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Tötung eines jugendlichen Supermarkteinbrechers - der Fall Krems-Merkur

Jungwirth, Simone (2013) Tötung eines jugendlichen Supermarkteinbrechers - der Fall Krems-Merkur.
Dissertation, University of Vienna. Fakultät für Sozialwissenschaften
BetreuerIn: Hörl, Josef

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DOI: 10.25365/thesis.28837
URN: urn:nbn:at:at-ubw:1-29243.01134.190163-3

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Abstract in German

In der Nacht auf 5. August 2009 wird in Krems an der Donau, in einer Filiale der Supermarktkette Merkurmarkt, ein jugendlicher Einbrecher von einem Polizisten durch einen Schuss aus dessen Dienstwaffe tödlich verwundet. Ein Vorfall, der eine hitzige öffentliche Debatte über Hintergründe, Abläufe und Konsequenzen des jugendlichen und polizeilichen Handelns nach sich zieht, und unter anderem die Frage aufwirft: Was ist richtiges bzw. falsches polizeiliches Handeln? Und wie gestalten sich öffentliche Reaktionen auf (spezielles) polizeiliches Handeln? Die vorliegende Arbeit - eine breit angelegte, qualitative Fallstudie, die in Triangulation qualitativer und quantitativer Methoden zu ihren Ergebnissen kommt – geht diesen und weiteren Fragen auf den Grund und stellt fest, dass es die eine öffentliche Reaktion auf den Fall Krems-Merkur nicht gibt und wohl auch auf andere Fälle polizeilichen Handelns nicht geben wird. Dies hängt damit zusammen, dass sich „die“ Öffentlichkeit aus unterschiedlichen Bereichen zusammensetzt, die in ihren Erwartungen an und Meinungen über die Polizei unterschiedlich sind. Im eigenen Fall wird hier vor allem zwischen Medien und Bevölkerung unterschieden und beobachtet, dass der Bürger eine positivere Meinung zum Fall Krems-Merkur - als auch dem österreichischen Polizeiapparat als Ganzes - zu haben scheint, als die Medien. Eine These, die aber nicht für jeden Bürger und jedes Medium pauschalisiert werden kann. Auch wenn beispielsweise der Großteil der, in der eigenen Befragung zu Wort kommenden, Bürger das polizeiliche Handeln im Fall Krems-Merkur nicht negativ einschätzt, sind natürlich nicht alle derselben (positiven) Meinung. Für die Antwort auf die Frage nach der Gestalt von öffentlichen Reaktionen auf polizeiliches Handeln bedeutet das dann, dass nicht nur zwischen unterschiedlichen „Erwartungsträgergruppen“ zu unterscheiden ist, sondern auch, dass diese Gruppen in sich nicht als homogen anzunehmen sind. Und daraus folgt wiederum, dass auch die Frage nach der Richtigkeit oder Falschheit von polizeilichem Handeln nicht eindeutig beantwortet werden kann. Ob polizeiliches Handeln richtig oder falsch ist, bestimmen Gesetze und andere institutionelle Instrumente, bestimmt die Organisation, bestimmt die Öffentlichkeit, unter anderem in Parametern der Ethik und Moral… Ist es nicht möglich zu bestimmen, was richtiges polizeiliches Handeln aus öffentlicher Perspektive ist, kann es auch nicht – und unter Einbezug weiterer Erwartungsträger noch weniger – möglich sein, richtiges respektive falsches polizeiliches Handeln allgemeingültig zu bestimmen. So wie es die öffentliche Reaktion nicht gibt, gibt es auch das richtige polizeiliche Handeln nicht – seine Definition wird immer von Situation und seinen Erwartungsträgern abhängig sein. Erwartungsträger, deren Anforderungen sich in bestimmten Bereichen jedoch überschneiden dürften, was die Beschäftigung mit einem sogenannten „Kernbereich angemessenen polizeilichen Handelns“ besonders sinnvoll machen würde. Warum „angemessen“ und nicht „richtig“? Weil eine weitere Erkenntnis der Arbeit ist, dass es richtiges und in Folge auch falsches polizeiliches Handeln nicht gibt! Ein Polizist handelt, in dem er die mentale Repräsentation eines Problems zu lösen versucht – diese Repräsentation ist dabei ein Abbild der Realität, nicht aber die Realität selbst, woraufhin das Lösen dieses Problemabbilds mehr oder weniger gelingen bzw. angemessen, nie aber richtig oder falsch sein kann.

