Universitätsbibliothek Wien

Diskontinuität als biographisches Konzept

Pajkovic, Grozdana (2015) Diskontinuität als biographisches Konzept.
Dissertation, University of Vienna. Fakultät für Sozialwissenschaften
BetreuerIn: Breckner, Roswitha
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URN: urn:nbn:at:at-ubw:1-29848.74576.456166-6

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Abstract in German

Diese Untersuchung basiert auf einem biographisch-rekonstruktiven Ansatz. Dabei werden die Biographien von Frauen mit Migrationslebensgeschichten, die psychoaktive Substanzen konsumieren, im Hinblick darauf untersucht, welches Handeln, Erleben und welche Bearbeitungsstrategien für die Suchtentwicklung nachgezeichnet werden können und inwieweit die Migrationserfahrung für die Biographinnen Relevanz gewonnen hat. Als theoretische Grundlage wird die Biographietheorie, insbesondere das Verlaufskurvenkonzept von Fritz Schütze, herangezogen und mit psychoanalytischer Adoleszenztheorie gesättigt. Dabei wird ein besonderer Fokus auf die Entwicklung von traumatogenen Prozessen durch innerfamiliäre Gewalt gelegt. Da sich problematische Situationen der interviewten Frauen in einer gewissen Dynamik wiederholen, werden die Prozessstrukturen des Lebenslaufs insbesondere der Verlaufskurve nach Schütze, herangezogen, damit das Leid der Betroffenen angemessen nachvollzogen werden kann. Auch das Konzept einer Drogenverlaufskurve ist für das Verständnis relevant. Durch diese Perspektive ist es möglich, von einer Mikroebene ausgehend auch auf eine Makroebene Bezug zu nehmen. Da jede Biographie trotz allem einzigartig ist und Erleben immer mit dem Erfahrungshorizont der jeweiligen Bezugsperson zu tun hat, wird die Bedeutung von Erfahrungszusammenhängen anhand ihrer sprachlichen Ausdrucksgestalt dargestellt. Dabei werden auch gesellschafts- und sozialpolitische Bezüge der jeweiligen Herkunftsländer der Biographinnen herangezogen. Die Untersuchung umfasst zwei biographische Fallrekonstruktionen von Ana und Irena. Weiters werden zwei globalanalytische Auswertungen von Tanja und Maria durchgeführt mit dem Fokus auf die Herkunftsländer der Biographinnen, welche politisch, gesellschaftlich und sozial durch viele Jahre hindurch marginalisiert wurden und in ihrer Geschichte mit schwerwiegenden Erschütterungen konfrontiert waren. Die Untersuchung zeigt, wie die Biographien von Frauen, die psychoaktive Substanzen konsumieren, von Diskontinuitätserfahrungen geprägt sind. Sie sind eine Folge innerfamiliärer Gewalt und manifestieren sich in einem traumatogenen Prozess. Dabei werden die sadistischen Bezugspersonen internalisiert. Sobald die jungen Frauen sich aus ihren Herkunftsfamilien hinausbewegen, wird der internalisierte Sadismus durch die Wirkung von Beschämung und Schuld in einer masochistischen Zerstörung weitergelebt. Die Diskontinuitätserfahrung wird zu einem kontinuitätsstiftenden Element der Biographinnen.

Schlagwörter in Deutsch

Biographieforschung / Verlaufskurve / Migration / Sucht

Abstract in English

This thesis is based on a biographical-reconstructive understanding. The biographies of women with migration life stories that consume psychoactive substances were examined with regard to what actions, experiences and what adaptation strategies can be determined and in how far their migration experience is of relevance for the biographers. The methodological approach is based on the concepts of biographical theory, in particular the concept of trajectory developed by Fritz Schütze and enriches them with the psychoanalytic theory of adolescence. A particular focus was put on the development of traumatic processes due to domestic violence. As the biographies of the interviewed women repeat themselves with specific dynamics, the study is based on the process structures of the biography in particular of the trajectory enabling the reader to build up an adequate understanding of the suffering of the interviewed women. Equally essential is the concept of the drug addiction trajectory to draw conclusions from the micro level for the understanding of the macro level. As every biography is nonetheless unique, the relevance of the contexts of experiences to the language used is described. The biographical concept is portrayed in its development and its understanding in order to illustrate under which paradigm the study was pursued. Thus, an own chapter is dedicated to the social and socio-political framework of the countries the interviewed women emigrated from. The reconstruction of the biographies of Ana and Irena is at the centre of this thesis. Furthermore two globally analysed evaluations of the biographies of Tanja and Maria were pursued with a focus on the impact of the relationships in their countries of emigration that were marginalized politically, socially and socio-economically throughout many years and were confronted in their history with repercussions of ethnic and ideological conflicts. This thesis shows how much the biographies of women who consume psychoactive substances is characterised by experiences of discontinuity. They are caused by domestic violence and manifest themselves in a traumatic process by which the sadistic attachment figures are being internalised. As soon as the young women leave their family of origin, the internalised sadism continues to be agitated due to the impact of abashment and guilt in a masochistic destruction. The experience of discontinuity becomes an element of continuity in their biographies.

Item Type: Hochschulschrift (Dissertation)
Author: Pajkovic, Grozdana
Title: Diskontinuität als biographisches Konzept
Subtitle: die Auswirkungen traumatogener Gewalt auf Frauen mit Migrationsbiographien im Kontext einer Verlaufskurve mit Suchtentwicklungsprozess
Umfangsangabe: 276 S.
Institution: University of Vienna
Faculty: Fakultät für Sozialwissenschaften
Studiumsbezeichnung bzw.
Universitätslehrgang (ULG):
Dr.-Studium d.Sozial- u.Wirtschaftswiss. Soziologie (sozial-/wirtschaftsw.Stud.)
Publication year: 2015
Language: ger ... Deutsch
Supervisor: Breckner, Roswitha
Assessor: Breckner, Roswitha
2. Assessor: Inowlocki, Lena
Classification: 71 Soziologie > 71.11 Gesellschaft
71 Soziologie > 71.13 Soziales Milieu
71 Soziologie > 71.33 Frau
71 Soziologie > 71.60 Soziale Fragen, soziale Konflikte: Allgemeines
71 Soziologie > 71.49 Soziale Prozesse: Sonstiges
71 Soziologie > 71.66 Sucht als soziales Problem
AC Number: AC12316172
Item ID: 37468
(Das PDF-Layout ist ident mit der Druckausgabe der Hochschulschrift.)

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