Universitätsbibliothek Wien

Eine qualitative Untersuchung zum Niedergang einer mittelstädtischen Geschäftsstraße

Rauch, Franziska (2012) Eine qualitative Untersuchung zum Niedergang einer mittelstädtischen Geschäftsstraße.
Diplomarbeit, University of Vienna. Fakultät für Sozialwissenschaften
BetreuerIn: Reinprecht, Christoph
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URN: urn:nbn:at:at-ubw:1-29543.47486.127055-7

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Abstract in German

Die Linzer Straße steht seit vielen Jahren leer. Während sie bis vor ca. 15 Jahren eine blühende Geschäftsstraße war hat sich die Geschäftslandschaft auf nur mehr zwei Reisebüros ausgedünnt. Anhand qualitativer Interviews mit Immobilienbesitzern, Angestellten und ehemals Angestellten wurde der Entleerung auf den Grund gegangen. St. Pöltens inhabergeführten Geschäfte sind auf Grund der Entwicklungen im Einzelhandel in der jetzigen Form nicht konkurrenzfähig und haben viele Nachteile. Die geringe zur Verfügung stehende Fläche ermöglicht nur ein relativ eingeschränktes hoch spezialisiertes Sortiment. Die Flächenproduktivität ist damit eine wesentlich geringere als in großflächigen Geschäften peripherer Lage die Flächenkosten durch Miete jedoch wesentlich höher. Die Anlieferung ist erheblich schwieriger als am Stadtrand. Es müssen Lieferzeiten eingehalten werden und die Anlieferung stellt sich aufgrund der meist nicht direkten Zufahrt ungleich schwieriger dar. Die bestellte Warenmenge ist meist aufgrund der beschränkten Lagerkapazität gering und die Häufigkeiten der Lieferungen dementsprechend höher als in nicht innenstädtischen Gebieten. All dies führt zu Konditionsnachteilen für die Inhaber und damit zu einer Preissteigerung im Endverbrauch und einem Abfluss der Kaufkraft an die Peripherie. Ein Weiterer Nachteil für die Geschäftstreibenden ist eine Verschiebung oder Veränderung der Eigenlogik St. Pöltens. St. Pölten präsentiert sich gegenüber der Vergangenheit nun als Stadt des Sports, der Jugend und der Kultur. In zahlreichen Interviews wurde berichtet dass es für Verbraucher Ausschlaggebend war mit wem sie Geschäfte abwickelten und erst in zweiter Linie was gekauft wurde. St. Pöltens Innenstadthändler präsentierte also sich als intimes Kleinod in dem jeglicher Bedarf zu stillen war. Früher wurden Einkäufe fast ausschließlich von den Hausfrauen erledigt so dass man einander kannte und über die geschäftliche Beziehung Verbindlichkeiten entstanden. Einkaufen war eine Bedarfsdeckung weniger Vergnügen und Freizeitgestaltung. Mit der immer Stärker werdenden Filialisierung, Arbeitszeitverkürzung und Motorisierung wurden die bisherigen Einkaufsmotivationen erweitert. Die nun zur Verfügung stehende Zeit wird den vielfältigeren Konsummöglichkeiten, oft an der Peripherie gewidmet. Die Kaufkraft fließt von der Innenstadt an den Stadtrand ab und während die Bevölkerung älter und immobil wird können Güter des täglichen Bedarfs nur mehr unter Aufwendung von Transportkosten getätigt werden. Die zentrale Stellung der Innenstadt verliert an Bedeutung und Einzelhändler können sich mit ihrem Warenangebot und den kleinen Geschäftsflächen nicht gegen finanzstarke Filialunternehmen behaupten. Geschäfte schließen oder wandern ab. Dadurch entstehen längere Gehwege zwischen den Geschäften in unattraktiven Straßen. Oft stehen Geschäftslokale leer oder regen durch Mindernutzung nicht zum Verweilen in der Straße ein. Neben der Mindernutzung durch Ein-Euro-Shops, Versicherungsbüros oder Tätowiergeschäfte in vielen Straßen St. Pöltens, ist es für