Schlagwörter in Deutsch

Polizei / polizeiliches Handeln / Öffentlichkeit / öffentliche Reaktionen

Abstract in English

On the night of the 5th August 2009 a juvenile burglar at a branch of the Merkur supermarket chain in Krems was fatally wounded by a policeman with a shot from his service revolver. It is an incident that stirs up a heated public debate in its wake about the background, process and consequences of both adolescent and police behaviour and amongst other issues raises the question: What is right or wrong police behaviour and how is the public response to (special) police action structured? The work presented, a broad based qualitative study, which draws its conclusions by triangulation of qualitative and quantitative methods, examines this and other questions in depth and establishes that one single public response is not present in the Krems-Merkur case and will probably not be present in other cases of police action. This is due to "the" public being made up of different groups, which vary in their expectations of and opinions about the police. In the case in question, a distinction is made between the media and the general public whereby it was observed that members of the public appear to have a more positive opinion than the media about the Krems-Merkur case, as well as about the Austrian police force as a whole; an hypothesis, however, that cannot be generalised for every citizen and for all media. For example, even when the majority of citizens, who had the opportunity to voice their opinion in the questionnaire, did not express negative opinions about police action in the Krems-Merkur case, naturally all of them did not have the same (positive) point of view. In answering the question of the structure of the public response to police action it is not just necessary to distinguish between different "expectation groups", it also cannot be assumed that these groups are homogeneous. Following on further from this, the question of whether police action is right or wrong cannot be answered with certainty. The right or wrong of police action is determined under moral and ethical parameters etc. by the law and other institutional instruments, by organisations and by the general public. If it is not possible to determine from the public perspective what is proper police action, equally it cannot be possible to determine universally valid, right or respectively wrong police behaviour; and even less so with the wider involvement of further interested parties. Just as there is no one public reaction, there is also no one right police action. Its definition will always be dependent on the situation and the expectations of the interested parties. The needs of these interested parties are likely to overlap in certain areas, which however would make the pursuit of a so-called "core of reasonable police actions" particularly useful. Why it should be "reasonable" and not "right" is due to a further finding of the study i.e. that there is no correct and as resulted also no wrong police action. A police officer acts by attempting to solve the mental representation of a problem. This representation is not reality itself but a reflection of reality based on which resolution of the representational problem either more or less succeeds or is reasonable, but can never (in reality) be right or wrong.

Schlagwörter in Englisch

police / police behaviour / public / public response

Item Type: Hochschulschrift (Dissertation)
Author: Jungwirth, Simone
Title: Tötung eines jugendlichen Supermarkteinbrechers - der Fall Krems-Merkur
Subtitle: öffentliche Reaktionen auf polizeiliches Handeln mit Symbolcharakter ; eine Fallstudie
Umfangsangabe: 496 S. : Ill., graph. Darst.
Institution: University of Vienna
Faculty: Fakultät für Sozialwissenschaften
Publication year: 2013
Language: ger ... Deutsch
Supervisor: Hörl, Josef
Assessor: Hörl, Josef
2. Assessor: Girtler, Roland
Classification: 71 Soziologie > 71.04 Ausbildung, Beruf, Organisationen
71 Soziologie > 71.64 Abweichendes Verhalten
88 Verwaltungslehre > 88.17 Ordnungskräfte
88 Verwaltungslehre > 88.30 Öffentlicher Dienst
AC Number: AC10859878
Item ID: 28837
(Das PDF-Layout ist ident mit der Druckausgabe der Hochschulschrift.)

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