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Wohnen bei Dritten - Praxis und Bedeutung der Beherbergung von jungen Erwachsenen in der Wohnung eines/einer Anderen

Scheucher, Kathrin (2016) Wohnen bei Dritten - Praxis und Bedeutung der Beherbergung von jungen Erwachsenen in der Wohnung eines/einer Anderen.
Masterarbeit, University of Vienna. Fakultät für Sozialwissenschaften
BetreuerIn: Reinprecht, Christoph
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URN: urn:nbn:at:at-ubw:1-30234.09962.921859-2

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Abstract in German

Als soziale Einheit des Wohnens wird oftmals die biologisch begründete Kleinfamilie betrachtet. Dabei wird außer Acht gelassen, dass Menschen schon seit jeher in mehr oder weniger großen sozialen Einheiten in gemeinschaftlichen Wohnformen mit familienfremden Personen zusammengewohnt haben, um ihre Lebenschancen zu erhöhen (Häußermann/Siebel 2000: 12). Das Mitbewohnen ist ein historisch verbreitetes Phänomen, das in der Gegenwart nur wenig beachtet wird. In jüngerer Zeit zeichnet sich im urbanen Raum eine Wohnpraktik ab, bei der junge Erwachsene in der Wohnung eines/einer Anderen wohnen. Das Phänomen der Beherbergung von haushaltsfremden Personen in einer bestehenden Wohneinheit gewinnt erneut an Bedeutung. Im Rahmen der vorliegenden Arbeit wird eine Praktik des Wohnens bei Dritten betrachtet, die bisher noch wenig beschrieben wurde und im Wesentlichen dadurch gekennzeichnet ist, dass junge Menschen auf zeitlich begrenzte Dauer bei jemandem wohnen. Dies geschieht jedoch nicht im Sinne einer Wohngemeinschaft, bei der Wohnräume gleichberechtigt geteilt werden. Das Wohnen bei Dritten beschreibt eine Wohnform, bei der Personen oder Familien ein Zimmer in ihrem Haushalt an junge Erwachsene vergeben, welche nicht durch formelle Miet- oder Vertragsverhältnisse bestimmt wird, sondern durch die persönliche Beziehung zwischen WohnungseigentümerInnen bzw. HauptmieterInnen und der beherbergten Person. Von zentraler Bedeutung sind dabei die Art und Qualität der Beziehung zwischen den BewohnerInnen sowie die Praxis des Zusammenlebens. Ziel dieser Masterarbeit ist es, die Merkmale, Eigenart und Bedeutung des Wohnens bei Dritten vor dem Hintergrund individueller Wohnbiographien junger Erwachsener zu beschreiben. Dazu werden die soziale Wohnpraxis und die Bedeutung dieser Wohnform aus der subjektiven Perspektive von jungen Beherbergten betrachtet, die in der Wohnung von Anderen wohnen. Es wird angenommen, dass das Phänomen der Beherbergung von jungen Erwachsenen nicht nur in anderen europäischen Großstädten sondern auch in Wien eine praktizierte Wohnform darstellt. Neben einer Literatur- und Datenrecherche wurden dazu 15 teilstandardisierte Leitfaden-Interviews (Hopf 2008) mit StudentInnen und jungen HochschulabsolventInnen im Alter bis etwa 30 Jahren aus dem Raum Wien durchgeführt. Aufgrund der Erzählungen, subjektiven Perspektiven und Einschätzungen der Befragten wurden mittels „Themenanalyse“ (Lueger 2010: 206) die Charakteristika der individuellen Wohnbiographien, die Bedingungen, Gründe und Merkmale des Wohnens bei Dritten sowie der sozialen Praxis und der Beziehung zwischen den BewohnerInnen herausgearbeitet. Ergänzend dazu wurde die Methode der „Feinstrukturanalyse“ (Lueger 2010: 186) angewandt, um die subjektiven Sinnzuschreibungen, Vorstellungen und Bewertungen der jungen Erwachsenen zu dieser speziellen Form des Zusammenwohnens zu analysieren, die Bedeutung des Wohnens bei Dritten sichtbar zu machen und im Kontext der individuellen Wohnbiographien einzuordnen. Die Wohnform wird dabei nicht als bloße Antwort auf Engpässe am Wohnungsmarkt oder fehlende ökonomische Ressourcen der BewohnerInnen verstanden. Sie kann auch als ein Ausdruck des Wandels moderner Wohn- und Lebensformen gesehen werden, da sich Lebensweisen und Arten von Beziehungen der Gesellschaftsmitglieder auch in ihrer jeweiligen Wohnform äußern. Aufgezeigt wird, dass das Wohnen bei Dritten neue Beziehungsformen jenseits der sozialen Einheit der Kleinfamilie oder der Wohngemeinschaft hervorbringt, die von gegenseitigen Unterstützungsleistungen und Solidarität aber auch von einseitigen Abhängigkeitsverhältnissen, Unsicherheit und Vulnerabilität gekennzeichnet sein können. Darüber hinaus kann die Form der Beherbergung im Zusammenhang mit der Phase des Überganges zum Erwachsenenalter gesehen werden, bei der junge Erwachsene Erfahrungen zum Wohnen sammeln. Die vorliegenden Ergebnisse machen deutlich, dass das Wohnen bei Dritten von den jungen Befragten in unterschiedlichen Lebenssituationen eingegangen wird. Es werden fünf unterschiedliche Typen des Wohnens bei Dritten sichtbar, die sich entlang der Dimension Wohnen bei Dritten zwischen Notwendigkeit und individuellem Wunsch einordnen lassen. Die Wohnpraktik hat somit für junge Erwachsene eine unterschiedliche Bedeutung. Während einige Befragte die Wohnform als Notlösung betrachten, um ein Dach über dem Kopf zu haben, ist für andere das Wohnen bei Dritten der Ausdruck eines besonderen Wohn- und Lebensstils, der den Idealen von gemeinschaftlichem, ungebundenem, flexiblem Wohnen und den höheren Mobilitätsanforderungen der jungen Erwachsenen entspricht.

Schlagwörter in Deutsch

Wohnen bei Dritten / Beherbergung von jungen Erwachsenen

Item Type: Hochschulschrift (Masterarbeit)
Author: Scheucher, Kathrin
Title: Wohnen bei Dritten - Praxis und Bedeutung der Beherbergung von jungen Erwachsenen in der Wohnung eines/einer Anderen
Umfangsangabe: 274 Seiten : Diagramme
Institution: University of Vienna
Faculty: Fakultät für Sozialwissenschaften
Studiumsbezeichnung bzw.
Universitätslehrgang (ULG):
Masterstudium Soziologie
Publication year: 2016
Language: ger ... Deutsch
Supervisor: Reinprecht, Christoph
Assessor: Reinprecht, Christoph
Classification: 71 Soziologie > 71.29 Formen des Zusammenlebens: Sonstiges
AC Number: AC13420629
Item ID: 43941
(Das PDF-Layout ist ident mit der Druckausgabe der Hochschulschrift.)

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