Universitätsbibliothek Wien

L´origine e l´inizio

Guanzini, Isabella (2012) L´origine e l´inizio.
Dissertation, University of Vienna. Katholisch-Theologische Fakultät
BetreuerIn: Appel, Kurt

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DOI: 10.25365/thesis.20313
URN: urn:nbn:at:at-ubw:1-29660.41144.803855-9

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Abstract in German

Die vorliegende Arbeit (Der Anfang und der Ursprung. Massimo Cacciari und Hans Urs von Balthasar) versteht sich als theologischer und philosophischer Vergleich zwischen der Philosophie des Anfangs Cacciaris und der Theologie des Originären Balthasars. Das besondere Element dieser Konfrontation ist begründet durch eine gemeinsame und verwegene Frage, die auf den Spuren des deutschen Idealismus den Versuch einer Untersuchung des enigmatischen Hintergrundes der Offenbarung ausarbeitet. Was in ihrem Horizont und in ihrer wegweisenden Inspiration bleibt, ist meiner Meinung nach die Frage des Ursprungs, die Schelling v.a. in seinen Spätwerken aufgeworfen hat, und zwar in ihrer Suche nach der abgründigen Freiheit des Theion, nach der Unvordenklichkeit der Agape und nach dem Mysterium des affektiven Ursprungs des Logos. In diesem Rahmen hat die Untersuchung das Ziel, die Möglichkeiten der heutigen Benennung Gottes zu erforschen und zu zeigen, dass die Spätphilosophie Schellings – evidenterweise bei Cacciari, mehr implizit und unaufgelöst bei Balthasar – die gemeinsame Matrix eines „Gottdenkens“ im Lichte eines unausschöpfbaren und abgründigen Hintergrundes, in dem Gott selbst sich als Trinität entfaltet, bildet. Die Arbeit, die jenseits der klassischen Metaphysik steht, adressiert sich in die Richtung einer Ontologie der Offenbarung Gottes als Liebe, um einen epistemologischen Theorierahmen zu etablieren, der einer nichtbegrifflichen, aber auch nicht irrationalen Figur der Liebe einen echten Ort in der Gottesrede zuweist. In den traditionellen systematisch-theologischen Entwürfen entspricht die Liebe einer Grundkategorie der Gottesrede. Was den grundlegenden Charakter der Liebe in der trinitarischen Manifestation Gottes betrifft, meine ich allerdings, dass ihre theologische Potenzialität größtenteils unausgeführt bleibt. Deshalb wird in dieser Arbeit der Versuch unternommen, eine Ontologie des Ursprungs auszuarbeiten, der durch beide Autoren und auf den Pfaden Schellings die Liebeskategorie als das Originäre zu denken beabsichtigt. Die Philosophie von Massimo Cacciari fügt sich in den schellingschen Weg des Verständnisses des Ab-Grundes, der das Mysterium Gottes und der Schöpfung der Welt behütet. Gerade dieses Interesse für das „Chaos“, für die abgründige Frage des Anfangs, zeichnet die philosophische Reflexion Cacciaris aus, vor allem in jenen Texten, die er seit den 90er Jahren veröffentlicht hat, nämlich Dell´Inizio und Della cosa ultima. Im italienischen Kontext ist er derjenige, der mit tiefer spekulativer Kraft diesen Anfang als das Undenkbare, als absolute Indifferenz, die in der Ruhe ihrer All-Möglichkeit bleibt, denkt. Die authentische Freiheit des Absoluten besteht für Cacciari nicht in der (notwendigen) Entwicklung des Seins im Sinne der Ursache und des ersten Motors des kreativ-geschichtlichen Prozesses, sondern im Sinne eines originären Unvordenklichen, das „vor“ dem Vater (der Arché) liegt, und keine schon bestimmte (eschatologische) Richtung und Entfaltung hat. Darum verlangt es von den Menschen eine Versöhnung in der Zeit, in der Welt, d.h. der Geschichte. Folglich besteht das Interesse der Philosophie Cacciaris darin, dass sie durch eine konstitutive Antinomik gekennzeichnet ist, die niemals dialektisch aufgehoben werden kann, um einerseits das Geheimnis und die Freiheit des Absoluten gegenüber jedem positivierbaren Sein zu schützen, andererseits die Freiheit und die geschichtlich-politische