potenzielle Mieter in der Linzer Straße besonders schwer ein Geschäft zu eröffnen. Mittlerweile hat sich die Straße von einer Geschäftsstraße zu einer Bürostraße gewandelt. Bürofläche kann zu höheren Preisen vermietet werden und wird daher für Einzelhandel nicht angeboten. Für Konsumenten ist die Einkaufsstättenwahl wesentlich von der Erreichbarkeit vieler Geschäfte in einem möglichst engen Radius von Bedeutung. Die Linzer Straße steht jedoch bis auf zwei Reisebüros leer. In St. Pöltens Innenstadt kommt es erschwerend hinzu dass Geschäfte nachwievor unterschiedliche Öffnungszeiten haben und nicht unter „einem Namen“ auftreten. Zwar machten sich alle Geschäfte durch die Landeshauptstadtwerdung Hoffnung auf Synergieeffekte diese blieben jedoch aus. Man hoffte dass „die Männer im Regierungsviertel Geschäfte erledigen würden“ während die Ehefrauen in der Linzer Straße bzw. Innenstadt einkaufen würden. Das ist nicht eingetreten. Entwicklungsperspektiven wurden im Zuge der Interviews und Literaturstudie viele angesprochen. Immobilienentwickler entwerfen Konzepte für eine Linzer Straße Neu. Eine Kunstgalerie soll wieder Menschen in die Straße locken. Eine Interviewpartnerin sprach sich für die Erschließung der Stadt durch Studenten der Fachhochschule aus. Leerstehende Immobilien geeigneter Größe gäbe es genug. Wesentliches Potential könnte aus den täglichen Einpendlern geschöpft werden. Das Land Niederösterreich finanziert 50% der Buskosten für Arbeitnehmer aus dem Wald- und Weinviertel. Der letzte Bus verlässt fährt pünktlich zu Arbeitsschluss, gegen 17h. Eine Möglichkeit der Frequenzhebung für St. Pöltens Innenstadt und damit potentielle Kunden für zukünftige Geschäfte der Linzer Straße wären regelmäßige Abendintervalle zur Weihnachtszeit um Märkte zu besuchen, oder auch monatliche Einkaufsfahrten und Abendintervalle zur Stimulation des Einzelhandels und der Gastronomie. Die Konkurrenzsituation zwischen roter Stadt und schwarzem Land hat viele Vorstöße bisher verhindert. Die Linzer Straße verfügt über viele der schönsten Häuser in St. Pölten. Würden Geschäftslokale renoviert, Fassaden saniert und Mieten gesenkt werden könnten sich neue Geschäfte ansiedeln und damit den Handel in der Innenstadt beleben. Vermutlich bedarf es zur Belebung der Straße eines Magnetbetriebes. St. Pöltner gehen gerne ins Kaffeehaus. Immobilienbesitzer könnten versuchen aus gemeinsamer Initiative einen Betreiber zu finden, ihn bei der Finanzierung des Lokals unterstützen und daraus in absehbarer Zeit einen Mehrwert für ihre Straße und die Immobilien ziehen. Abschließend und zusammenfassend ist festzuhalten dass die Immobilienbesitzer der Linzer Straße ihre unterschiedlichen Ideen in einem gemeinsamen Nutzungskonzept zusammenfassen und damit ihre Verantwortung der Versorgung der Innenstadtbewohner nachkommen sollten.

Schlagwörter in Deutsch

Mittelstadt / St. Pölten / Einzelhandel / Linzer Straße

Item Type: Hochschulschrift (Diplomarbeit)
Author: Rauch, Franziska
Title: Eine qualitative Untersuchung zum Niedergang einer mittelstädtischen Geschäftsstraße
Subtitle: Fallbeispiel Linzer Straße, St. Pölten
Umfangsangabe: 89 Bl. : graph. Darst.
Institution: University of Vienna
Faculty: Fakultät für Sozialwissenschaften
Publication year: 2012
Language: ger ... Deutsch
Supervisor: Reinprecht, Christoph
Assessor: Reinprecht, Christoph
Classification: 71 Soziologie > 71.41 Sozialer Wandel
AC Number: AC10905569
Item ID: 20033
(Das PDF-Layout ist ident mit der Druckausgabe der Hochschulschrift.)

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