emirbayer/Mische 1998; Scherr 2012). Methodological Approach The empirical data for analysis stem from expert interviews with social workers and clients and from video recordings of client-helper-interactions (counseling sessions). The analysis of data could build upon developed categories from scientific literature, already existing concepts were reviewed empirically. These categories and theories were merged into various strategies of action through abductive reasoning. Subsequently these strategies were demonstrated through concrete examples. The analysis then allowed for the development of new data-grounded strategies of action. The data were analyzed via Grounded Theory (Strauss/Corbin 1996) and connected to findings from detailed analysis of counseling and day-to-day communication (Bavelas et al. 2000; Korman/Bavelas/De Jong 2013; Goffmann 1977; Garfinkel 1967). The analysed video recordings contain counseling sessions with social workers who follow the “solution focused” approach (cf. De Jong/Berg 2008). This approach – which was developed by the social workers Steve de Shazer and Insoo Kim Berg – was chosen because it emphasises the interactional process (between workers and clients) and the social context of action. Findings The findings of this dissertation suggest the need for a paradigm shift within the field of Social Work – off from the still prevailing medical paradigm – towards a cooperative-client- driven paradigm (Roessler/Gaiswinkler/Hurch 2014), according to which clients and professional helpers are cooperating as experts and where professional help is organized around the clients’ goals. In contexts that are predominantly characterized by the “double mandate”, where professional helpers have to comply with institutional goals rather strictly, it is even more necessary for them to combine control and cooperation. Clients need to develop goals and corresponding strategies that are attractive for themselves, that lie within their frame of reference – and at the same time are compatible with the institutional mandate. For instance, the concepts Partnering for Safety and Signs of Safety (cf. Turnell/Edwards 1999; Parker 2011; Roessler/Gaiswinkler 2012; Turnell/Essex 2006) demonstrate how this can be achieved in day-to-day practice of social work. Change is not simply an inner-psychic process that constitutes itself insulated within an individual, but a social and interactional process: Its effect depends on how it is constructed – by the acting persons as well as by the social context and all the emerging interactions. The strategies for action laid out in this thesis offer possibilities for how to facilitate clients’ agency and self-efficacy, they follow a sociological perspective on client-helper-interactions and they show how social interaction can promote change.

Schlagwörter in Englisch

professional help within social work practice / effectiveness of psycho-social treatment - common factors / alliance / empowerment / agency / self-efficacy / goals / double mandate / user-involvement / practice-basedevidence

Item Type: Hochschulschrift (Dissertation)
Author: Roessler, Marianne
Title: Hilfreiche Hilfe - ausgewählte Handlungsstrategien für professionelle KlientInnen-HelferInnen-Interaktionen in der Sozialen Arbeit
Umfangsangabe: 458 Seiten
Institution: University of Vienna
Faculty: Fakultät für Sozialwissenschaften
Studiumsbezeichnung bzw.
Universitätslehrgang (ULG):
Dr.-Studium der Philosophie Soziologie, geisteswissenschaftl.Stzw
Publication year: 2016
Language: ger ... Deutsch
Supervisor: Reinprecht, Christoph
Assessor: Reinprecht, Christoph
2. Assessor: Hörl, Josef
Classification: 79 Sozialpädagogik, Sozialarbeit > 79.02 Theorie der Sozialpädagogik und Sozialarbeit
79 Sozialpädagogik, Sozialarbeit > 79.03 Methoden und Techniken der Sozialpädagogik und Sozialarbeit
79 Sozialpädagogik, Sozialarbeit > 79.10 Sozialarbeit: Allgemeines
79 Sozialpädagogik, Sozialarbeit > 79.30 Beratungskunde
79 Sozialpädagogik, Sozialarbeit > 79.04 Ausbildung, Beruf, Organisationen
79 Sozialpädagogik, Sozialarbeit > 79.29 Sozialarbeit: Sonstiges
71 Soziologie > 71.99 Soziologie: Sonstiges
AC Number: AC13424932
Item ID: 44610
(Das PDF-Layout ist ident mit der Druckausgabe der Hochschulschrift.)

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