Universitätsbibliothek Wien

Grenzziehungen im entgrenzten Raum?

Berg, Jana (2016) Grenzziehungen im entgrenzten Raum?
Masterarbeit, Universität Wien. Fakultät für Sozialwissenschaften
BetreuerIn: Scheibelhofer, Elisabeth

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URN: urn:nbn:at:at-ubw:1-21423.52767.879752-8
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Abstract in Deutsch

In der vorliegenden Arbeit setze ich mich mit der Einschätzung der europäischen Integration in der aktuellen Solidaritätskrise durch österreichische Polizeibeamte auseinander. Nachdem im Sommer 2015 die Zahlen Asylsuchender in Europa stark anstiegen, reagierten die Mitgliedsstaaten nach nationalen Mustern. Teilweise wurden etwa Grenzkontrollen an Schengen-Grenzen wieder eingeführt. Österreich war dabei sowohl Ziel- als auch Durchzugsland. Polizist_innen sind dabei diejenigen, die mit der direkten Administration der Geflüchteten und Asylantragssteller_innen beauftragt sind, während sie politischen Vorgaben folgen. Angesichts der verschiedenen Reaktionen und Konflikte der Mitgliedsstaaten interessierte ihre Perspektive auf die Zukunft der Europäischen Union (EU). Es wurden 5 qualitative problemzentrierte Interviews in Wien, der Steiermark und Kärnten geführt. Alle befragten Beamten haben in unterschiedlichen beruflichen Positionen mit Menschen auf der Flucht zu tun. Die Interviews wurden nach dem Ansatz der Grounded Theory ausgewertet. Dabei zeigte sich, dass die Befragten unter der europäischen Integration vor allem das nach gemeinsamen Zielen ausgerichtete, koordinierte Handeln der Mitgliedsstaaten, die weiterhin als nationale Souveräne verbleiben, verstehen. Derzeit sehen sie diese allerdings als stark gefährdet und die europäische Asylpolitik als gescheitert an. Grundsätzlich lassen sich in diesem Kontext drei Ausrichtungen der Orientierung für die politische Zukunft und die Lösung der Situation erkennen: Die europäische Orientierung strebt eine solidarische Lösung auf europäischer Ebene an, die nationale Orientierung im europäischen Rahmen erwartet sich eine europäische Lösung mit dem bestmöglichen Ergebnis für Österreich und die nationale Orientierung lehnt die EU generell ab. Auswirkungen der europäischen Asylpolitik auf die eigene Arbeit werden kaum gesehen, auch scheinen deren Maßnahmen kaum bekannt zu sein, was mit der Implementierung der EU-Direktiven in nationale Gesetzgebung zusammenhängen könnte. Während sich die Vorstellungen einer Lösung für die Situation unterscheiden, sind alle Interviewten der Meinung, dass die Flüchtlingszahlen erst dann zurückgehen, wenn der Krieg beendet ist. Alle Befragten thematisieren die Überforderung der österreichischen Polizei mit der Administration der illegalen Migrant_innen und Asylsuchenden. Zwei grundsätzliche Argumentationsstrukturen lassen sich in den Interviews feststellen. Während die empathische Argumentationsstruktur Menschen auf der Flucht als hilfsbedürftig und die EU in der humanitären Verpflichtung, ihnen Hilfe zu leisten, ansieht, ist die rechtspopulistische Argumentationsstruktur hauptsächlich von Misstrauen gegenüber Politik, Presse und falschen Flüchtlingen geprägt. Teilweise werden dabei in unterschiedlichem Außmas Verschwörungstheorien formuliert, die die Fluchtbewegung als aktiv gesteuertes Phänomen sehen.

Schlagwörter in Deutsch

Asyl / Asylsoziologie / Europasoziologie / EU / Europäische Union / Europäische Integration / Asylpolitik / Polizeiforschung / Polizei / Rechtspopulismus / Verschwörungstheorien / Grounded Theory

Abstract in Englisch

During the summer 2015, the number of Asylum seekers in Europe spiked due to the war in Syria. Austria was one of the top 5 countries to take in high numbers of refugees. Instead of a common response to the development, the member states of the European Union started to follow national patterns. Border controls at Schengen borders were partly reestablished. This raises the question of the future of the European Union. This thesis deals with the perspective of Austrian police officers on the future of the European Union during the solidarity crisis. Five qualitative problem centered interviews with policemen in Vienna, Steiermark and Kärnten were conducted and analysed with the methods of Grounded Theory. All of the policemen deal with refugees at work. They understand European integration as an collaborative actions towards a common aim of the member states. This means a certain amount of common law and politics, but the member states remain as sovereign nations. Three different orientations can be seen, the European integration sees the only solution for the current crisis in a solidary solution on a European level, the national-European orientation seeks a European solution that brings the most benefit for Austria and the national orientation is not interested in a European Union at all and states that Austria should act on its own. All of the interview-partners stated, that the European Union and its Asylum policy failed in the current crisis. It seemed to not have a big influence on their work, which I explain with the implementation of European law an a national level: European directives become national law while being implemented. They also stated the inability of the Austrian police to administrate the number of people that are coming in and travelling through the country. Two basic argument structures could be seen in the interviews. One is empathic, sees refugees as humans in need and the humanitarian duty of the European Union to help them. The other one is right-wing populistic, including strong mistrust against politics, the press and false refugees. Some of them have strong conspiracy theories. They state, that the refugee movements are controlled, some see it as an act to weaken Europe by either America, the Bilderberg-Conference or rich Jewish families. All interview partners differentiate between legitimate and illegitimate refugees. While their ideas of an ideal solution differs, they all state that refugees will keep coming as long as the war goes on.

Dokumentenart: Hochschulschrift (Masterarbeit)
AutorIn: Berg, Jana
Titel: Grenzziehungen im entgrenzten Raum?
Umfangsangabe: 119 Seiten
Institution: Universität Wien
Fakultät: Fakultät für Sozialwissenschaften
Studiumsbezeichnung bzw.
Universitätslehrgang (ULG):
Masterstudium Soziologie
Publikationsjahr: 2016
Sprache: ger ... Deutsch
BetreuerIn: Scheibelhofer, Elisabeth
BeurteilerIn: Scheibelhofer, Elisabeth
Klassifikation: 71 Soziologie > 71.99 Soziologie: Sonstiges
AC-Nummer: AC13435548
Dokumenten-ID: 43735
(Das PDF-Layout ist ident mit der Druckausgabe der Hochschulschrift.)

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