Universitätsbibliothek Wien

Lassen wir die Fakten sprechen?

Nagel, Tanja (2009) Lassen wir die Fakten sprechen?
Magisterarbeit, University of Vienna. Fakultät für Sozialwissenschaften
BetreuerIn: Felt, Ulrike
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URN: urn:nbn:at:at-ubw:1-30442.37987.533053-1

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Abstract in German

Meine Diplomarbeit "Lassen wir die Fakten sprechen? Populärwissenschaftliche Rekonstruktionen und Dekonstruktionen von Geschlechterdifferenz" stellt Beobachtungen zur Verhandlung von Geschlecht zwischen Wissenschaft, Medien und Öffentlichkeit an. In einem ersten theoretischen Schritt nähere ich mich dem Thema aus der Perspektive der Frauen- und Geschlechterforschung: Auf der einen Seite geht es um verhandelte Konzepte von Geschlecht bzw. Geschlechterdifferenz, auf der anderen Seite um (natur-)wissenschaftliche Erklärungen für Geschlecht und Geschlechterdifferenz. In einem zweiten Schritt versuche ich das Verhältnis zwischen Wissenschaft, Medien und Öffentlichkeit zu beleuchten, indem ich mich mit Konzepten der Wissenschaftsvermittlung, der Medialisierung von Wissenschaft und dem Wissenschaftsjournalismus beschäftige. Den eigentlichen Analyserahmen bildet das Konzept der Ko-Produktion, dem zufolge wissenschaftliche und soziale Ordnung ko-produziert sind. Es verabschiedet sich von Zugängen, die Natur, Faktizität und Objektivität als von Kultur, Werten und Politik getrennt betrachten. Das Konzept der Ko-Produktion betrachtet wissenschaftliche und soziale Ordnung als symmetrisch, wenn sie sich mit den sozialen Aspekten von Wissen ebenso beschäftigt wie damit, auf welche Weise das Soziale durch Wissen geformt wird. Das Herstellen von Identitäten ist ein zentrales Instrument der Ko-Produktion, deren Ziel die Erhaltung und Stabilisierung der sozialen Ordnung ist und damit untrennbar mit der Verteilung von Macht verknüpft ist. Das Herstellen der Identitäten von Frauen und Männern in populärwissenschaftlichen Texten steht in meiner Analyse im Mittelpunkt. Populärwissenschaftliche Medien sind ein Ort, an dem die Ko-Produktion von wissenschaftlicher und sozialer Ordnung gut beobachtet werden kann. Sie sind ein Ort, an dem getestet werden kann, welche gesellschaftlichen Erzählungen aktuell möglich sind und welche nicht. JournalistInnen reproduzieren nicht einfach den wissenschaftlichen Diskurs in vereinfachter Form. Da sie Erkenntnisse aus ihrem Kontext herauslösen und in gesellschaftliche Erzählungen einschreiben, haben sie die Macht, gesellschaftliche Ordnungen zu verfestigen oder auch anzugreifen. Meine empirische Analyse populärwissenschaftlicher Printmedien zeigt, dass zahlreiche Strategien zur Anwendung kommen müssen, um eine schlüssige Erzählung über die Geschlechter stricken zu können. Es müssen Relevanz, Glaubwürdigkeit, Faktizität und Anschlussfähigkeit erzeugt werden. Dabei wird deutlich, dass die bestehende gesellschaftliche Ordnung, die sich in Bezug auf das Geschlecht als dichotom darstellt, weitgehend stabilisiert wird, indem wissenschaftliche Erkenntnisse in eine stringente Erzählung über Differenz eingeschrieben werden. In den analysierten Texten werden bis auf wenige Ausnahmen eindeutige Identitäten von Frauen und Männern hergestellt, die auf moralischer, politischer und symbolischer Ebene das Ziel haben, die bestehende Ordnung zu erhalten.

Schlagwörter in Deutsch

Geschlecht / Geschlechterdifferenz / Wissenschaftsforschung / populärwissenschaftlich / Geschlechterforschung / Grounded Theory / Ko-Produktion / Medien / Politik

Abstract in English

My thesis "Is it all about the facts? Reconstructing and deconstructing gender/sex differences in popular science" deals with the negotiation of sex/gender between science, media and the public. My first analytical step is to approach the topic from the vantage point of women and gender studies: on the one hand there are negotiated concepts of sex/gender or sex/gender-differences, on the other hand there are scientific explanations of sex/gender and sex/gender-differences. My second step is the attempt to shed some light on the relationship between science, media and the public, in which I am concentrating on the concepts of popularization, the mediatisation of science and science-journalism. The actual theoretical framework is built on the concept of co-production, according to which scientific and social order are co-produced. Its unique approach does not separate nature, factuality and objectivity from culture, values and politics. When looking at the social aspects of knowledge while simultaneously looking at the way those social aspects are shaped by knowledge, the concept of co-production regards scientific and social order as symmetrical. The creation of identities is a central tool of co-production, which aim is the sustainability and stabilization of social order and is therefore intrinsically tied to the distribution of power. The creation of identities of men and women in popular scientific texts is the centerpiece of my analysis. In popular-science media, co-production of scientific and social order can be well observed. It is a sort of test-bed to find out which societal narratives are currently possible and which are not. Journalists don't just reproduce the scientific discourse in a simplified way. By portraying findings out of their original context and embedding them into societal narratives, they wield the power of either attacking or strengthening social order. My empirical analysis of popular-scientific print-media shows that numerous strategies have to be employed in order to weave a stringent narrative about sex/gender. Relevancy, credibility, factuality and coherence need to be created. It also becomes clear, that the existing social order, which in regard to sex/gender depicts itself as dichotomous, is stabilized by embedding scientific findings into the stringent narrative of difference. Apart from a few exceptions, all the analyzed texts create clearly defined identities of women and men, with the purpose of upholding the existing order on a moral, political and symbolic level.

Schlagwörter in Englisch

sex / gender / difference / science and technology studies / Grounded Theory / Co-Production / popular science / media / politics

Item Type: Hochschulschrift (Magisterarbeit)
Author: Nagel, Tanja
Title: Lassen wir die Fakten sprechen?
Subtitle: populärwissenschaftliche Rekonstruktionen und Dekonstruktionen von Geschlechterdifferenz
Umfangsangabe: 140 S.
Institution: University of Vienna
Faculty: Fakultät für Sozialwissenschaften
Publication year: 2009
Language: ger ... Deutsch
Supervisor: Felt, Ulrike
Assessor: Felt, Ulrike
Classification: 02 Wissenschaft und Kultur allgemein > 02.10 Wissenschaft und Gesellschaft
71 Soziologie > 71.31 Geschlechter und ihr Verhalten
AC Number: AC08161152
Item ID: 4370
(Das PDF-Layout ist ident mit der Druckausgabe der Hochschulschrift.)

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