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Der Wandel der Kulturlandschaft im Unteren Gailtal

Knechtel, Sigrid (2008) Der Wandel der Kulturlandschaft im Unteren Gailtal.
Diplomarbeit, Universität Wien. Fakultät für Lebenswissenschaften
BetreuerIn: Grabherr, Georg

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URN: urn:nbn:at:at-ubw:1-29333.79685.881170-4
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Abstract in Deutsch

Die Kulturlandschaft einer Region, also ihr Struktur-, Lebensraum- und Artenreichtum, wird zum Großteil von den ansässigen Landwirten geprägt. Aus naturschutzfachlicher Sicht kann diese Beeinflussung des Landschaftsbildes positiv aber auch negativ sein. So wurden in der Vergangenheit zahlreiche wertvolle Lebensräume durch landwirtschaftliche Nutzung erst geschaffen. In Folge von Rationalisierungs- und Intensivierungsmaßnahmen in der Bewirtschaftung gingen in jüngerer Zeit jedoch viele wertvolle Tier- und Pflanzenarten sowie Lebensräume wieder verloren (WRBKA et al. 2002). Durch diese Entwicklung ist die typische Artengarnitur der traditionellen Kulturlandschaft, der etwa ein Drittel der mitteleuropäischen Blütenpflanzenarten zuzuordnen ist, heute neben jener der Feuchtgebiete als eine der am stärksten gefährdeten anzusehen (GRABHERR 1997). Um auch in Zukunft struktur- und artenreiche Kulturlandschaften zu erhalten, werden von Seite des Naturschutzes gezielte Steuerungsinstrumente, die landwirtschaftliche Wirtschaftsweise und deren Wertschöpfungskette betreffend, gebraucht. Es genügt hier nicht, diese Instrumente alleine auf die Art und Intensität der Bewirtschaftung auszurichten, sondern es sollte auch die Frage nach den Motiven, Zielen und Grundsätzen der Landwirte mit einbezogen werden. Auf Basis dieser Überlegungen wurde von ASCHENBRENNER et al. (2002) das Konzept der Farming Styles entwickelt, in welches ökonomische, soziologische und individuelle Aspekte einfließen. Die „Farming Styles“ stehen in direktem Zusammenhang mit der Biodiversität von Nutzflächen (SCHMITZBERGER et al. 2005). In der vorliegenden Arbeit sollte untersucht werden, ob diese Aussage auch auf das Untere Gailtal zutreffend ist. Dazu wurden mittels Landschaftskartierung und Vegetationsaufnahmen auf Grünlandflächen sowie in Kleinstrukturen die Biodiversitätsverhältnisse in Feistritz an der Gail und St. Georgen im Gailtal erhoben. Es zeigte sich, dass die strukturreiche, weniger intensiv bewirtschaftete Landschaft der am Hang liegenden Ortschaft St. Georgen im Gailtal eine deutlich höhere Biodiversität aufwies als die im Talboden gelegene Gemeinde Feistritz an der Gail. Erfreulicherweise hat sich die Landschaft in Feistritz an der Gail in den Jahren von 1996 bis 2002, also nach der Einführung des ersten ÖPUL-Programms (1995), jedoch aus naturschutzfachlicher Sicht leicht zum Positiven verändert. In St. Georgen im Gailtal war in diesem Zeitraum kaum eine Landschaftsänderung abzulesen. Der von SCHMITZBERGER et al. (2005) beschriebene Zusammenhang zwischen Farming Styles und Biodiversität ließ sich in beiden Ortschaften deutlich nachweisen. Die Ertragsoptimierer waren nur intensiv genutzten und artenarmen im Talboden zu finden, während die Traditionalisten nur Flächen in den struktur- und artenreichen Hanglagen bewirtschafteten. Innovative, deren Flächen in Punkto Biodiversität eine Mittelstellung einnahmen, waren in beiden Ortschaften zu finden. Allerdings können die einzelnen Farming Style Typen jeweils nur innerhalb des Rahmens wirken, den die jeweilige Landschaft vorgibt (vgl. WRBKA et al. 2004). Von diesen Ergebnissen ausgehend wäre zu überdenken, in der zukünftigen Naturschutzarbeit weg von der flächen- und hin zu einer betriebstypbezogenen Förderung zu gehen. In diesem Zusammenhang ist es überaus wichtig, den Landwirten ihre neue gesellschaftliche Rolle zu verdeutlichen, die nicht mehr alleine in der Produktion von Lebensmittel, sondern vermehrt auch in der Landschaftspflege liegt. Dabei sollte von Ge- und Verboten möglichst Abstand genommen und stattdessen eine konstruktive Zusammenarbeit zwischen Landwirten und öffentlichen Stellen angestrebt werden.

