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Auf den Spuren des revolutionären Theaters von Augusto Boal zur autopoietischen Theaterarbeit ins 21. Jahrhundert

Fritz, Birgit (2013) Auf den Spuren des revolutionären Theaters von Augusto Boal zur autopoietischen Theaterarbeit ins 21. Jahrhundert.
Dissertation, University of Vienna. Philologisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
BetreuerIn: Marschall Brigitte

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DOI: 10.25365/thesis.28450
URN: urn:nbn:at:at-ubw:1-30355.54094.247553-4

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Abstract in German

Thema dieser Arbeit ist die Erforschung der Zusammenhänge zwischen der Intention des Theaters der Unterdrückten und einer Ästhetik der Wahrnehmung unter besonderer Berücksichtigung der sich verändernden Weltbilder und Produktionsbedingungen seit den 1960er und 1970er Jahren. Ausgehend von den revolutionären Theaterbewegungen Lateinamerikas, deren Ziel, mit Paulo Freire, ein politischer Bewusstwerdungsprozess zur Mobilisierung der Volksmas-sen zur Demokratisierung der Länder war, ist seit der Grundsatzerklärung des Theaters der Unterdrückten, 2003, das deklarierte Ziel des TdU, die Humanisierung der Mensch-heit an sich. Im internationalen Netzwerk (ITO) sind mittlerweile Practitioners, Grup-pen und Bewegungen von allen Kontinenten in Kontakt. Die Hauptthese der Arbeit ist, dass das Theater Augusto Boals, auch jenseits seines ur-sprünglichen Kontexts, im 21. Jahrhundert zur nachhaltigen Entwicklung von heilenden und lernenden Gesellschaften beitragen kann. Die Untersuchung gliedert sich in drei Phasen. Im ersten Abschnitt widmet sich die Ar-beit der Ausarbeitung der freireanischen Grundlagen und Wurzeln des TdU, als auch dem Kontext des revolutionären Theaterdiskurses und den lateinamerikanischen Erfah-rungen Augusto Boals, die sowohl die Arbeit der brasilianischen Volkskulturzentren, die Arbeit mit dem Arena Theater als auch die Beteiligung am peruanischen Alphabetisie-rungsprojekt ALFIN umfasst. Kernaussage ist eine freireanische Deutung der 2003 publizierten Grundsatzerklärung des TdU. Im zweiten Abschnitt wird in einer Art geomorphologischem Vergleich und ‚Rekonstruktionsversuch‘ des TdU mit der partizipatorischen Aktionsforschung Orlando Fals Bordas und dem kollektiven Schaffensprozess der Creación Colectiva, ausgehend der Arbeit Enrique Buenaventuras, die Verbindung zu emanzipatorischer Kunst und Wissenschaft in Kolumbien hergestellt. Ziel dieses Vergleichs ist es, essentielle kontextuale Eigenschaften des Theaters der Un-terdrückten, die u. U. während seines Transfers nach Europa ‚wegfielen‘, wieder in den Wahrnehmungsvordergrund zu integrieren, um ein umfassenderes Bild der Gesamtge-stalt des TdU darstellen zu können, und so erweiterte Anknüpfungsmöglichkeiten für im 21. Jahrhundert relevante Überlegungen bieten zu können. Der dritte Teil kontextualisiert das Theater Augusto Boals in einer Ästhetik der Wahr-nehmung und der Frieden. Auf somatischer Ebene bedient sie sich hierbei der Wahr-nehmungsschule von Moshé Feldenkrais, dessen Methoden von Boal selbst in seine Ar-beit integriert wurden. Die Untersuchung ergibt als Hauptanliegen emanzipatorischer Forschung, Wissenschaft und Kunst, die Wiederherstellung und Aneignung der Geschichte sowohl auf persönlich-biographischer als auch auf politisch-gemeinschaftlicher Ebene. Das als ‚autopoietisch‘ verstandene Theater Boals wird hier zum Raum der Selbstschöpfung, Wahrnehmungs-schulung und Kommunikation, als auch zum sensiblen künstlerischen Weg, im Prozess für dynamischen, sich als transrational verstehenden, Frieden.

Schlagwörter in Deutsch

Augusto Boal / lateinamerikanisches Volkstheater / autopoietisches Theater / somatisches Lernen / Theater für dynamischen Frieden

Abstract in English

The theme of this paper is the investigation of relationships between the goals of the Theatre of the Oppressed and the Aesthetics of Perception, taking into consideration changing worldviews and conditions of production since the 1960ies and 1970ies. Whereas the revolutionary Latin American theatre movements, under the influence of Paulo Freire aimed to mobilize the masses towards democratisation, the Theatre of the Oppressed’s declared goal has been the humanisation of mankind, as published in the Declaration of Principles in 2003. The International Theatre of the Oppressed network (ITO) now comprises practitioners, groups and movements on all continents. This paper’s main theses is that, beyond its original context, the theatre of Augusto Boal has the potential to contribute to the sustainable development of societies as healing and learning entities in the 21st century. The investigation is divided into three parts. The first part consists of an analysis of Freirean roots and fundaments in TO, as well as the context of revolutionary theatre dis-course and Boal’s experiences in Latin America (the Freirean people’s cultural centres in Brazil, the period of the Arena Theatre and Boal’s participation in the Peruvian ALFIN alphabetisation project). Its essence is a Freirean interpretation of the Declaration of Principles of TO published in 2003. The second part attempts a type of geomorphological comparison and recon-struction of TO by analysing the Participatory Action Research of Orlando Fals Borda and the process of Collective Creation based on the work of Enrique Buenaventura. By means of this analysis the practice of TO is linked to emancipatory art and sciences in Colombia. The underlying goal of this comparison is to reintegrate essential context-based charac-teristics of TO, that might have been neglected or lost during its transfer into the Euro-pean context, in order to create an extended range of potential connections to challenges of the 21st century. The third part of the paper contextualises the Theatre of Augusto Boal in terms of an Aesthetics of Perception and an orientation towards Peace. On the physical, somatic lev-el it draws on the methodology of Moshé Feldenkrais’ school of perception, which was also referred to and used by Augusto Boal. This investigation concludes that the main endeavour of emancipatory research, scienc-es and arts lies in the attempt to reconstruct and to repossess history on a personal, bi-ography-based level as well as on a political community-based level. The Theatre of Au-gusto Boal, when understood as ‘autopoietic’, turns into a space for creation of the self (autopoiesis), a school of perception and communication, as well as into a sensitive, ar-tistic path through the process towards the many forms of dynamic, trans-rational peace.

Schlagwörter in Englisch

Augusto Boal / latinamerican people's theatre / autopoietic theatre / somatic learning / theatre for dynamic peace

Item Type: Hochschulschrift (Dissertation)
Author: Fritz, Birgit
Title: Auf den Spuren des revolutionären Theaters von Augusto Boal zur autopoietischen Theaterarbeit ins 21. Jahrhundert
Umfangsangabe: 427 S. : Ill.
Institution: University of Vienna
Faculty: Philologisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
Publication year: 2013
Language: ger ... Deutsch
Supervisor: Marschall Brigitte
Assessor: Marschall, Brigitte
2. Assessor: Yarrow, Ralph
Classification: 24 Theater, Film, Musik > 24.13 Theatergattungen, Theatersparten
24 Theater, Film, Musik > 24.08 Theatersoziologie, Theaterpsychologie
24 Theater, Film, Musik > 24.03 Theorie und Ästhetik des Theaters
AC Number: AC11010229
Item ID: 28450
(Das PDF-Layout ist ident mit der Druckausgabe der Hochschulschrift.)

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