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Psychometrische Überprüfung der deutschen Fassung des "Carers' Needs Assessment Measure (CaNAM)"

Hinteregger, Michaela Magdalena (2008) Psychometrische Überprüfung der deutschen Fassung des "Carers' Needs Assessment Measure (CaNAM)".
Diplomarbeit, University of Vienna. Fakultät für Psychologie
BetreuerIn: Waldherr, Karin

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DOI: 10.25365/thesis.2551
URN: urn:nbn:at:at-ubw:1-29801.69253.808965-1

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Abstract in German

Hauptziel der vorliegenden Diplomarbeit war es, eine psychometrische Überprüfung der deutschen Version des Fragebogens „Carers’ Needs Assessment Measure“ (CaNAM) anzustellen. Das zweite Anliegen bestand darin, die aktuelle psychische Belastung und die Bedürfnisse nach Unterstützung der Angehörigen von Menschen mit Essstörungen (genauer an Anorexia nervosa bzw. Bulimia nervosa Erkrankten) zu erfassen. Die Ausgangslage der Untersuchung war, dass die Angehörigen von EssstörungspatientInnen – im Gegensatz zu Angehörigen von PatientInnen mit anderen psychischen Erkrankungen - bislang kaum Thema wissenschaftlicher Forschung waren. Erst 2003 wurde von Haigh und Treasure der erste störungsspezifische Bedürfnisfragebogen für Angehörige anorektischer PatientInnen (nämlich der CaNAM) in Großbritannien entwickelt und eingesetzt. In Deutschland legten Graap et al. (2005) ihre deutsche Übersetzung des Fragebogens erstmals in einer Studie vor, wo sie die Belastungen und Bedürfnisse der Angehörigen von Familienmitgliedern mit Anorexia bzw. Bulimia nervosa erfassten. Die englische wie die deutsche Untersuchung kamen übereinstimmend zum Ergebnis, dass die Angehörigen in hohem Maße ungedeckte Bedürfnisse in verschiedenen Bereichen aufweisen – besonders hinsichtlich Informationen über Essstörungen, Unterstützung durch andere Menschen und Organisationen und emotionale und praktische Unterstützung im Umgang mit der Krankheit. Mit der Diplomarbeit sollte – neben den genannten Zielen - ein kleiner Beitrag zur Darlegung der Situation der Angehörigen Essgestörter in Österreich geleistet werden. 38 Angehörige beantworteten über Vermittlung von stationären und ambulanten Spitalseinrichtungen, Beratungsstellen und Selbsthilfegruppen für PatientInnen und Angehörige in verschiedenen Bundesländern Österreichs folgendes „Erhebungspaket“ in Papier/Bleistift-Form: Carers’ Needs Assessment Measure (CaNAM) in deutscher Fassung zur Erfassung der Unterstützungsbedürfnisse der Angehörigen, Fragebogen zur persönlichen Belastung (FPB) zur Erfassung des subjektiven Belastungsgrads, General Health Questionnaire (GHQ-12) zur Erfassung von Hinweisen auf aktuelle psychische Erkrankungen sowie ein Datenblatt (persönliche Angaben zu Angehörigen sowie Erkrankten inkl. individuelle Details der Erkrankung). Die Auswertung erfolgte über die Ermittlung von Kennwerten der klassischen Testtheorie (Reliabilität, Itemanalyse, Objektivität) zur Beantwortung des ersten Anliegens der Diplomarbeit. Weiters wurden neun Fragen (Hypothesen) im Zusammenhang mit den Bedürfnissen und Belastungen der Angehörigen formuliert und geprüft, um dem zweiten Anliegen nachzukommen. Zusätzlich wurden die soziodemographischen Daten der Angehörigen und der erkrankten Familienmitglieder ausführlich dargestellt. Zur statistischen Datenanalyse wurde das Softwarepaket SPSS (Version 15) verwendet. Die 38 befragten Angehörigen waren im Durchschnitt 47,3 Jahre alt (SD=8,7). Der jüngste Befragte war 17, der älteste 64 Jahre alt. An der Untersuchung nahmen 24 Frauen (63,2%) und 14 Männer (36,8%) teil. Es handelte sich um 23 Mütter, 9 Väter, 1 Schwester, 1 Gatte und 4 Partner. Die 28 erkrankten Angehörigen waren durchschnittlich 21,7 Jahre (SD=6,7) alt, wobei das jüngste Familienmitglied mit 13,5 Jahren angegeben wurde, das älteste mit 41,0 Jahren. Sämtliche erkrankten Familienmitglieder waren weiblich. 