Universitätsbibliothek Wien

Freiheit in Gemeinschaft – Freiheit der Gemeinschaft. Das geltende Kirchenrecht und die alte Lehre von der "libertas Ecclesiae"

Kowatsch, Andreas (2014) Freiheit in Gemeinschaft – Freiheit der Gemeinschaft. Das geltende Kirchenrecht und die alte Lehre von der "libertas Ecclesiae".
Dissertation, University of Vienna. Katholisch-Theologische Fakultät
BetreuerIn: Müller, Ludger
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URN: urn:nbn:at:at-ubw:1-29815.28658.718365-0

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Abstract in German

Die vorliegende kanonistische Studie verfolgt die Lösung zweier miteinander innerlich verbundener Fragestellungen. Die erste ist die Frage nach der Einordnung der institutionellen Verfasstheit der Kirche in die Sicht der Kirche als Sakrament iSv LG 1 bzw. in die Communio-Ekklesiologie als Integration der konziliaren Kirchenbilder. Der Beitrag, der gerade auch von kanonistischer Seite zur theologischen Vertiefung dieser Lehre geleistet worden ist, soll durch diese Arbeit eine (bescheidene) Fortsetzung finden. Auszugehen ist dabei von der These, dass die Sichtbarkeit der Kirche in der Welt der Ort ist, an dem ihre Verfassung als rechtliche Institution ihren Sitz im Leben hat. Die Kirche, nach LG 8 una realitas complexa, ist nicht die Summe einer einfachen Addition aus sichtbaren und unsichtbaren Elementen. Die rechtliche Verfasstheit ist auch kein bloß äußerlicher Zusatz, der zum Wesen der Kirche aus pragmatischen oder gar taktischen Gründen einmal hinzugetreten wäre. Die Komplexität äußert sich gerade darin, dass das Sichtbare notwendiger Ausdruck des Unsichtbaren ist. Die Institutionalität der Kirche wurzelt in ihrem sakramentalen Wesen und ist Zeichen für dieses. Als je konkrete geschichtliche Verwirklichungsform der Communio in einem bestimmten kulturellen, staatlichen und rechtlichen Umfeld, ist diese zwar selbst nicht sakramentales Zeichen im strengen Sinn, da dann die Gefahr einer Idolisierung des Kirchenrechts bestünde. Trotzdem ist die Institutionalität nicht beliebig, sondern gerade dort untrennbar mit dem geheimnisvollen Wesen der Kirche verbunden, wo sie die notwendige Bedingung dafür ist, dass die Kirche überhaupt als Kirche in der Welt leben kann. Dies berührt die zweite Frage dieser Untersuchung, die Frage nach der „Kirchenfreiheit“ („libertas Ecclesiae“) im geltenden Kirchenrecht. Es wird gezeigt, dass der Anspruch der Kirche auf Freiheit im Wesen der Communio selbst begründet ist. Die libertas Ecclesiae ist der mit dem Sendungsauftrag verbundene - auch rechtliche – Anspruch der katholischen Glaubensgemeinschaft, als solche die ekklesialen Grundvollzüge der Verkündigung, der Liturgie und der Diakonie unter den Bedingungen, die sich aus dem Evangelium ergeben, leben zu können. Sowohl die Institutionalität der Kirche als auch die Kirchenfreiheit als die der Institution eigene Freiheit stehen im Mittelpunkt der Frage nach dem rechten Verhältnis von Kirche und Staat bzw. den politischen Gemeinschaften im Generellen. Es wird der Nachweis geführt, dass, entgegen einer weit verbreiteten Ansicht, die Kirchenfreiheit nicht durch die Anerkennung der Religionsfreiheit „absorbiert“ worden ist, sondern nach wie vor eine eigenständige theologische Bedeutung hat. Sie ist die theologische Bedingung dafür, dass sich die Kirche auf die Rechtspositionen berufen kann und darf, die ihr seitens des Staates angeboten werden. Innerkirchlich macht es dabei keinen Unterschied, ob dieses Angebot im Rahmen der Grund- und Freiheitsrechte oder im Rahmen des institutionellen Staatskirchenrechts erfolgt. Zur Lösung der Forschungsfragen war es erforderlich, ausführlich die kirchliche Lehre vom Verhältnis zwischen Kirche und Staat darzustellen. Hierzu musste die Lehre der kirchenrechtlichen Schule des Ius Publicum Ecclesiasticum kritisch dargestellt werden. Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil stellt sich die zusätzliche Frage, ob diese Lehre und ihr zentrales Anliegen der Garantie der Kirchenfreiheit weiterhin legitim ist und ob es in anderer Gestalt und Begrifflichkeit weiterentwickelt werden kann. Es zeigt sich, dass trotz gravierender Anfragen an das alte Ius Publicum Ecclesiasticum insbesondere wegen dessen einseitiger Sicht der Kirche als societas inaequalis und wegen dessen zumindest vordergründiger Selbstbeschränkung auf naturrechtlich-sozialphilosphische Methoden dessen Kernanliegen, die Verteidigung der Freiheit der kirchlichen Gemeinschaft, ein bleibend gültiger Anspruch der Katholischen Kirche ist. Dieser hat daher besonders jene Normen des geltenden Kirchenrechts geprägt, die das Verhältnis zum Staat ansprechen. Die Sicht der Kirche als societas perfecta ist dabei insofern überholt, als ein zeitgemäßes Verhältnis zwischen Kirche und Staat nicht mehr nur eine Begegnung zweier in ihrem Bereich jeweils höchstkompetentieller Institutionen ist, sondern in erster Linie ein, wenn auch auf sehr unterschiedliche Weise, gemeinsamer Dienst an denselben Menschen im Vordergrund stehen muss. Da die klassische Lehre aber v.a. im deutschsprachigen Schrifttum z.T. pauschal bis polemisch kritisiert wird, war eine Kritik der Kritik dort unvermeidlich, wo diese angesichts der bleibenden Bedeutung der Kirchenfreiheit gegenüber der Religionsfreiheit über ihr Ziel hinausschießt und den bleibende Wesensgehalt der Societas-perfecta-Lehre im geltenden Recht wie in der nachkonziliaren Kirchenlehre nicht mehr zu erkennen vermag. Durch die Lösung dieser beiden miteinander verbundenen Forschungsfragen will diese Arbeit zur Selbstvergewisserung des kirchlichen Selbstverständnisses im säkularen und pluralistischen Staat ebenso Hilfestellung leisten, wie sie sich als kanonistischer Beitrag zur Einordnung der Institutionalität der Kirche in die Communio-Ekklesiologie versteht.

