Universitätsbibliothek Wien

Ununterbrochene Evidenz

Gruber, Stephan (2013) Ununterbrochene Evidenz.
Dissertation, Universität Wien. Historisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
BetreuerIn: Griesebner, Andrea
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URN: urn:nbn:at:at-ubw:1-29445.17112.583661-2
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Abstract in Deutsch

Personenbezogene Daten zu sammeln, zu ordnen und verfügbar zu machen – sie „in Evidenz zu halten“ –, gehört zu den Wesensmerkmalen moderner Staaten und ihrer Bürokratien; dies ist eine zentrale Bedingung für die Identifizierung von Personen. Ich untersuche dieses Streben nach „ununterbrochener Evidenz“ – so ein wichtiger Begriff der Quellen aus dem späten 18. und frühen 19. Jahrhundert – in meiner Dissertation im Kontext der Polizeibehörden der Habsburgermonarchie. Diese erlangten gegen Ende des 18. Jahrhunderts das Gewaltmonopol in allen Hauptstädten der Monarchie; 1782 wurde in Wien die k.k. Polizei-Oberdirektion gegründet. Die k.k. Polizei konnte im Lauf des 19. Jahrhunderts ihre Machtbefugnisse und damit ihre Datensammlungen, ihre Techniken der Evidenzhaltung, kontinuierlich ausbauen: Die Behörden strebten damit ein immer dichteres Kontrollnetzwerk an, mit dem utopischen Ziel, letztlich jede Person ständig identifizier- und lokalisierbar zu machen, also „ununterbrochene Evidenz“ über alle individuellen Identitäten zu erhalten. Nach einem Überblick über den Forschungsstand zur Geschichte der Personenidentifizierung und einem Abriss über die Struktur der k.k. Polizeibehörden untersuche ich diese Bemühungen in drei Teilen: Im ersten Teil geht es um fix(iert)e Identitäten und die Kontrolle des Raumes, also um Versuche der k.k. Polizei, Individuen mit Hilfe des Meldewesens und der angestrebten Evidenzhaltung einzelner sozial und ethnisch definierter Gruppen zu lokalisieren. Der zweite Teil befasst sich mit mobilen Identitäten und der Kontrolle von Bewegungen, also mit der Überwachung von Reisenden und Fremden durch das Passsystem und verschiedene Arten von Identitätspapieren. Im dritten Teil stehen flüchtige Identitäten und (un)kontrollierbare Gefahren im Mittelpunkt: Hier untersuche ich das Fahndungswesen bis zu den Revolutionen von 1848/49 und befasse mich danach mit einem neuen polizeilichen Kommunikationsmedium, den Polizeiblättern. Die Visionen der k.k. Polizeibehörden, „ununterbrochene Evidenz“ über individuelle Identitäten zu erhalten, lassen sich sowohl in eine lange Geschichte der staatlichen Bemühungen um die Lesbarmachung von Individuen und Gesellschaften einordnen als auch in eine Tradition der untrennbar daran geknüpften Störfälle.

Schlagwörter in Deutsch

Identifizierung / Polizei / Datensammlung / Habsburgermonarchie / Evidenzhaltung / Kontrolle / Meldewesen / Passwesen / Fahndung

Abstract in Englisch

The urge to collect, sort and provide all kinds of personal data is an intrinsic feature of modern states and their bureaucracies. This goal of keeping records up-to-date is also a fundamental prerequisite for the identification of persons. In my dissertation, I explore this pursuit of “continuous evidence” (“ununterbrochene Evidenz”) – a crucial concept within the sources from the late 18th and early 19th century – in the context of the police authorities of the Habsburg Empire. These authorities gained the monopoly of the legitimate use of physical force during the end of the 18th century in all of the capitals of the empire; the first headquarters, the so-called k.k. Polizei-Oberdirektion, were founded in Vienna in 1782. The k.k. police were able to evolve their power and thereby their data collections, their techniques of keeping records, during the 19th century: Through this process, the k.k. police strived to tighten their networks of control, with a utopian ambition to ultimately and permanently render every single person identifiable and locatable, hence to achieve “continuous evidence” over all kinds of individual identities. Starting with an introduction to the current state of research on personal identification and to the framework of the k.k. police authorities, I investigate these endeavors in three parts: The first part deals with fixated identities and controlled space. Here I explore various efforts of the police to localize individuals by means of resident registration and by indexing certain groups that were defined socially or ethnically. In the second part, I examine mobile identities and controlled movements through the surveillance of travelers and legal aliens by means of the passport system and various kinds of identity papers. The third part investigates elusive identities and (un)controllable threats, first in the context of tracing criminals until the revolutions of 1848/49, and afterwards in relation to new forms of communication media, the police gazettes. In the end, the visions that the k.k. police authorities pursued in order to gain “continuous evidence” over individual identities can be ranked within the long history of state efforts to render both individuals and societies legible, but at the same time within a tradition of disturbances that is intrinsically tied to these efforts.

Schlagwörter in Englisch

identification / police / data gathering / Habsburg monarchy / evidence / control / residence registration / passports / manhunt

Dokumentenart: Hochschulschrift (Dissertation)
AutorIn: Gruber, Stephan
Titel: Ununterbrochene Evidenz
Untertitel: K.K. Polizeibehörden und die Dokumentation von Identitäten ; 1782 - 1867
Umfangsangabe: VII, 340 S.
Institution: Universität Wien
Fakultät: Historisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
Publikationsjahr: 2013
Sprache: ger ... Deutsch
BetreuerIn: Griesebner, Andrea
BeurteilerIn: Griesebner, Andrea
2. BeurteilerIn: Becker, Peter
Klassifikation: 15 Geschichte > 15.07 Kulturgeschichte
15 Geschichte > 15.35 Europäische Geschichte 1789-1815
15 Geschichte > 15.36 Europäische Geschichte 1815-1914
15 Geschichte > 15.60 Schweiz, Österreich-Ungarn, Österreich
AC-Nummer: AC10905047
Dokumenten-ID: 28982
(Das PDF-Layout ist ident mit der Druckausgabe der Hochschulschrift.)

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