Verantwortung der Menschen zu hüten. Cacciari denkt das Absolute – deutlicher als Schelling (und Kasper) – in tiefer Verbindung mit der Freiheit des inkarnierten Geistes, dem es sein geschichtliches Schicksal anvertraut. Das Absolute nimmt Teil an der Geschichte, die dazu berufen ist, über den Logos, über die Freiheit, über die Agape und über die Möglichkeit der ewigen Beziehung mit Gott zu entscheiden. Deshalb ist das Subjekt immer in die Geschichte hinein verwoben und zu einer Entscheidung hin gerufen, v.a. «seinen Nächsten wie sich selbst zu lieben». Diese Entscheidung wird dem Menschen als geschichtliches Wesen nie abgenommen (vgl. Lk 18,8: Jedoch der Sohn des Menschen, wird er wohl kommend finden den Glauben auf der Erde?), d.h., dass das Gewicht des Menschen, also das Gewicht seines Lebens und seiner Entscheidungen, einen offenen Ausgang der Offenbarung konfiguriert: Nicht nur die Schöpfung, sondern der Geist selber, wie Paulus sagt (Röm 8,26: Denn der Geist selbst tritt ein durch unsagbare Seufzer), seufzt in der Erwartung einer möglichen Erfüllung – aber auch eines möglichen Scheiterns. Das colloqium salutis zwischen Gott und Schöpfung zeigt sich nicht ableitbar und nicht vorhersagbar, als ein Gespräch, in dem sich die anfanghafte Verheißung dem nichtvorherbestimmten Eschaton anvertraut. Der theologische Weg Balthasars sucht eine direkte Beziehung zwischen einer Ausarbeitung des spezifisch Christlichen (v.a. des trinitarischen Diskurses) und der Dramatik der geschichtlichen Freiheit als fundamentalen Ort des Weltseins darzustellen. Auf diese Weise begründet Balthasar seine Konzeption der christlichen Wahrheit auf dem Theologumenon, dass Gott Liebe und nichts Anderes ist, und dass die Offenbarung in diesem Lichte nicht nur als Wort, sondern als absolute Liebe gelesen werden muss. Die Arbeit wendet sich nicht nur dem Werk Balthasars Glaubhaft ist nur Liebe zu, und bezieht sich nicht nur auf seine Ausführungen der Herrlichkeit, sondern v.a. auf den spekulativen Denkweg der Theologik, wo Balthasar noch entschiedener die philosophische Aufgabe auf sich nimmt, die Wahrheit Gottes, die Wahrheit der Welt und den Geist der Wahrheit zu denken. In der Theologik zeigt Balthasar, dass die Liebe (amor) diejenige Transzendentalie ist, die „die Realität des Seins, der Wahrheit und des Guten in sich zusammenfasst“. Diese Liebe ist nicht nur unergründlich (wie das unvordenkliche Absolute Cacciaris, das „vor“ dem Vater liegt), sondern vielmehr auch verheißungsvoller Abgrund des Seins, der die Zeit, die Schöpfung und Gott selbst nicht in das Nichts verschwinden lassen könnte. Sowohl der theologische Weg von Balthasar als auch der spekulative Pfad von Cacciari führen die Gottesfrage in den Schoß des Seins zurück, und verweisen die Vernunft auch auf ihren Ursprung hin. Sie öffnen zwei verschiedene, aber auch verbundene spekulative Versuche, die widersprechende und ungelöste Dialektiken beinhalten: einerseits die Freiheit des Absoluten und der Subjektivität zu hüten (v.a. Cacciari), andererseits die Positivität des Seins und die eschatologische Verheißung der Schöpfung zu retten (v.a. Balthasar).

Schlagwörter in Deutsch

Absolute / Liebe / Eschatologie / Prius

Item Type: Hochschulschrift (Dissertation)
Author: Guanzini, Isabella
Title: L´origine e l´inizio
Subtitle: Hans Urs von Balthasar e Massimo Cacciari
Umfangsangabe: 319 S.
Institution: University of Vienna
Faculty: Katholisch-Theologische Fakultät
Publication year: 2012
Language: ita ... Italienisch
Supervisor: Appel, Kurt
2. Supervisor: Sequeri, Pierangelo
Assessor: Sequeri, Pierangelo
Classification: 11 Theologie, Religionswissenschaft > 11.60 Systematische Theologie: Allgemeines
AC Number: AC10865387
Item ID: 20313
(Das PDF-Layout ist ident mit der Druckausgabe der Hochschulschrift.)

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