Universitätsbibliothek Wien

Gentrification als globales Phänomen und die Rolle der Akteur/innen

Huber, Florian (2011) Gentrification als globales Phänomen und die Rolle der Akteur/innen.
Dissertation, University of Vienna. Fakultät für Sozialwissenschaften
BetreuerIn: Reinprecht, Christoph

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DOI: 10.25365/thesis.18637
URN: urn:nbn:at:at-ubw:1-29853.91229.421864-2

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Abstract in German

Gentrifizierung ist eine räumliche Manifestation von sozialer Ungleichheit und kennzeichnet sich durch ökonomische Aufwertung und kulturelle Redefinition von städtischen Teilbereichen. Diese Veränderung der ökonomischen und soziokulturellen Parameter steht in engem Zusammenhang mit sozialen Transformationen, wobei diese je nach Erklärungsmodell als Ursache oder als Wirkung definiert werden. Gentrifizierungsprozesse oszillieren zwischen Zuzug statushöherer bzw. einkommensstärkerer Haushalte und Verdrängung marginalisierter sozialer Gruppen, wobei auch die Raumnutzungen und Infrastrukturen von diesen Umbrüchen betroffen sind. Der Verdrängungsbegriff umfasst direkte, indirekte und ausschließende Formen von Verdrängung, die auch zur Abgrenzung des Phänomens Gentrifizierung dienen. Im wissenschaftlichen Diskurs wird die Problematik der Vergleichbarkeit von Gentrifizierungsprozessen laufend thematisiert. Ziel des Dissertationsprojekts war es daher, im Rahmen einer Akteursanalyse ein Instrument in Form eines analytischen Kategorienschemas zu entwickeln, welches das Phänomen für internationale Vergleiche operationalisiert. Vor dem Hintergrund der Theorie, einer Analyse von Fallstudien, die in unterschiedlichen Journals publiziert wurden, sowie 4 Expert/inneninterviews und zahlreicher informeller Gespräche, wurden insgesamt 36 Leitfadeninterviews in je einem gentrifizierten Stadtviertel in Wien (Karmeliterviertel), Chicago (Wicker Park) und Mexiko Stadt (La Condesa) geführt. Die Auswertung der Daten erfolgte im Rahmen einer qualitativen Inhaltsanalyse und es konnten 14 Kategorien destilliert werden. Das Schema umfasst folgende Kategorien: Intentionen, Handlungsmotive und Interessenslagen; physische Transformationen des Stadtraums; Marktmechanismen; Funktionen und Nutzungen; Image und Rezeption; soziale Transformationen bzw. soziale Dynamiken; subjektives Sicherheitsempfinden; gesetzliche Rahmenbedingungen; Akteurskonstellationen; Selbstreflexion in Bezug auf die Implikationen von Raumaneignungen und -nutzungen; Ortsbindung und raumbezogene Identität; soziale Kohäsion; Konflikte und Spaltungslinien; Prognosen. Neben der Entwicklung des Kategorienschemas zielte das Dissertationsprojekt zudem auf die Formulierung von ersten Ansätzen einer Soziologie der Gentrifizierung ab. Dabei wurde von der Prämisse ausgegangen, dass Gentrifizierungsprozesse neben den Analogien, die sich im Kategorienschema wiederfinden, zugleich kontextbezogene Unterschiedlichkeiten reflektieren. Diese werden wiederum als Teil eines spezifischen Ensembles latenter Strukturen gesehen, welche die Eigenlogik der jeweiligen Städte konstituieren. Auf Basis der Daten aus der empirischen Forschung konnten drei grundlegende Faktoren – die Kommodifizierung sowie Kommerzialisierung von urbanen Räumen, die Konstituierung von sozialer Ungleichheit und die Bestimmung von Raum als umkämpfte Ressource – herausgefiltert werden, welche mittels Differenzen in ihren Ausprägungen die Eigenlogiken der Städte prägen. Daraus wird die Schlussfolgerung gezogen, dass – im Hinblick auf die Entwicklung einer Soziologie der Gentrifizierung – aus epistemologischen Gründen Synergien zwischen dem Gentrifizierungsdiskurs und der Agenda zur Forschung über städtische Eigenlogiken gesucht und eine Kombination angestrebt werden soll.

Schlagwörter in Deutsch

Gentrifizierung / Stadtsoziologie / soziale Ungleichheit / Eigenlogik von Städten

Abstract in English

Gentrification is a spatial manifestation of social inequality and is characterized by economic upgrading and cultural reassessment of inner-city neighborhoods. The transformation of economic and sociocultural parameters is also strongly connected with social change, which is either defined as the cause or as the effect of gentrification by different approaches. Basically, the processes oscillate between the influx of higher-status groups and the displacement of marginalized, lower-income households, and also affect the use of space as well as infrastructure. Moreover, displacement in the context of gentrification not only describes direct displacement, but also forms of indirect as well as exclusive displacement. The lack of comparability of gentrification processes is regularly addressed by the scientific community. Thus, the intention of this thesis was to develop an analytical scheme of categories as an instrument for international comparisons. Against the background of the theory, the selection of case studies, which were published in various international journals, and 4 interviews with experts as well as many informal conversations, an actor-analysis was conducted in gentrified neighborhoods in Vienna (Karmeliterviertel), Chicago (Wicker Park) and Mexico City (La Condesa). The results are based on a qualitative content analysis of 36 semi-structured interviews, where the following 14 categories were distilled: intentions, motives for action and interests; physical transformation of urban space; market-mechanisms; functions and use; image and perception; social transformations and social dynamics; subjective perception of safety; legal frameworks; constellations of actors; self-reflection in terms of appropriation and use of urban space; attachment to places and space-related identity; social cohesion; conflicts and lines of division; prognoses. Besides the scheme of categories, the thesis intended to develop first approaches towards a sociology of gentrification. This attempt was based on the premise, that gentrification processes show analogies, which were abstracted to categories, but nevertheless also reflect certain differences. These are defined as being part of a specific ensemble of latent structures, which constitute the intrinsic logic of a specific city. Based on the data of the empirical research, basic factors – the commodification and commercialization of urban space, the constitution of social inequality and characterization of space as a contested resource – were defined as being crucial for examining the intrinsic logic of cities. Thus, in terms of developing a sociology of gentrification, synergies between gentrification research and the discourse on the intrinsic logic of cities should be defined and research agendas could be combined.

Schlagwörter in Englisch

gentrification / urban sociology / social inequality / intrinsic logic of cities

Item Type: Hochschulschrift (Dissertation)
Author: Huber, Florian
Title: Gentrification als globales Phänomen und die Rolle der Akteur/innen
Subtitle: Ansätze einer Soziologie der Gentrifizierung
Umfangsangabe: 276, [ca. 300] S.
Institution: University of Vienna
Faculty: Fakultät für Sozialwissenschaften
Publication year: 2011
Language: ger ... Deutsch
Supervisor: Reinprecht, Christoph
Assessor: Reinprecht, Christoph
2. Assessor: Dangschat, Jens
Classification: 71 Soziologie > 71.14 Städtische Gesellschaft
74 Geographie, Raumordnung, Städtebau > 74.12 Stadtgeographie, Siedlungsgeographie
AC Number: AC09038314
Item ID: 18637
(Das PDF-Layout ist ident mit der Druckausgabe der Hochschulschrift.)

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