Universitätsbibliothek Wien

Erfahrungen junger Lesben in Bulgarien

Novachkova, Lora (2014) Erfahrungen junger Lesben in Bulgarien.
Diplomarbeit, Universität Wien. Philologisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
BetreuerIn: Zuckerhut, Patricia

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URN: urn:nbn:at:at-ubw:1-29889.56427.712453-9
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Abstract in Deutsch

Diese Arbeit legt einen Fokus auf die Erfahrungen junger Lesben in Bulgarien. Dabei werden primär ihre Erfahrungen in der Familie in Bezug auf ihr Lesbischsein untersucht, wobei der Mikrokosmos der Familie immer ein Spiegelbild der patriarchalheterosexistischen Gesellschaftsstrukturen darstellt. Darüber hinaus fungiert der familiäre Kontext als Machtraum regulativer, gewaltvoller Praxen, wo Individuen normiert werden und dadurch in den Herrschaftsverhältnissen verankert werden. Auffallend ist, dass der (familiäre) Alltag von Lesben von einer Reihe subtiler Gewaltformen, der sie ausgesetzt sind, geprägt ist: Gewaltformen, die als Grenzüberschreitungen empfunden werden, meistens aber nicht als Gewalt von den Lesben selbst definiert werden, da sie zu einer Alltagserfahrung gehören, wodurch sie ihre Normalisierung erfahren. Diese subtilen Gewaltformen inkludieren verschiedene homophobe Umgangsformen auf familiärer und gesellschaftlicher Ebene wie zum Beispiel ein Totschweigen des Lesbischseins der Tochter, Pathologisierung ihrer nichtnormativen Sexualität, die als defizitäre Entwicklung aufgefasst wird. Die „Hoffnung“ und der „feste Glaube“ der Eltern daran, dass diese „Fehlentwicklung“ eine vorübergehende Phase darstellt, die durch äußere Faktoren wie schlechter Einfluss durch den FreundInnenkreis, Enttäuschungs- oder Gewalterlebnisse mit Männern usw. bedingt war. Markant ist, dass, wenn es überhaupt zu einer Wahrnehmung dessen kommt, dass Lesbischsein nicht ernst genommen wird. Dabei wird die weibliche Homosexualität nicht als eine Hinwendung zu Frauen aufgefasst, sondern als eine Abwendung von Männern. Aus diesem Grund, so die These verschiedener ForscherInnen, werden Lesben durch homophobe Gewalt bestraft – nicht so sehr wegen ihrer Frauenliebe, sondern wegen der Nicht-Erfüllung patriarchaler Rollenmodelle, wegen ihres „Nicht-zur-Verfügung-Stehens-für-Männer“. Somit erweist sich, dass Homophobie und im Speziellen Lesbophobie keine Einzelerscheinung darstellt, sondern eine Logik, die durch die Institutionen des Patriarchats, der Heteronormativität und des Heterosexismus bedingt ist. Weiter soll Lesbophobie immer in Zusammenhang mit Gewalt gegen Frauen allgemein gesehen werden, denn Lesben unterliegen den gleichen gewaltvollen, sexistischen Gesellschaftsstrukturen, was ihre Erfahrungen von den Erfahrungen schwuler Männer deutlich unterscheidet. Meistens wird unter Homosexualität hauptsächlich männliche Homosexualität verstanden. Ähnlich verhält 131 es sich auch mit dem öffentlichen Bewusstsein für Gewalt gegen Homosexuelle. In den meisten Fällen bleiben die Erfahrungen von Lesben unausgesprochen und unter dem Horizont der Gewalt gegen Schwule subsumiert. Beides führt aber zu einer weiteren Unsichtbarmachung lesbischer Erfahrungen und dient gleichzeitig zur Verschleierung struktureller Sexismen und einer allgegenwärtig(en) (ausgeprägten) Lesbophobie, die als gesellschaftliche Problematik aus dem öffentlichen Bewusstsein (nicht nur in Bulgarien) völlig ausgeblendet wird.

Schlagwörter in Deutsch

Lesben / Bulgarien / Homophobie / Lesbophobie / Gewalt / Unsichtbarkeit

Abstract in Englisch

This work focuses on the experiences made by young lesbian women in Bulgaria. To this end, it primarily examines their homosexuality-related domestic experiences by observing family as a microcosmic reflection of the generally established patriarchal and hetero-normative structures within society. Moreover, it shows how the familiar background often provides for coercive and violent practices, thus imposing conformity norms and oppressive mechanisms upon individuals. A close attention is paid to the different forms of subtle violence that these women are exposed to in their everyday (domestic) life. These occurrences, however, are not necessarily perceived as excessive violence but rather considered to be routine due to their habitual character. One of the main characteristics of such violence is an evident homophobic attitude within the family or society in general, manifested in ignorance of the sexual orientation of the daughter or labeling it as an erroneous development and a repugnant pathological condition. The latter is being normally attributed to external factors, such as malicious influence by peers or traumatic man-related experiences. Regardless of the alleged reasons, it is remarkable how female homosexuality, if perceived as such at all, is considered as distaste for men rather than intimate attraction towards women. In this connection, different studies on that matter describe homophobic abuse, experienced by lesbian women as a punishment for not abiding by the classical patriarchal model, which subordinates a woman to a man within the hierarchy of the conventional family. In this line of thoughts, the present work attempts to prove that homophobia, particularly manifested in the form of lesbophobia, derives from patriarchal, heteronormative and heterosexist rationales. Moreover, this work aims to put lesbophobia in the context of violence against women in general as an additional factor, differentiating female from male homosexuality-related experiences. In the public discourse, homosexuality in general remains mainly associated with male homosexuality and so does violence on homophobic grounds. Therefore, lesbian 132 experiences tend to remain underrated. Both these tendencies lead to a concealment of homosexual experiences by women, thus camouflaging structural sexism under the veil of falsely perceived lesbophobia and blanking this topic out of the public consciousness.

Schlagwörter in Englisch

lesbians / Bulgaria / homophobia / lesbophobia / violence / invisibility

Dokumentenart: Hochschulschrift (Diplomarbeit)
AutorIn: Novachkova, Lora
Titel: Erfahrungen junger Lesben in Bulgarien
Untertitel: die individuell erlebte Homophobie in der Familie als Spiegelbild der gemeingesellschaftlichen Homophobie? ; eine Erstuntersuchung
Umfangsangabe: 133 S.
Institution: Universität Wien
Fakultät: Philologisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
Publikationsjahr: 2014
Sprache: ger ... Deutsch
BetreuerIn: Zuckerhut, Patricia
BeurteilerIn: Zuckerhut, Patricia
Klassifikation: 10 Geisteswissenschaften allgemein > 10.99 Geisteswissenschaften allgemein: Sonstiges
AC-Nummer: AC11736921
Dokumenten-ID: 32630
(Das PDF-Layout ist ident mit der Druckausgabe der Hochschulschrift.)

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