Universitätsbibliothek Wien

Ausgetretene - Belastete - Brückenbauer

Hoppe-Kaiser, Eva Maria (2015) Ausgetretene - Belastete - Brückenbauer.
Dissertation, University of Vienna. Katholisch-Theologische Fakultät
BetreuerIn: Klieber, Rupert
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URN: urn:nbn:at:at-ubw:1-29306.05446.719765-5

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Abstract in German

Da die katholische Kirche zu den vom NS-Regime verfolgten Organisationen zählte, glaubte sie, nach dem Zusammenbruch des Dritten Reiches für ihre früheren Verfolger eintreten zu müssen. Gestützt durch entsprechende Stellungnahmen von Papst Pius XII. plädierten die Bischöfe für eine gesellschaftlichen Integration der ehemaligen Nationalsozialisten und förderten diese in drei unterschiedlichen Bereichen: Die Apostaten, die als NS-Sympathisanten von 1938 und 1945 den Kirchenaustritt vollzogen hatten, wurden bereitwillig wieder aufgenommen, obwohl den kirchlich Verantwortlichen bewusst war, dass dieser Schritt bei einem Teil der Betroffenen auf Kalkül beruhte. Für diese Gruppe stellte der Wiedereintritt meist eine Möglichkeit zur leichteren Integration in die Nachkriegsgesellschaft dar. Auf gesellschaftspolitischer Ebene setzten sich die Bischöfe für eine rasche Rehabilitation der NS-Belasteten ein. In zahlreichen Eingaben an die alliierten sowie an österreichische Behörden plädierten sie für eine Amnestie der NS-Internierten sowie für die Abschwächung der Entnazifizierungsgesetze. In hunderten Einzelfällen traten sie für die „Belasteten“ ein, indem sie Leumundszeugnisse ausstellten und Gnadenansuche unterstützten. Der katholische Klerus zählte zwar zu der durch das NS-Regime am meisten verfolgten Berufsgruppe, was für über 700 Geistliche Haft bedeutete und rund 40 Priestern das Leben kostete, dennoch gab es auch Brückenbauer im katholischen Klerus. Die Zahl der Parteimitglieder im Klerus war mit weniger als 0,5 Prozent äußerst gering, die meisten geistlichen NS-Sympathisanten verfügten jedoch über kein Parteibuch. Ein Großteil dieser NS-affinen Priester ließ sich im „Anschluss“-Taumel 1938 von der Woge der nationalen Begeisterung mitreißen, eine kleinere Gruppe katholischer Intellektueller sah ideologische Parallelen zwischen Kirche und NS. Beide Gruppen wandten sich bald enttäuscht von der neuen Ideologie ab und konnten nach dem Krieg nahtlos ihre kirchliche Karriere fortsetzen. Die zahlenmäßig winzige Fraktion der ideologische Nationalsozialisten im Klerus wurden nach 1945 einer innerkirchlichen Entnazifizierung unterzogen. Sie musste ihre Ämter verlassen und wurde auf unbedeutende Verwaltungsposten abgeschoben. Zusammenfassend lässt sich konstatieren, dass das Schlagwort der „Befriedung der Gesellschaft“ im Sinne der christlichen Versöhung ihre Berechtigung gehabt haben mag. Da viele NS-Belastete jedoch Schuldeinsicht schmerzlich vermissen ließen, musste diese Versöhnung ohne Reue auf dem Rücken der Opfer erfolgen. Dem Einsatz der katholischen Amtskirche für die „Ehemaligen“ haftet daher bei aller guten theologischen und gesellschaftspolitischen Absicht ein schaler Nachgeschmack an, der durch die Würdigung der NS-Opfer - auch unter den katholischen Geistlichen - erst Jahrzehnte später gemildert wurde.

Schlagwörter in Deutsch

Katholische Kirche / Bischöfe / Österreich / 1945-1955 / Entnazifizierung / Kirchenaustritte / Reversionen / Gefangenenseelsorge / Interventionen / NS-Belastete / Brückenbauer / brauner Klerus / KZ-Priester / Memoria

Abstract in English

After the fall of Nazi Germany the Catholic Church in Austria, which had been heavily persecuted by the Nazi state, thought to have the moral legitimacy to speak for the former pursuers. The Austrian bishops, convinced by the Christian idea of reconciliation and supported by statements of Pope Pius XII. pleaded for the integration of former members of the Nazi Party into postwar society. They advanced this idea in three different ways: Apostates, who had left the church in the years between 1938 and 1945 because of their affiliation with National Socialism were reaccepted without hesitance, even though the bishops were aware of the fact that part of the returnees were more driven by the aspiration of personal benefits than by repentance. After having performed the reversion to the church it was easier for them to reintegrate into the Austrian society. Secondly, the bishops campaigned for the rehabilitation of former Nazi Party members. They fought against the denazification laws with numerous statements and for amnesty of arrested or convicted war criminals. Furthermore, even though the catholic clergy had faced heavy persecution under the Nazi regime (700 Austrian priests had been imprisoned, over 40 priests lost their lives in concentration camps or by execution) some of the catholic clergy had been sympathetic with Nazism. The number of these so called “Brückenbauer” was diminishable, only 0.5 percent of the Austrian priests had been official members of Hitler’s party. After the fall of the Third Reich most of them, who had left the Nazi ideology already during the war, could easily keep their positions within the church. The small number of actual Nazi enthusiasts was subjected to an internal denazification process by the bishops. They had to leave their vocation and were reinstalled in less important positions within the hierarchy. On the other hand the Catholic Church had to deal with priests who returned from their imprisonment in concentration camps. They were often advised to leave their parish to work in remote fields of pastoral care. Only decades later the Catholic Church was able to recognize the victims within the clergy. Subsequently it can be said that after the end of the war the idea of reconciliation of former Nazis with postwar society had some significance. But as most of the former proponents of National Socialism did not show any signs of regret, the bishops supported reconciliation without repentance. Even though their efforts were driven by honest intentions, this form of reconciliation was in effect carried out on the back of the victims.

Item Type: Hochschulschrift (Dissertation)
Author: Hoppe-Kaiser, Eva Maria
Title: Ausgetretene - Belastete - Brückenbauer
Subtitle: die katholischen Bischöfe Österreichs und ihr Einsatz für ehemalige Nationalsozialisten 1945 - 1955
Umfangsangabe: 479 Seiten
Institution: University of Vienna
Faculty: Katholisch-Theologische Fakultät
Studiumsbezeichnung bzw.
Universitätslehrgang (ULG):
Dr.-Studium der Katholischen Theologie Katholische Fachtheologie
Publication year: 2015
Language: ger ... Deutsch
Supervisor: Klieber, Rupert
Assessor: Klieber, Rupert
2. Assessor: Tropper, Peter
Classification: 11 Theologie, Religionswissenschaft > 11.50 Kirchengeschichte, Dogmengeschichte
15 Geschichte > 15.60 Schweiz, Österreich-Ungarn, Österreich
15 Geschichte > 15.38 Europäische Geschichte nach 1945
AC Number: AC13234980
Item ID: 40510
(Das PDF-Layout ist ident mit der Druckausgabe der Hochschulschrift.)

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