13 Personen zeigten laut Befragtenangaben die Erkrankung Anorexia nervosa. 10 Personen litten unter Bulimia nervosa. 2 Personen hatten beide obigen Erkrankungsformen, bei 2 Personen wurden von Angehörigen ein und derselben Familie uneinheitliche Angaben gemacht. (1 Mal wurde keine Erkrankung angegeben.) Der Fragebogen „Carers’ Needs Assessment Measure“ zeigte in dieser Untersuchung eine ausreichende bis sehr gute Reliabilität (mit einem je nach Skala unterschiedlichem Cronbach Alpha zwischen 0,7 und 0,9). Die Itemtrennschärfe lag bei einem Großteil der Items in einem guten bis sehr guten Bereich. Die weiters untersuchte Itemattraktivität ergab ebenfalls ein insgesamt unauffälliges Bild. Schließlich erbrachte die Betrachtung der Objektivität für Durchführungs- und Auswertungsobjektivität ein besseres Ergebnis als für die Interpretationsobjektivität. Zu Schwierigkeiten bei der Auswertung führte die problematische Skalierung des CaNAM (bei den 3 Antwortmöglichkeiten wurden die 2 unterschiedliche Antwortaspekte oder –paare „gedecktes – ungedecktes Bedürfnis“ und „vorhandenes – nicht vorhandenes Bedürfnis“ vermischt). Es wurde dichotom ausgewertet. Die 3-kategorielle Skala wurde bei der Auswertung lediglich beibehalten für die Prüfung der Itemattraktivität sowie Hypothese 1 von insgesamt 9 (um größtmögliche Vergleichbarkeit der Ergebnisse mit früheren Studien zu erreichen). Die Validität wurde daher nicht ermittelt (Faktorenanalyse bei einer fragwürdigen 3-kategoriellen Skala wurde als nicht sinnvoll erachtet). Insofern blieb die psychometrische Überprüfung des Fragebogens unvollständig. Die Ergebnisse der Arbeit zeigen auf, dass Angehörige von Personen, die an Anorexia nervosa und Bulimia nervosa leiden, aufgrund ebendieser Erkrankungen auf bestimmten Gebieten belastet sind und verschiedener Unterstützung bedürfen. Die meisten Unterstützungsbedürfnisse wurden von den Angehörigen genannt im Bereich Umgang mit ihren Emotionen (z.B. wie sie mit den Gefühlen umgehen, die Essen bei ihrem Angehörigen erzeugt) (78,9%), im Bereich „Was tun, wenn Sie das Gefühl haben, Ihrem Angehörigen geht es schlechter?“ (91,9%) sowie im Bereich „Was tun, wenn Ihr Angehöriger sich weigert zu essen?“ (80,6%). Viele Angehörige gaben bereits gedeckte Bedürfnisse an für die Aspekte: ausreichende Unterstützung erhalten von Partner/engem Freund? (70,3%), ausreichende Unterstützung erhalten von engstem Familienkreis? (60,5%) sowie ausreichende Unterstützung erhalten von Freunden? (47,4%). Diese Ergebnisse decken sich mit der deutschen Vorgängerstudie von Graap et al. (2005). Die Belastung (ermittelt mit dem Fragebogen zur persönlichen Belastung, FPB) der untersuchten der Angehörigenstichprobe liegt im Bereich eines „hohen Belastungsempfinden“. Die höchsten Belastungen sahen die Angehörigen in ihrem Eindruck, sie hätten wegen der erkrankten Person nicht genug Zeit für sich selbst; ihrem Gefühl zwischen der Verantwortung der Kranken gegenüber und den Verpflichtungen für Familie und Arbeit hin und her gerissen zu sein; in der Furcht davor, was die Zukunft der Kranken bringen wird sowie dem Gefühl, die erkrankte Person sei abhängig von ihnen. Die Ergebnisse des Fragebogens zum gesundheitlichen Befinden (GHQ-12) sprechen dafür, dass 27 Angehörige (von 38) oder rd. 71% (!) Hinweise auf eine psychische Erkrankung zeigen. In den folgenden drei Bereichen zeigte sich insbesonders eine höhere Belastung: Haben Sie das Gefühl gehabt, dauernd unter Druck zu stehen? (65,8% der Befragten zeigten hier eine erhöhte