Universitätsbibliothek Wien

Für-sorgen als Handlungspraxis von Angehörigen bei der Betreuung ihrer Eltern und Schwiegereltern

Pflegerl, Johannes (2012) Für-sorgen als Handlungspraxis von Angehörigen bei der Betreuung ihrer Eltern und Schwiegereltern.
Dissertation, University of Vienna. Fakultät für Sozialwissenschaften
BetreuerIn: Hörl, Josef
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URN: urn:nbn:at:at-ubw:1-29314.96088.413564-9
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Abstract in German

Vor dem Hintergrund des demografischen Altersstrukturwandels wird auch von einer massiven Veränderung der Bereitschaft von erwachsenen Kindern, intergenerationelle Pflege- und Betreuungsleistungen für ihre (Schwieger-)Eltern zu erbringen, ausgegangen. In der vorliegenden Arbeit wird die Frage näher untersucht, wie familiäre Angehörige der Nachfolgegeneration im ländlich-kleinstädtischen Kontext, die sich nicht oder nicht mehr imstande sehen, Pflege und Betreuung für ihre älteren Angehörigen vorwiegend selbst zu übernehmen, mit dieser Situation umgehen, wenn auch keine anderen familiären Angehörigen vorhanden oder dazu bereit sind. Zur Bearbeitung der Fragestellung wurde ein qualitativer Forschungsansatz gewählt. Dazu wurden mit Hilfe der Auswahlmethode des Theoretical Samplings 10 Fälle erhoben, in denen jeweils die/der sich hauptverantwortlich für die Frage der Betreuung zuständig sehende (Schwieger-)Tochter oder der (Schwieger-)Sohn mit Hilfe von offenen narrativen Interviews befragt wurden. Die Auswertung erfolgte mit Hilfe eines themenorientierten Codierverfahrens zur Erstellung von vergleichenden Betreuungsverlaufsanalysen sowie durch die an der Methodologie der Objektiven Hermeneutik orientierte Methode der Feinstrukturanalyse. Die Analysen haben ergeben, dass auch jene Angehörige, die große Teile der erforderlichen Pflegetätigkeiten delegieren, sich nicht aus der Betreuung ihrer (Schwieger-)Eltern zurückziehen. Sie engagieren sich in einem vergleichbaren Maß in der Betreuung, wenn auch in anderer Form. Ebenso wie pflegende Angehörige im herkömmlich verstandenen Sinn übernehmen sie umfassende Betreuungsverantwortung für ihre (Schwieger-)Eltern ab dem Zeitpunkt, ab dem sie wahrnehmen, dass sich diese nicht mehr adäquat selber versorgen können. Festgestellt wurde weiters, dass sich ihre Form der Betreuung, die in der vorliegenden Arbeit als Für-sorgen bezeichnet wurde, phasenspezifisch mit dem Gesundheitszustand der betreuten älteren Person verändert. Individuelle und strukturelle Rahmenbedingungen und deren Einfluss auf die jeweilige Gestaltung und Intensität des Für-sorgens durch die Angehörigen haben einen wesentlichen Einfluss darauf, ob und in welchem Ausmaß sie diese als Belastung erleben. Insgesamt lässt sich aus den Ergebnissen der Forschung ableiten, dass der Begriff „pflegende Angehörige“ zu eng gefasst ist, um die Vielfalt intergenerationeller Unterstützung im Fall der Bedürftigkeit der eigenen (Schwieger-)Eltern adäquat zu erfassen. In Hinblick auf mögliche Unterstützung sind daher auch jene Angehörige zu berücksichtigen, die sich in anderer Form als durch pflegende Tätigkeiten um ihre (Schwieger-)Eltern kümmern. Hilfe scheint vor allem dann erforderlich, wenn Angehörige an die Grenzen der Bewältigung der Betreuungssituation und der damit einhergehenden Anforderungen stoßen. Soziale Arbeit wäre von ihrem professionellen Selbstverständnis prädestiniert, hilfreiche begleitende Unterstützungsleistungen für Menschen in solchen Situationen zu erbringen, ist aber in diesem Kontext de facto noch kaum präsent. Für die Arbeit mit Angehörigen im Kontext der Pflege scheinen vor allem sozialarbeiterische Interventionsformen zur Stärkung des sozialen Netzwerkes der Angehörigen von Relevanz. Eine funktionierende Unterstützung durch weitere Familienangehörige kann insbesondere dazu beitragen, jene Familiendynamik zu durchbrechen, die dafür verantwortlich ist, dass die gesamte Verantwortung und die damit einhergehenden Aufgaben von Für-sorge meist auf eine einzige, weibliche Person der Familie konzentriert bleiben.