Schlagwörter in Deutsch

Kulturlandschaft / Biodiversität / Farming Styles / Gailtal / Grünland / Vegetation / Artenvielfalt / Naturschutz

Abstract in Englisch

The quantity and quality of species and habitats as well as landscape structure within the agricultural landscape of a certain region are highly affected by the land use practices of resident farmers. Seen from the nature conservation point of view these effects can be both positive and negative. On the one hand many valuable habitats only exist because of different land use practices. On the other hand high land use intensity caused a loss in biodiversity during the past few decades (WRBKA et al. 2002). As a result of this species typical for traditionally used agricultural landscapes, which cover about one third of all central European higher vascular plants, today belong to the most dangered ones just like the species found in wetland areas (GRABHERR 1997). For the future protection of agricultural areas with high biodiversity, there is need to develop agro-environmental subsidies which are aimed at the special needs of different types of farmers. It is not enough just to subsidise certain land use practices. The motivation, aims and principles for farmers, which are affecting their way of farming, have also be considered. Based on this fact ASCHENBRENNER et al. (2002) developed the system of “Farming Styles”, in which economic, social and attitudinal aspects were included. SCHMITZBERGER et al. (2005) found a close link between these Farming Styles and biodiversity on agricultural areas. The question of whether or not this link can be found in the agricultural landscape of the region of the Untere Gailtal, is the central point of this thesis. To document the biodiversity relations of the area the landscape structure of Feistritz an der Gail, which is situated in bottom of the valley, and St. Georgen im Gailtal, which lies on the hillside, was analysed. Also the species richness of higher vascular plants in grasslands and small landscape structures like for example hedgerows was documented. It could be shown that the biodiversity in the strongly structured landscape of St. Georgen im Gailtal was much higher than in Feistritz an der Gail. Also the quality of species found in St. Georgen im Gailtal was much more valuable. Nevertheless by comparing the landscape characteristics of Feistritz an der Gail of the year 2002 with data from 1996 there could be found a slight switch into a more positive situation seen from the nature conservation point of view. This landscape change is caused by the implementation of the ÖPUL-program in 1995. In St. Georgen im Gailtal no such change has taken place. The close link between Farming Styles and biodiversity stated by SCHMITZBERGER et al. (2005) could also be proved for the region of the Untere Gailtal. “Yield Optimisers” could only be found in the bottom of the valley of Feistritz an der Gail, where little biodiversity was documented whereas “Traditionalists” were farming on the hillsides of St. Georgen im Gailtal, where high biodiversity could be shown. “Innovative Farmers” where found in both areas. The amount of biodiversity on their farmland lies in the middle of ones belonging to the other two Farming Style Types. Within all this it must not be forgotten that the farmers belonging to different Farming Style Types always can only influence the agricultural landscape within the frame landscape sets itself to working possibilities (WRBKA et al. 2004). As a conclusion it can be said that within the systems of agro-environmental subsidies it should be considered to quit subsidising certain valuable pieces of land or certain land use practices and to switch to subsidising certain Farming Style Types. It is also important clearly bring into the heads of the farmers that their social role has changed. They can no longer just be seen as food-producers but they also have to be recognized as keepers of a valuable landscape. Within this process there must be looked for a constructive cooperation between farmers and governmental representatives and not only be worked through orders and prohibitions.

Schlagwörter in Englisch

agricultural landscape / biodiversity / Farming Styles / Gailtal / grassland / vegetation / species richness / nature conservation

Dokumentenart: Hochschulschrift (Diplomarbeit)
AutorIn: Knechtel, Sigrid
Titel: Der Wandel der Kulturlandschaft im Unteren Gailtal
Untertitel: das Zusammenspiel von Landschaftsbild, Biodiversität und Farming Styles
Umfangsangabe: 164 S. : Ill., graph. Darst., Kt.
Institution: Universität Wien
Fakultät: Fakultät für Lebenswissenschaften
Publikationsjahr: 2008
Sprache: ger ... Deutsch
BetreuerIn: Grabherr, Georg
BeurteilerIn: Grabherr, Georg
Klassifikation: 30 Naturwissenschaften allgemein > 30.99 Naturwissenschaften allgemein: Sonstiges
42 Biologie > 42.44 Pflanzengeographie, Pflanzenökologie, Pflanzensoziologie
43 Umweltforschung, Umweltschutz > 43.31 Naturschutz
AC-Nummer: AC07522356
Dokumenten-ID: 1985
(Das PDF-Layout ist ident mit der Druckausgabe der Hochschulschrift.)

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