Zustimmung). Alles in allem, haben Sie sich in den letzten Wochen einigermaßen zufrieden gefühlt? (65,8%). Haben Sie sich in den letzten Wo. unglücklich u. deprimiert gefühlt? (65,8%). In der Frage nach einem möglichen Zusammenhang zwischen Unterstützungsbedürfnissen und Belastungen bzw. psychischem Gesundheitszustand konnte an einer Stelle Signifikanz festgestellt werden: der Anteil ungedeckter Bedürfnisse nach „Unterstützung für sich selbst“ (Bereich 3 des CaNAM) korrelierte signifikant mit dem GHQ-12 Gesamtscore. In der Frage, ob die Angehörigen anorektischer und bulimischer PatientInnen Unterschiede zeigen in ihren Ergebnissen im CaNAM, im FPB und im GHQ-12 zeigte sich kein signifikanter Unterschied. In keiner der folgenden Zusammenhangsfragen trat Signifikanz auf: - Bedürfnisausprägung beim Angehörigen und Erkrankungsdauer des Familienmitglieds - Bedürfnisgrad der Angehörigen und emotionales Verhältnis Angehörige-Erkrankte - Bedürfnisgrad der Angehörigen und persönliche Kontaktrate Angehörige-Erkrankte - Bedürfnisgrad der Angehörigen und Alter der Erkrankten - Bedürfnisgrad und Geschlecht der Angehörigen Sicherlich liegt eine Begründung dafür, dass die Hypothesenprüfung kaum signifikante Ergebnisse brachte, in der geringen Stichprobengröße. In der psychometrischen Überprüfung (die wie beschrieben hier allerdings nur eingeschränkt möglich gewesen ist) erwies sich der Carers’ Needs Assessment Measure durchaus als Fragebogen von Güte. Als hervorstechender Kritikpunkt bleibt die fragwürdige 3-kategorielle Skalierung an anderer Stelle zu untersuchen (dazu wird eine umfangreichere Stichprobe benötigt). Die Angehörigen wünschen sich laut dieser Studie vor allem ein Mehr an bestimmten Informationen (z.B. über Selbsthilfegruppen, Erfolgsberichte von Genesungen), Unterstützungen und Beratung „von außen“ (z.B. von Selbsthilfegruppen, Regionalverbänden für Essstörungen, Krisendiensttelefon), persönliche Hilfestellungen für sich selbst (z.B. für den Umgang mit den eigenen Emotionen) sowie auch ganz praktische Anleitungen oder Tipps für den gemeinsamen Alltag in der Familie (z.B. bei Essensverweigerung zu den Mahlzeiten). Es ist erwiesen, dass Angehörige eine tragende Versorgungsinstanz im Gesundheitssystem darstellen und als besondere Stütze des Erkrankten zur Krankheitsbewältigung bzw. Genesung beitragen (können). Angehörigenarbeit muss natürlich nicht erst erfunden werden. Ein wesentliches Kriterium ist jedoch die Treffsicherheit im Inhalt der Angebote (Was brauchen und wünschen sich die betroffenen Angehörigen tatsächlich?). Einen kleinen Beitrag zur Beleuchtung dieser Frage konnte die vorliegende Arbeit leisten.

Schlagwörter in Deutsch

Bedürfnisfragebogen / Bedürfnis / Angehörige / Essstörung / Anorexia / Bulimia / nervosa / Magersucht / Ess-Brechsucht / Psychometrie / Fragebogen / persönliche / Belastung / FPB / Fragebogen / Gesundheit / Befinden

Schlagwörter in Englisch

carers' / needs / assessment / measure / canam / general / health / questionnaire / GHQ-12 / zarit / burden / interview / inventory

Item Type: Hochschulschrift (Diplomarbeit)
Author: Hinteregger, Michaela Magdalena
Title: Psychometrische Überprüfung der deutschen Fassung des "Carers' Needs Assessment Measure (CaNAM)"
Umfangsangabe: 173 S. : graph. Darst.
Institution: University of Vienna
Faculty: Fakultät für Psychologie
Publication year: 2008
Language: ger ... Deutsch
Supervisor: Waldherr, Karin
Assessor: Waldherr, Karin
Classification: 77 Psychologie > 77.03 Methoden und Techniken der Psychologie
77 Psychologie > 77.70 Klinische Psychologie
AC Number: AC07137361
Item ID: 2551
(Das PDF-Layout ist ident mit der Druckausgabe der Hochschulschrift.)

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