Universitätsbibliothek Wien

Une voix, ce n’est pas assez…

Thiel, Veronika (2011) Une voix, ce n’est pas assez….
Dissertation, Universität Wien. Philologisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
BetreuerIn: Türschmann, Jörg

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URN: urn:nbn:at:at-ubw:1-29506.30485.971759-9
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Abstract in Deutsch

Wer spricht in einem Erzähltext? Laut Gérard Genettes lautet die Antwort: die (Erzähl-)Stimme. Die Metapher der Stimme suggeriert einen in Analogie zur mündlichen Aussagesituation individuellen Ursprung in Form eines Erzählers. Dieser Vorstellung der Erzählinstanz stehen jedoch Strategien gegenüber, die dazu beitragen, die Konstruktion des Erzählers als alleinige und homogene Urhe-berinstanz und somit als Garant für die organische Einheit und den zu konstitu-ierenden Sinn des narrative Diskurses zu untergraben. Dergleichen Erzähl-strategien werden in der vorliegenden Arbeit unter dem Begriff „multiples Erzählen“ (narration multiple) zusammengefasst. Die Romane des Korpus - Le Temps de Tamango (1981) von Boubacar Boris Diop (Senegal), L’Amour, la fantasia (1985) von Assia Djebar (Algerien) und Solibo Magnifique (1988) von Patrick Chamoiseau (Martinique) – zeichnen sich alle drei durch eine auffällig komplexe Gestaltung der narrativen Äußerung (nar¬ration) aus: die Ebene der (Erzähl-)Stimme ist polyphon, fragmentiert und viel¬schichtig, oftmals ambivalent, manchmal sogar widersprüchlich, und stets selbst-reflektierend. Die Autoren der drei untersuchten Romane können zu einer frankophonen Avantgarde gezählt werden. Die frankophone Romanliteratur erlebt in den 1980er Jahren eine Phase des Um- und Aufbruchs. Die auffälligen Erzähl-konstellationen sowie die Poetik des Fragmentarischen und der nicht redu-zierbaren Diversität werden zum Markenzeichen dieser Romane. Trotz der Auffälligkeit der untersuchten Erzählkonstellationen gibt es kaum systematische Untersuchungen und nur wenige Einzelstudien über solche multiplen Erzählkonfigurationen und deren Funktionen im frankophonen Roman der 1980er Jahre. Die vorliegende Dissertation geht der Forschungsfrage nach, welche besonderen Formen und Strategien des multiplen Erzählens in den Romanen zum Einsatz kommen und in welcher Weise eben diese Erzählkonstellationen als Legitima-tionsdispositiv fungieren. Die Erzählkonstellationen werden auf ihre Funktion als Bedeutungsträger hin untersucht und mit der in den Romanen allgegenwärtigen repräsentationstheoretischen Selbstreflexion in Zusammenhang gebracht. Dabei gilt es v.a. auch herauszuarbeiten, in welcher Weise die Formen des multiplen Erzählens die Schwierigkeiten und Ambivalenzen, mit denen sich die zahlreichen Erzählinstanzen konfrontiert sehen, auf der Ebene der Form umzusetzen bzw. zu überwinden versuchen. Die Gemeinsamkeit der Texte beruht auf ihrer Bemühung um eine literarische Selbstbestimmung und Neupositionierung, ohne dass es sich jedoch um eine ein-heitliche literarische Bewegung handeln würde. Die Anstrengung um eine eigne literarische Identität manifestiert sich vor allem auch auf der Ebene der Form: Indem diese frankophonen Schriftsteller traditionelle Erzählformen aufbrechen, grenzen sie sich einerseits vom europäischen Vorbild, andererseits von den litera-rischen Praktiken früherer frankophoner Autoren ab. Institutionell tragen die Erzählstrategien dazu bei, die literarische Qualität der Texte sowie den Anspruch auf eine eigene Formensprache gegenüber dem franzö-sischen literarischen Feld zu behaupten. Auf der Ebene der dargestellten Welt kommt der Gestaltung des Äußerungsakts (énonciation) als Legitimationsdispositiv, das ermöglicht Erzählpositionen zu legitimieren oder aber diskursive Praktiken zu problematisieren, eine besondere Bedeutung zu.

