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Living Beyond Capitalism

Edlmayr, Christa (2009) Living Beyond Capitalism.
Magisterarbeit, University of Vienna. Fakultät für Sozialwissenschaften
BetreuerIn: Richter, Rudolf

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DOI: 10.25365/thesis.4440
URN: urn:nbn:at:at-ubw:1-30272.66350.671454-7

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Abstract in German

In Österreichs Supermärkten werden täglich erhebliche Mengen an Lebensmitteln entsorgt, die aus Gründen der Überproduktion, Überlagerung oder wegen anderweitigen gerinfügigen Mängeln nicht verkauft werden können. Viele dieser Lebensmittel stehen kurz vor dem Ablaufdatum oder haben dieses gerade überschritten, sind noch genießbar und landen dennoch im Abfall. Die kontinuierliche Ausdehnung und Ausdifferenzierung des Produktsortiments kann als konsumgesellschaftiche Entwicklung dafür mitverantwortlich gemacht werden, ebenso wie der von AnbieterInnen und KundInnen gleichermaßen konstruierte Anspruch auf ein stets lücken- und makelloses, ästhetisch vollkommenes und individuellen Bedürfnissen entsprechendes Warenangebot. Die Konsumgesellschaft zeigt sich in diesem Punkt als Erlebnisgesellschaft, deren Erlebnisanspruch sich, wie Gerhard Schulze beschreibt, zusehends auf Lebensmittel überträgt. Supermärkte sind konsumgesellschaftliche Akteure am Massenmarkt und Schauplätze modernen Massenkonsums. Als solche werden sie zur Angriffsfläche für KonsumkritikerInnen, die Großkonzernen vorwerfen, an ausbeuterischen Prozessen mit sozialen und ökologischen Negativfolgen beteiligt zu sein. Sie begreifen Konsum als soziales Handeln, das sich auf andere bezieht und im Falle des Massenkonsums – also des Einkaufs im Supermarkt – die kapitalistische Marktwirtschaft und ihre Folgewirkungen unterstützt. Als Reaktion darauf und in Anbetracht des Wissens über den Umfang der noch essbaren Lebensmittel im Supermarktabfall wenden sie sich als TrägerInnen konsumkritischer Praktiken wie „Dumpster Diving“, „Containern“ oder „GeObben“ gegen das Konsumsystem: Sie holen Nahrungsmittel aus den Mülltonnen der Märkte und essen das, was weggeworfen wird. Die Idee, durch „Mülltonnentauchen“ aus dem System des Massenkonsums auszusteigen, findet ihren philosophischen Halt im Gedankengut des „Freeganismus“. Sein Ideal des „Living beyond Capitalism“ drückt sich in der Absicht aus, durch eine „weitgehende Verweigerung der Teilnahme an einer kapitalistischen Volkswirtschaft [den negativen Einfluss des Einzelnen] auf die Umwelt, die Tierwelt und das menschliche Leben zu verringern“. (www.freegan.at) Im Rahmen dieser Arbeit werden nach einleitenden Abschnitten zum soziologischen Konsumbegriff und zur Konsumgesellschaft die Beweggründe von fünf Wiener Dumpster DiverInnen dargestellt, die in qualitativen Interviews befragt wurden. Darüber hinaus wird das Konzept des „Sozialen Wertstofftransfers“ als institutionalisierte und kooperative Antwort auf das Lebensmittelabfallproblem erläutert.

Schlagwörter in Deutsch

Konsumkritik / Konsumgesellschaft / Antikapitalismus / Freeganismus

Abstract in English

Large amounts of food are discarded everyday in Austrias supermarkets, consisting of items that have been in stock for too long due to reasons of overproduction or have been slightly damaged and can no longer be sold. Many of these goods could still be used, as the product´s expiration date is still valid or the product has only recently expired. Why not “save” those products? Why are they considered “waste” in the first place? The reason for those wasteful practices lies within the structure of our current consumer society which is based on the continuous development of new products and brands in order to meet consumer demands for a range of perfectly manufactured, aesthetic goods that are always offered and even available to meet individual needs. The consumer’s selection of goods – especially food products – that convey a certain aspect of excitement and distinctiveness is what links these structures to Schulzes concept of “Die Erlebnisgesellschaft”. Supermarkets are institutions of modern mass consumption that play a crucial part within consumer society. Considered as such, they play a critical role for critics of consumerism, who blame corporate conglomerates for participating in exploitive processes that cause social and ecological damage. Their perception of shopping – particularly shopping in supermarkets – is that of a social act, directed to others and, through the mechanisms of a capitalist economy, followed by negative impact on humans and nature. In response and as a result of knowing about the waste practice of food stores, certain people oppose consumerism by adopting practices such as “Dumpster Diving“, “Containern“ or “GeObben“: Hence, they search for food in the garbage of supermarkets in order to eat what has been disposed of. Moreover this idea of withdrawing from the capitalist system connects those practices to the philosophy of “Freeganism”, which pursues the ideal of “living beyond capitalism” for ethical reasons. Thus, “Freegans” are described as “people who employ alternative strategies for living based on limited participation in the conventional economy and minimal consumption of resources”. (http://freegan.info) Within a qualitative research project, five Viennese men and women who practice dumpster diving were interviewed. Their interpretations of anti-consumerist methods are compared and discussed in this thesis. In addition, the concept of “Sozialer Wertstofftransfer” which acknowledges the social potential of recyclable resources is reviewed as a possible cooperative reaction to the problem of edible food discarded by supermarkets.

Schlagwörter in Englisch

consumer society / consumerism / dumpster diving / freeganism

Item Type: Hochschulschrift (Magisterarbeit)
Author: Edlmayr, Christa
Title: Living Beyond Capitalism
Subtitle: Mülltonnentauchen als konsumkritische Praxis
Umfangsangabe: 111 S. : Ill.
Institution: University of Vienna
Faculty: Fakultät für Sozialwissenschaften
Publication year: 2009
Language: ger ... Deutsch
Supervisor: Richter, Rudolf
Assessor: Richter, Rudolf
Classification: 71 Soziologie > 71.59 Kultursoziologie: Sonstiges
AC Number: AC07611505
Item ID: 4440
(Das PDF-Layout ist ident mit der Druckausgabe der Hochschulschrift.)

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