Universitätsbibliothek Wien

Integritatem sequamur

Cavagno, Maria (2013) Integritatem sequamur.
Dissertation, University of Vienna. Katholisch-Theologische Fakultät
BetreuerIn: Stubenrauch, Bertram
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URN: urn:nbn:at:at-ubw:1-30344.70984.410466-7

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Abstract in German

Die Arbeit erhebt und interpretiert das Menschenbild des Bischofs Ambrosius von Mailand († 397) in einem Schriftkorpus, in dem er sich in der Praxis (z. B. in Predigten) an geweihte Jungfrauen und Priester wendet. Der Befund der Arbeit versteht sich als eine Ergänzung und Synthese dessen, was über seine Anthropologie bereits erforscht wurde (der Begriff der „Natur“ und das Verhältnis von „Fleisch und Geist“). Ambrosius denkt den Menschen theozentrisch: Sein Wesen und Ziel bestehen in der Beziehung und immer tieferen Gemeinschaft mit Gott, die darin kulminiert, dass Gott im Menschen „ruht“. Das Konzept vom Menschen als „Braut Christi“ zeigt besonders, dass es sich dabei um eine interpersonale Vereinigung handelt. Dies sieht er in der geweihten Jungfrau seiner Zeit exemplarisch verwirklicht. Den Prozess dieser Vereinigung von Gott und Mensch denkt Ambrosius dual-sakramental: Die Seele (der Mensch, insofern er für Gott empfänglich ist) vereint sich mit Gott und der Leib mit der Seele, was eine Einigung innerhalb des Menschen sowie ein „Einwohnen“ Gottes in dem ihm „bräutlich“ verbundenen Menschen bewirkt: Gott wird im Menschen umso mehr wohnen, je mehr Seele und Leib in integritas (der Unversehrtheit des Urstandes) geeint sind. Das Gott-Seele-Verhältnis ist dabei mit dem innermenschlichen Seele-Leib-Verhältnis vergleichbar. Die beiden wesensverschiedenen „Pole“ stehen zueinander in einem hierarchischen Verhältnis von Urbild und Abbild, die in einer dynamischen Zusammengehörigkeit auf die Vereinigung hinzielen. Das Menschenbild wird unter den drei von ihm historisch-chronologisch gedachten Hinsichten Urstand – Sünde – Erlösung betrachtet. Im Urstand denkt Ambrosius das Verhältnis von Seele und Leib als eine friedliche Dualität: Die auf Gott gerichtete Seele leitet den Menschen, wobei der Leib „mitzieht“, was sich in den Tugenden konkretisiert, deren Kennzeichen es ist, dass die ratio den appetitus lenkt. Mit dem Sündenfall wird die Dualität zum Dualismus, der allerdings ethisch, nie ontologisch gedacht ist. Primär der Leib macht der Seele seine Lenkung schwierig und verursacht eine „Unruhe“ im Menschen und zwischen Mensch und Gott, die sich an allen Lastern zeigt. Die Erlösung in Jesus Christus durchbricht diesen Dualismus und stellt den Urzustand wieder her. Der Mensch befindet sich im Modus des kämpfenden Bemühens (certamen) auf dem Weg zurück in die Einheit mit Gott, wo Gott im Menschen ruht, ohne von gegenläufigen Tendenzen „vertrieben“ zu werden. Insofern sind die „Übungsfelder“ der Einigung von Seele und Leib der Glaube, die Ethik und die Askese: Im Glauben bindet sich die Seele an Gott, in Ethik und Askese bindet sich der Leib an die gottverbundene Seele. Das dritte Kapitel erhebt das Denken des Ambrosius über den Gott geweihten Stand, insofern dieses Leben als Ideal des Menschseins und als vollständigste Form der leibseelischen Einheit in Gott gedacht wird. Im vierten Kapitel wird das Verhältnis vom Mann und Frau in den moralisch-asketischen Schriften unter den Hinsichten Urstand, Sünde und Erlösung thematisiert. Das fünfte Kapitel versucht eine Anwendung eines Hauptaspektes des ambrosianischen Menschenbildes, des Konzeptes der „Braut Christi“, auf das Christsein jedes Getauften.

Schlagwörter in Deutsch

Ambrosius von Mailand / Menschenbild / Anthropologie

Abstract in English

This work outlines and interprets the concept of man of the bishop Ambrose of Milan († 397) according to practical scriptures directed to consecrated virgins and priests. It is meant to be an addition and synthesis to what already has been investigated about Ambrose’s anthropology (the concept of “nature” and the relation between “flesh and spirit”). Ambrose’s anthropology is theocentric. Human essence and destination are constituted in the growing relationship with God, which culminates in the “resting” of God within the human being. The concept of the human being as “bride of Christ” shows this relationship as an intimately personal one. Ambrose considers this human being as exemplarily realized in the consecrated virgins of his time. This process of unification takes place in a dual-sacramental way: The soul (man as being receptive for God) unifies with God and the body unifies with the soul. This operates unity within man (“resting” of the soul within the body) and the “resting” of God within the human being united to him in a “bridal” way. The more soul and body unite in original integrity, the more God will rest in the human being and vice versa. The God – soul – relation is comparable to the soul – body – relation. The two “poles”, different in essence, are hierarchically united in a relation of original image and effigy, which – in their dynamic togetherness – drive at unification. His concept of man is considered according the three states of original primitive state – state of sin – state of redemption, which Ambrose, according to his time, considered to be historical epochs. In the original state, as God made it, soul and body constituted a peaceful duality: The soul, being geared on God, is leading the body, which willingly without resistance lets himself guide there as well. This is concretized in the virtues, when ratio is governing the appetitus. Through the fall of man the duality becomes dualism, which however is meant ethically, never ontologically. It is mainly the body tending away from the soul and thus from God, effecting a division, a “restlessness” within man and between man and God, which is shown in all vices. The redemption in Jesus Christ breaks this dualism and restitutes the primitive state. The human being is now situated in the struggle (certamen) of finding the way back to the union with God, where God is resting within man without being “dispelled” by opposite tendencies. Therefore the unification process between God and the human being is performed through faith, ethics and asceticism: Through faith the soul unites with God, through ethics and ascetitism the body unites with this soul. The third chapter outlines Ambrose’s view of the consecrated religious life. He considers this to be the ideal human life, because it realizes the most entire unity of soul and body in God. The forth chapter is about the relationship of man and woman in the moral-ascetic scriptures according to the three states (original, sinful and redeemed state). The fifth chapter tries to apply one major aspect of Ambrose’s concept of man – the human being as „bride of Christ“ – to every Christian.

Schlagwörter in Englisch

Ambrose of Milan / concept of man / anthropology

Item Type: Hochschulschrift (Dissertation)
Author: Cavagno, Maria
Title: Integritatem sequamur
Umfangsangabe: 299 S.
Institution: University of Vienna
Faculty: Katholisch-Theologische Fakultät
Publication year: 2013
Language: ger ... Deutsch
Supervisor: Stubenrauch, Bertram
Assessor: Stubenrauch, Bertram
2. Assessor: Tück, Jan-Heiner
Classification: 11 Theologie, Religionswissenschaft > 11.51 Frühes Christentum
AC Number: AC12028589
Item ID: 31804
(Das PDF-Layout ist ident mit der Druckausgabe der Hochschulschrift.)

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