Schlagwörter in Deutsch

Älterer Mensch / Familie / Pflege / Betreuung / Alterssoziologie / Familiensoziolgie

Abstract in English

Upon the background of demographic change in age structure, there shall also be a massive change in the willingness of adult children to provide intergenerational care and nursing services for their parents (in-law). In this work, the question of how family members of the successive generation in the context of small country towns do not or no longer see themselves as capable of taking on care and nursing for their older relatives mainly by themselves and how they handle this situation if there are also no other family relatives available or prepared to help, shall be examined in detail. A qualitative research base was chosen to work on the problem. For this, with the help of the selection method of theoretical samplings, 10 cases were collected and for each case the daughter (in-law) or son (in-law) who was seen to be mainly responsible for the issue of care were questioned with the help of open narrative interviews. The evaluation is made with the help of a theme-oriented coding procedure to create comparable care route analyses as well as through methods of microstructure analysis oriented towards the methodology of objective hermeneutics. The analyses reveal that also those relatives who delegate the large parts of the required care do not withdraw from the care of their parents (in-law). They are committed to care to a comparable extent, but in a different form. Like caring relatives in the sense conventionally understood, they undertake extensive care responsibility for their parents (in-law) from the time when they perceive that they can no longer adequately look after themselves. It was further determined that their form of care, which has been described in the present work as welfare, changes in a way specific to the phase of the health condition of the older person being cared for. Individual and structural framework conditions and their influence on the particular organisation and intensity of the welfare by the relatives have a significant influence on whether and to what extent they experience these as a burden. All in all it is derived from the research results that the concept of “caring relatives” is understood too narrowly to adequately capture the diversity of intergenerational support in the case of need from their own parents (in-law). With regard to possible support there are therefore also to be taken into consideration those relatives who care for their parents (in-law) in another form than nursing activities. Help therefore seems necessary above all if relatives push on the borders of coping with the care situation and the concomitant requirements. Social work would be predestined as a professional route, but bringing helpful support for people in such situations is de facto scarcely present in this context. In the case of working with relatives in the context of care, forms of social work intervention seem above all to be of relevance in strengthening the social network of relatives. A functioning support from other family members can contribute in particular to breaking through that family dynamic that the full responsibility and the concomitant tasks of welfare remain concentrated with individual, female family members.

Schlagwörter in Englisch

elderly people / family / care / sociology of aging / sociology of the family

Item Type: Hochschulschrift (Dissertation)
Author: Pflegerl, Johannes
Title: Für-sorgen als Handlungspraxis von Angehörigen bei der Betreuung ihrer Eltern und Schwiegereltern
Umfangsangabe: 333 S.
Institution: University of Vienna
Faculty: Fakultät für Sozialwissenschaften
Publication year: 2012
Language: ger ... Deutsch
Supervisor: Hörl, Josef
Assessor: Hörl, Josef
2. Assessor: Reinprecht, Christoph
Classification: 71 Soziologie > 71.21 Familie, Verwandtschaft
71 Soziologie > 71.36 Alterssoziologie
79 Sozialpädagogik, Sozialarbeit > 79.15 Familienhilfe
AC Number: AC10668591
Item ID: 24422
(Das PDF-Layout ist ident mit der Druckausgabe der Hochschulschrift.)

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