Universitätsbibliothek Wien

TRANS*NORM

Ablinger, Sara (2012) TRANS*NORM.
Diplomarbeit, Universität Wien. Historisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
BetreuerIn: Futscher, Edith

[img]
Vorschau
PDF
Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved

Download (5Mb)
URN: urn:nbn:at:at-ubw:1-30405.88043.793453-1
URN: urn:nbn:at:at-ubw:1-30405.88043.793453-1

Link zu u:search

Abstract in Deutsch

TRANS*NORM erörtert die Verschränkung von Medizin, Fotografie und dominanten gesellschaftlichen Körper- und Geschlechtervorstellungen sowie die darin wirksame Macht, Normen zu konstruieren. Dabei sind zeitgenössische queere Darstellungsmodi in der Fotografie im Zentrum des Interesses. Die Arbeit stellt verschiedene künstlerische Strategien vor Geschlechterdiskurse zu thematisieren oder zu dekonstruieren und untersucht zudem die Normen innerhalb der Queeren Fotografie selbst. Die Parameter medizinischer Darstellungspraxen gehen viele Jahrhunderte zurück und lassen sich bereits bei physiognomischen und medizinischen Kupferstichen anatomischer Atlanten der frühen Neuzeit analysieren. Verschiedene Disziplinen wie die Kriminalanthropologie, Eugenik, Neurologie, Psychiatrie und Sexualwissenschaft beeinflussten sich in ihren Diskursen gegenseitig oder bauten aufeinander auf. Johann Caspar Lavaters Studie zu den „Physiognomischen Fragmenten“ aus dem 18. Jahrhundert verstärkte die gesellschaftliche Auffassung, Seele, Charakter und Emotionen seien von der Physiognomie eines Menschen ablesbar. Dieser Ansatz beeinflusst(e) die Gesellschaft bis in die Gegenwart und war entscheidend für die Kompositfotografie Sir Francis Galtons, Alphonse Bertillons Kriminalfotografie und Jean-Martin Charcots Psychiatriefotografie des späten 19. Jahrhunderts bis hin zu den Bildbänden der „Geschlechtskunde“ Magnus Hirschfelds im frühen 20. Jahrhundert. Es zeigt sich, dass diese medizinischen, anthropologischen und juristischen Bildpraxen fest in der Praxis des (An-)Sehens und Gesehen-Werdens dieser überlieferten Auffassungen von Körper verankert sind. Die Art und Weise, wie Körper und Geschlechter wahrgenommen und dargestellt wurden und werden, wurzelt in diesen historischen Diskursen und ist demnach in der Queeren Fotografie ein zentrales Thema. Die Kompositionen weisen deutliche Parallelen zu den historischen Bildbeispielen und ihren Darstellungspraxen auf. Die Arbeit bespricht Werke, die im Kunstdiskurs bereits thematisiert wurden, wie beispielsweise Claude Cahun, Catherine Opie oder Del LaGrace Volcano, ebenso wie bisher wenig wissenschaftlich behandelte Künstler_innen wie Anthony Clair Wagner, Tucké Royale, Maciej Osika oder J.J. Levine. Es zeigt sich, dass selbst innerhalb der queeren Diskurse die künstlerischen Re-Präsentationen manche Gruppen nicht beziehungsweise kaum mit einschließen: dazu gehören vor allem ältere/alte Menschen,Menschen mit Behinderungen und unprivilegierter Schichten.

Schlagwörter in Deutsch

Kunst / Fotografie / Körper / Geschlecht / Transgender / Weiblichkeit / Männlichkeit / Maskerade / Drag / Intersexualität / Monstrosität / queer / gender / Geschlechterdiskurse / Medizin / Anatomie / Spiegelbild / Narzissmus / Homoerotik / Genitalien / Identität / Gruppe / Claude Cahun / Catherine Opie / Del LaGrace Volcano / Anthony Clair Wagner / Ins A Kromminga / Tucké Royale / Maciej Osika / J. J. Levine / Charlie White

Abstract in Englisch

TRANS*NORM discusses the interconnection between medical science, photography, and dominant body and gender presentations, and the power contained therein to construct societal norms. It investigates various artistic strategies to thematicize or de-construct gender discourse. Furthermore, the thesis examines the norms within queer photography itself. The origins of medical representation practices date back several centuries and allow physiognometric and medical engravings of the early modern period to be analyzed. Different disciplines such as criminal anthropology, eugenics, neurology, psychiatry, and sexuality influenced and built upon one another’s discourse. Johann Caspar Lavater’s study of the “physiognometric fragments” from the 18th century strengthened the societal perspective that mind, character, and emotion could be determined from a person’s physiognomy. This approach has influenced society up through the present and was pivotal for the composite photography of Sir Francis Galton, for Alphonse Bertillon’s criminal photography, and for Jean-Martin Charcot’s neuroanatomical photography of the late 19th century, up until the photo collections of Magnus Hirschfeld’s “sexology” in the early 20th century. It is shown that these medical, anthropologic, and judicial photographic practices are deeply seated in traditional notions of the body looking, watching, and being seen. The way in which bodies and genders were and are perceived and represented is rooted in this historical discourse and is therefore a central theme in queer photography. The compositions exhibit distinct parallels to the historical photographic examples and to their representation practices. The thesis discusses works currently treated in the art discourse,e.g. Claude Cahun, Catherine Opie, and Del LaGrace Volcano, and also artists who have been little discussed, e.g. Anthony Clair Wagner, Tucké Royale, Maciej Osika, and J.J. Levine. Even within the queer discourse, the artistic re-presentations of some groups are still not included: particularly older / elderly people, people with disabilities, and underprivileged groups.

Schlagwörter in Englisch

art / photography / body / gender / transgender / femininity / masculinity / masquerade / drag / intersexuality / monstrosity / queer / gender / medical science / reflection / mirror / narcissism / homoerotica / genitalia / identity / group / Claude Cahun / Catherine Opie / Del LaGrace Volcano / Anthony Clair Wagner / Ins A Kromminga / Tucké Royale / Maciej Osika / J. J. Levine / Charlie White / MilDred Gerestant / Jo Calderon

Dokumentenart: Hochschulschrift (Diplomarbeit)
AutorIn: Ablinger, Sara
Titel: TRANS*NORM
Untertitel: zeitgenössische Fotografie im Kontext von Geschlechternormen und Trans*identität
Umfangsangabe: 128 S. : Ill.
Institution: Universität Wien
Fakultät: Historisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
Publikationsjahr: 2012
Sprache: ger ... Deutsch
BetreuerIn: Futscher, Edith
BeurteilerIn: Futscher, Edith
Klassifikation: 20 Kunstwissenschaften > 20.10 Kunst und Gesellschaft
AC-Nummer: AC09579181
Dokumenten-ID: 21908
(Das PDF-Layout ist ident mit der Druckausgabe der Hochschulschrift.)

Urheberrechtshinweis: Für Dokumente, die in elektronischer Form über Datennetze angeboten werden, gilt uneingeschränkt das österreichische Urheberrechtsgesetz; insbesondere sind gemäß § 42 UrhG Kopien und Vervielfältigungen nur zum eigenen und privaten Gebrauch gestattet. Details siehe Gesetzestext.

Dokument bearbeiten (nur für AdministratorInnen) Dokument bearbeiten (nur für AdministratorInnen)