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Die österreichisch-ungarische Offensive gegen Montenegro 1916 unter besonderer Berücksichtigung der Operation über den Lovćen und des Zusammenbruchs der montenegrinischen Armee

Enne, Peter (2008) Die österreichisch-ungarische Offensive gegen Montenegro 1916 unter besonderer Berücksichtigung der Operation über den Lovćen und des Zusammenbruchs der montenegrinischen Armee.
Diplomarbeit, Universität Wien. Historisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
BetreuerIn: Suppan, Arnold

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URN: urn:nbn:at:at-ubw:1-29433.71229.645759-1
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Abstract in Deutsch

Der durch die gemeinsame Offensive der deutschen, bulgarischen und österreichisch-ungarischen Truppen verursachte rasche und vollkommene Zusammenbruch der serbischen Armee bot zum Jahresende 1915 dem k.u.k. Generalstabschef Conrad v. Hötzendorf die Gelegenheit, auch gegen Montenegro vorzugehen. Um die Sinnhaftigkeit dieser Operation kam es im Zuge der gegenseitigen Konsultationen zu heftigen Auseinandersetzungen mit der Deutschen Obersten Heeresleitung, über deren Bedenken sich Conrad jedoch hinwegsetzte und „im Alleingang“ die Operation befahl. Mit der Durchführung wurde die k.u.k. 3. Armee unter GdI Kövess betraut. Zum Hauptstoß wurde das XIX. Korps unter FML Trollmann aus dem Raum Cattaro über den diese Buch beherrschenden Lovćen angesetzt, wobei der Erfolg hauptsächlich von einem massierten und zielgenauen Artillerieeinsatz und dem Zusammenwirken der Landstreitkräfte mit der k.u.k. Kriegsmarine abhing. Nach dem Zusammenziehen der erforderlichen Angriffstruppen und der Artilleriekräfte erfolgte schließlich am 8. Jänner 1916 nach einem vernichtenden Feuerschlag der Schiffsgeschütze und Landbatterien der Angriff der k.u.k. Truppen, allen voran der 47. ID. Bereits am ersten Tag der Offensive konnten dank der vernichtenden Wirkung der Artillerie trotz schlechten Wetters und großer Nachschubprobleme große Erfolge verzeichnet werden, am 10. Jänner wurde der Lovćen eingenommen und die k.u.k. Truppen stießen in Richtung Cetinje vor. Infolge des raschen Zusammenbruchs der montenegrinischen Lovćenverteidigung, welche bis zu diesem Zeitpunkt allgemein als nahezu unbezwingbar gegolten hatte, verlor die montenegrinische Armee rasch jegliche Zuversicht, allgemeiner Rückzug und Auflösungserscheinungen in der Armee waren die Folge. Bereits am 10. Jänner wurde das erste Waffenstillstandsansuchen der montenegrinischen Regierung durch Parlamentäre überreicht, vom k.u.k. AOK jedoch mit der Begründung, lediglich eine bedingungslose Waffenstreckung könne zur Einstellung der Kampfhandlungen führen, zurückgewiesen. Nachdem die k.u.k. Truppen den Vormarsch fortgesetzt hatten und auch der strategisch wichtige Ort Berane an der Nordfront gefallen war, sah sich schließlich König Nikola gezwungen, am 13. Jänner durch ein persönliches Handschreiben an Kaiser Franz Joseph um Frieden zu bitten. Ebenso wurde eine neuerliche Friedensbitte der montenegrinischen Regierung überreicht, sodaß die Kampfhandlungen eingestellt wurden. Im Zuge der Verhandlungen um die bedingungslose Waffenstreckung der Montenegriner kam es zu verschiedenen Mißverständnissen und Unklarheiten, welche dazu führten, daß GdI Kövess mit der Wiederaufnahme des Kampfes drohte. Nachdem der größte Teil der Regierung und der König das Land verlassen hatten, die Armee sich großteils entwaffnen hatte lassen, teilweise sich aber auch auflöste und jegliche staatliche Ordnung zusammenbrach, wurde schließlich am 25. Jänner der Kapitulationsvertrag unterzeichnet. Die Offensive war keine kriegsentscheidende und mit großen Verlusten verbundene, aber eine durch die zu überwindenden Geländeschwierigkeiten und das im Ersten Weltkrieg überaus seltenen Zusammenwirken von Landstreitkräften und Kriegsmarine spektakuläre Kampfhandlung, welche infolge des für Österreich-Ungarn günstigen Ausganges vor allem auf die Kampfmoral der k.u.k. Truppen positive Auswirkungen zeigte. Der rasche Zusammenbruch und die Ungereimtheiten bei der Verhandlungsführung boten den Zeitungen der Ententestaaten, vor allem jenen Italiens, Gelegenheit, von den eigenen Versäumnissen bei der Verteidigung Montenegros abzulenken und die Verantwortung dem montenegrinischen Königshaus zuzuschieben. Es erschienen Kommentare, in welchen ziemlich unverblümt der Verdacht geäußerrt wurde, der König selbst oder einige Mitglieder seines Hauses hätten Verrat begangen. Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurden diese Gerüchte und offensichtlichen Falschmeldungen in den Händen der großserbischen Verfechter eines südslawischen Einheitsstaates unter serbischer Führung zu einer willkommenen politischen Waffe, die gegen die Dynastie Petrović wirkungswoll eingesetzt wurde. Auf diese Art wurde der „Mythos“ von der verräterischen Königsfamilie Petrović zum stehenden Topos der jugoslawischen Staatsidentität und konnte sich bis in unsere Zeit halten, wenngleich sich dieser durch keine historischen Quellen belegen läßt und viele Argumente, mit denen man den „Verrat“ zu beweisen sucht, leicht widerlegt werden können.

Schlagwörter in Deutsch

Erster Weltkrieg / Österreich - Ungarn / Militärgeschichte / Montenegro / 1916

Dokumentenart: Hochschulschrift (Diplomarbeit)
AutorIn: Enne, Peter
Titel: Die österreichisch-ungarische Offensive gegen Montenegro 1916 unter besonderer Berücksichtigung der Operation über den Lovćen und des Zusammenbruchs der montenegrinischen Armee
Umfangsangabe: 225 S. : Ill., Kt.
Institution: Universität Wien
Fakultät: Historisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
Publikationsjahr: 2008
Sprache: ger ... Deutsch
BetreuerIn: Suppan, Arnold
BeurteilerIn: Suppan, Arnold
Klassifikation: 15 Geschichte > 15.23 Erster Weltkrieg
15 Geschichte > 15.71 Osteuropa
AC-Nummer: AC07059217
Dokumenten-ID: 1798
(Das PDF-Layout ist NICHT ident mit der Druckausgabe der Hochschulschrift.)

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