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Die sowjetische Militärpolitik im Kalten Krieg und die österreichische dauernde Neutralität

Schätz, Alfred (2008) Die sowjetische Militärpolitik im Kalten Krieg und die österreichische dauernde Neutralität.
Dissertation, University of Vienna. Fakultät für Sozialwissenschaften
BetreuerIn: Vetschera, Heinz ; Schmidl, Erwin

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DOI: 10.25365/thesis.3324
URN: urn:nbn:at:at-ubw:1-30364.04785.836954-3

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Abstract in German

1938 verlor Österreich seine Freiheit und Selbständigkeit. Es dauerte mehr als 17 Jahre bis zum österreichischen Staatsvertrag 1955. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges entwickelte sich der "Kalte Krieg" sehr bald aus dem politischen "Nichts-geht-mehr" zur "Spielkarte" der militärischen Stärke. NATO und Warschauer Pakt standen sich feindlich gegenüber, Österreich war Teil des Kalten Krieges. Nachdem ein Herausbrechen West-Deutschlands durch die Sowjetunion mit dem Angebot der Neutralisierung bei gleichzeitigem Zusammenschluss von Ost- und Westdeutschland aus der NATO gescheitert war, wurde die schon vorher auf Basis der westlichen Völkerrechtslehre diskutierte Neutralität Österreichs von sowjetischer Seite mit Interesse zur Kenntnis genommen. Dass es nach marxistisch-leninistischer Ideologie nicht möglich war, "gleiche Beziehungen zum Aggressor und zum Opfer der Aggression" zu halten und dass "der Staat, der einen gerechten Krieg führte, Unterstützung und Hilfe erhalten musste", daher gegenüber der sozialistischen Staatenwelt, die ihrer Gesellschaftsstruktur entsprechend nur "gerechte Kriege" führen konnte, eine Neutralität ausgeschlossen war, spielte bei der Erstellung des "Moskauer Memorandums" von Seiten der österreichischen Politik keine Rolle, sie wurde im Sinne einer "sicherheitspolitischen" umfassenden Lagebeurteilung negiert. Österreich war durch diese Entwicklung zur Flanke eines möglichen Kriegsschauplatzes von Kriegshandlungen in Mittel-Europa geworden. Der neutrale Riegel Österreich, Schweiz trennte die NATO-Kommandobereiche AFCENT, AFSOUTH topographisch und nunmehr auch politisch. Ein möglicher Angriff des Warschauer Paktes gegen die NATO durch Konzentration und Schwergewichtsbildung der Kräfte nach dem Grundsatz "Angriff auf breiter Front und Nutzung der Flanken durch Umgehung" wurden bei einem relativen militärischen Vakuum erst richtig umsetzbar, die Einbindung Österreichs durch Nutzung der Flanke sogar wahrscheinlich. Daraus ergab sich die Wichtigkeit der dauernden Neutralität Österreichs für eine langfristig ausgerichtete sowjetische Politik in Europa und in der Welt. Alte Kriege wurden durch neue Kriege ersetzt. Die subkonventionellen Bedrohungen sind heute im Vordergrund. Zwischen dem fundamentalen Islamismus und dem Marxismus-Leninismus gibt es viele Ähnlichkeiten. Beide Bewegungen kennzeichnet ein globaler Anspruch. Ziel ihrer Anhänger war und ist die Verbesserung der Welt. Kommunismus und Islamismus waren und sind globale Erlösungslehren. Stellenwert der dauernden Neutralität heute: Solidarität nach innen und nach außen schafft Sicherheit und Stabilität. Die klassische Neutralität als Politik der Vergangenheit, bezogen auf ihre Erfolge aber auch verbunden mit ihrer Fragwürdigkeit, wird durch eine Politik der "Einen Stimme" der Allianz abzulösen sein.

Schlagwörter in Deutsch

Sowjetunion / Krieg / Frieden / Militärwesen / dauernde Neutralität / Kriegsschauplatz Europa / Marxismus / Islamismus

Abstract in English

1938 Austria lost its freedom and independence. It lastet more than 17 years till the Austrian state treaty could be signed in 1955. After the Second World War the so called Cold War became due to the political no go situation the joker in the game. NATO and Warsaw Pact were opposed to each other. Austria was also part of the Cold War. The austrian neutrality discussed on the basis of western international law became of interest for the Kremlin after it failed to break out West Germany from the western alliance by an offer of neutralization and unification of both german states. When the Moscow Memorandum was designed by the austrian politicians it did not play a role that due to marxist-leninist ideology it was not possible to maintain equal relations to the aggressor and to the victim of this aggressor and that a state fighting a righteous war must gain support and help. Because the socialist world based on its society system fights only righteous wars, therefore is no neutrality possible. This fact was ignored by the austrian politicians in the view of a comprehensive security political evaluation. If there should occur an aggression in Central Europe, this development made Austria the flank in a possible theatre of war. The neutral block consisting of Austria and Switzerland divided the NATO-commands AFCENT and AFSOUTH topographically as well as politically. A possible attack of the Warsaw Pact against NATO through concentration of forces based on the principle of an attack on a broad front and exploitation of the flanks by means of envelopment got a good chance of realization in face of the relative military vacuum of Austria. Therefore the austrian permanent neutrality became important for the long term soviet policy in Europe and the whole world. Former wars were replaced by new ones. Subconventional threats are the challenges of today. Islamic fundamentalism and marxism-leninism show a lot of similarities. Both are characterized by a global claim. Their common object was respectively is to improve the world. Communism once tried it (and failed), Islamism is still striving for worldwide salvation. What is the value of the permanent neutrality today? Solidarity directed to the inside and outside creates security and stability. As a policy of the past classic neutrality, successful but ambiguous, will have to be replaced by politics of an alliance with one voice.

Schlagwörter in Englisch

Sovietunion / war / peace / military / permanent neutrality / european theatre of war / marxism / Islamism

Item Type: Hochschulschrift (Dissertation)
Author: Schätz, Alfred
Title: Die sowjetische Militärpolitik im Kalten Krieg und die österreichische dauernde Neutralität
Umfangsangabe: 316 S. : graph. Darst., Kt.
Institution: University of Vienna
Faculty: Fakultät für Sozialwissenschaften
Publication year: 2008
Language: ger ... Deutsch
Supervisor: Vetschera, Heinz ; Schmidl, Erwin
Assessor: Vetschera, Heinz
2. Assessor: Schmidl, Erwin
Classification: 89 Politologie > 89.15 Kommunismus
89 Politologie > 89.36 Autoritäre Systeme
89 Politologie > 89.58 Politische Gewalt
89 Politologie > 89.73 Europapolitik, Europäische Union
89 Politologie > 89.80 Militärwesen: Allgemeines
89 Politologie > 89.81 Streitkräfte
89 Politologie > 89.83 Kriegführung
89 Politologie > 89.84 Strategie, Taktik
89 Politologie > 89.89 Militärwesen: Sonstiges
89 Politologie > 89.92 Ost-West-Verhältnis
15 Geschichte > 15.06 Politische Geschichte
15 Geschichte > 15.38 Europäische Geschichte nach 1945
15 Geschichte > 15.74 Russland
15 Geschichte > 15.71 Osteuropa
AC Number: AC05039793
Item ID: 3324
(Das PDF-Layout ist ident mit der Druckausgabe der Hochschulschrift.)

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