Schlagwörter in Deutsch

Erzählanalyse / Narration / Erzählinstanz / multiples Erzählen / frankophone Literatur

Abstract in Englisch

Who speaks in a narrative text? In accordance with Genette the answer would be: the narrative voice. Analogous to oral communication, the metaphor of “voice” suggests an individual source of enunciation in the form of a “narrator”. However, this conception of the narrative instance is in opposition to strategies subverting the construction of the narrator, who, as the unique and uniform originator of the narrative discourse, ensures the organic unity of the discourse and the constitution of sense. In this thesis, such strategies are subsumed under the concept of “multiple narration” (narration multiple). The three authors analyzed belong to the francophone literary avant-garde. The narration of the three novels - Le Temps de Tamango (1981) by Boubacar Boris Diop (Senegal), L’Amour, la fantasia (1985) by Assia Djebar (Algeria) and Solibo Magnifique (1988) by Patrick Chamoiseau (Martinique) – is extremely complex: the configuration of the narrative voice is polyphonic, fragmented, stratified, often ambivalent, sometimes even contradictory, and always self-reflexive. Despite their conspicuous nature, there are scarcely any systematic analyses and only few single case studies of multiple-narration scenarios, their function, and underlying issues in the francophone novel published in the 1980s, period in which the francophone novel prospers and diversifies. The three novels analyzed in this thesis have in common the respective authors’ endeavors to reposition their literary production and to develop a self-determined literary expression. However it is worth noting that these novels do not constitute a homogenous literary movement. The authors’ efforts to assert their proper and distinctive literary identity become manifest most notably on the level of form: by breaking up traditional narrative structures, these writers seek to distinguish themselves both from the European model and from certain writing practices of a former francophone generation of novelists, the conspicuous narrative configurations as well as a poetic of fragmentation and irreducible diversity becoming a trademark of these novels. What are the specific narrative configurations put in place in the three novels? In what way do these narrative structures act as a legitimizing device? These re¬search questions are addressed through analysis of the narrative configurations in terms of their signifying impact (role as signifiers) and association of these narra¬tive structures with the ubiquitous meta-reflexive discourse on representation that characterizes the three novels. In doing so, this thesis aims to explicate in which way – on the formal level – these multiple narration scenarios translate, negotiate or even overcome the difficulties and ambivalences the various narrative instances are facing. On the institutional level, those narrative innovations and experimentations oper-ate as acts of positioning within the French literary field given that they are aimed at vindicating the authors’ claim to a proper literary expression. On the textual level, enunciation operates as a legitimizing device of the fictional narrative act. Therefore the configuration of enunciation is of great importance for both authorizing the narrative instances and showing the problems of their discursive practices.

Schlagwörter in Englisch

narrative analysis / narration / narrative instance / multiple narration / francophone literature

Dokumentenart: Hochschulschrift (Dissertation)
AutorIn: Thiel, Veronika
Titel: Une voix, ce n’est pas assez…
Untertitel: la narration multiple dans trois romans francophones des années 1980 ; Le Temps de Tamango de Boubascar B. Diop, L'Amour la fantasia d'Assia Djebar et Solibo Magnifique de Patrick Chamolseau
Umfangsangabe: 306 S. : Ill., graph. Darst.
Institution: Universität Wien
Fakultät: Philologisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
Publikationsjahr: 2011
Sprache: fre ... Französisch
BetreuerIn: Türschmann, Jörg
BeurteilerIn: Türschmann, Jörg
2. BeurteilerIn: Wagner, Birgit
Klassifikation: 17 Sprach- und Literaturwissenschaft > 17.81 Epik, Prosa
AC-Nummer: AC09010672
Dokumenten-ID: 19318
(Das PDF-Layout ist ident mit der Druckausgabe der Hochschulschrift.)

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