Schlagwörter in Deutsch

Kirchenrecht / Staatskirchenrecht / Religionsrecht / Kirchenfreiheit / Religionsfreiheit / Ekklesiologie / Communio / Institution

Item Type: Hochschulschrift (Dissertation)
Author: Kowatsch, Andreas
Title: Freiheit in Gemeinschaft – Freiheit der Gemeinschaft. Das geltende Kirchenrecht und die alte Lehre von der "libertas Ecclesiae"
Subtitle: zugleich ein kanonistischer Beitrag zur Einordnung der Institutionalität der Kirche in die Communio-Ekklesiologie
Umfangsangabe: 360 S.
Institution: University of Vienna
Faculty: Katholisch-Theologische Fakultät
Studiumsbezeichnung bzw.
Universitätslehrgang (ULG):
Doktoratsstudium der Katholischen Theologie (Dissertationsgebiet: Katholische Fachtheologie)
Publication year: 2014
Language: ger ... Deutsch
Supervisor: Müller, Ludger
Assessor: Müller, Ludger
2. Assessor: Rees, Wilhelm
Classification: 11 Theologie, Religionswissenschaft > 11.54 Katholizismus
11 Theologie, Religionswissenschaft > 11.69 Systematische Theologie: Sonstiges
11 Theologie, Religionswissenschaft > 11.72 Kirchliche Soziologie
11 Theologie, Religionswissenschaft > 11.73 Kirchenorganisation
11 Theologie, Religionswissenschaft > 11.79 Praktische Theologie: Sonstiges
AC Number: AC12282896
Item ID: 35433
(Das PDF-Layout ist ident mit der Druckausgabe der Hochschulschrift.)

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