Universitätsbibliothek Wien

Am Rande des Grabs

Hausmair, Barbara (2013) Am Rande des Grabs.
Dissertation, Universität Wien. Historisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
BetreuerIn: Theune-Vogt, Claudia

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URN: urn:nbn:at:at-ubw:1-30091.98178.687461-7
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Abstract in Deutsch

Der Entstehungskontext archäologischer Befunde und der darin fassbaren Objekte spielt eine bedeutende Rolle für die Interpretation materieller Hinterlassenschaften. Gräber sind in erster Linie das Resultat eines sozial prekären Ereignisses in einer Gesellschaft – dem Tod eines ihrer Mitglieder. So stellt das Grab auch aus archäologischer Sicht eine primäre Quelle für die Auseinandersetzung mit dem Todesverständnis in vergangenen Gesellschaften dar. Die vorliegende Doktorarbeit befasst sich mit der Einstellung und den Vorstellungen der merowingerzeitlichen Bevölkerung zum Tod am Beispiel von drei Gräberfeldern auf dem Gebiet der frühmittelalterlichen Alamannia (Bad Mingolsheim, Horb-Altheim und Weingarten). Auf Basis theoretischer Überlegungen zur Anthropologie des menschlichen Todesverständnisses und der anschließenden Auswertung archäologischer und anthropologischer Daten durch statistische Verfahren wurden Aspekte der rituellen Praxis differenziert, die eher auf die Lebendgesellschaft oder auf ontologisch bedingte Konzepte von Folgewelten und Totenidentitäten bezogen werden können. Durch die Gegenüberstellung von humananthropologischen Indikatoren für alltägliche Tätigkeiten der untersuchten Gemeinschaften sowie paläopathologischen Daten mit der Darstellung der Toten im Grab wurde das Zusammenspiel von Todesumständen, Lebensidentitäten und Glaubensvorstellung bei der Grabgestaltung untersucht. Die Auswertung erfolgte durch Clusteranalysen von Grabinventaren (Inventardaten) und Befundkontexten (Ritualdaten), basierend auf dem Clusterverfahren der „Contextual Statistical Analysis“ nach C.N. Popa (2012). Anschließend wurden die Cluster auf ihre archäologischen Konstitutionsgrundlagen und Korrelation zu anthropologischen und pathologischen Daten durch deskriptive statistische Methoden untersucht. Die Ergebnisse der Arbeit indizieren ein komplexes Zusammenspiel v.a. zwischen horizontalen Sozialstrukturen in der Gemeinschaft der Lebenden und Todeskonzepten, die auf eine prospektiv konstruierte Folgewelt und eine neue Identität der Toten im Jenseits gerichtet waren.

Schlagwörter in Deutsch

Archäologie / Frühmittelalter / Merowingerzeit / Alamannia / Tod / Grab / Bestattungsritual / Todeskonzepte / Glaubensvorstellungen / Thanatologie

Abstract in Englisch

The original circumstances in which archaeological remains came into being are crucial for the interpretation of the material record. Burials are first and foremost a result of a very traumatic event in a society: the death of one of its members. It is due to this context that burials represent a primary source for understanding past societies' attitudes towards death. This thesis deals with death concepts and their influence on mortuary rituals in early medieval communities in the Alamannia using the cemeteries of Bad Mingolsheim, Horb-Altheim and Weingarten as case studies. Based on an anthropological perspective of death concepts the relationships of ideas about death, the afterlife and social identities and how they were expressed through burial practices were scrutinized. A key question concerned the connection between death circumstances and ontologies of afterlife beliefs and how they related to daily routines and ordinary practices of the communities in question. By using the “Contextual Statistical Analysis” clustering method proposed by C.N. Popa (2012), graves were clustered according to the composition of their inventories (inventory data) and aspects of burial architecture and spatial arrangement of graves (ritual data). Afterwards the clusters were compared through descriptive statistical methods with anthropological data including information about pathologies and cause of death. The results of the study suggest that mortuary practices of the analysed communities were mainly shaped through the interplay between horizontal structures in the living society and death conceptions directed towards a prospectively constructed after-life and the transformed identities of the dead.

Schlagwörter in Englisch

archaeology /early middle ages / merovingian period / Alamannia / death / burial / mortuary ritual / death concepts / belief systems / thanatology

Dokumentenart: Hochschulschrift (Dissertation)
AutorIn: Hausmair, Barbara
Titel: Am Rande des Grabs
Untertitel: Todeskonzepte und Bestattungsritual in der frühmittelalterlichen Alamannia
Umfangsangabe: 663 S.
Institution: Universität Wien
Fakultät: Historisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
Publikationsjahr: 2013
Sprache: ger ... Deutsch
BetreuerIn: Theune-Vogt, Claudia
BeurteilerIn: Theune-Vogt, Claudia
2. BeurteilerIn: Taylor, Timothy
Klassifikation: 10 Geisteswissenschaften allgemein > 10.03 Methoden und Techniken der geisteswissenschaftlichen Forschung
71 Soziologie > 71.19 Sozialstruktur: Sonstiges
11 Theologie, Religionswissenschaft > 11.23 Ritus, religiöse Gebräuche
15 Geschichte > 15.15 Archäologie
15 Geschichte > 15.19 Vor- und Frühgeschichte
15 Geschichte > 15.18 Mittelalterliche Archäologie, neuzeitliche Archäologie
AC-Nummer: AC11732193
Dokumenten-ID: 29912
(Das PDF-Layout ist ident mit der Druckausgabe der Hochschulschrift.)

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