Universitätsbibliothek Wien

Was anders ist, das lerne nun auch

Irrgeher, Heinz (2011) Was anders ist, das lerne nun auch.
Diplomarbeit, Universität Wien. Philologisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
BetreuerIn: Gruber, Gernot
Gesperrt bis: 11 Mai 2013
Keine Volltext-Freigabe durch VerfasserIn.

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URN: urn:nbn:at:at-ubw:1-30208.14278.266459-0
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Abstract in Deutsch

Die drei Leben des Josef (Angelo) Neumann Das erste Leben des Josef Neumann, der sich sehr bald Angelo nennt und seine Herkunft aus einem kleinen ungarischen Nest so gut kaschiert, dass man bis heute glaubt, er wäre in Wien geboren, umfasst 38 Jahre und seine in dieser Zeit gemachte Sängerkarriere ist damit bereits wieder beendet. Seine Eltern wandern früh mit ihm und seinen Geschwistern aus dem damaligen Ungarn zu, er soll Arzt werden. Er wendet sich aber der Musik zu und schafft es nach einigen Provinzengagements an die Hofoper engagiert zu werden. Dort singt er mittlere Partien, das aber offenbar verlässlich, was man aus seinem häufigen Einsatz schließen kann, und wird immer wieder auch in andere Häuser zum Gastieren geholt, immerhin auch für die Partie des Don Giovanni. Er erlebt Wagner in Wien und wird zum Wagner Fan. Er wechselt vermutlich wegen seiner (relativ frühen) Heirat vom angestammten jüdischen zum katholischen Glauben und wird Vater eines Sohnes. Seine Bekanntschaft mit dem Burgschauspieler und Regisseur Dr. August Förster, bei dem er vermutlich nach seiner krankheitshalber erfolgten Pensionierung an der Burg Regieassistenz macht, beschert ihm die Operndirektion in Leipzig, da Förster sich dort erfolgreich um die Intendanz bewirbt und seine offene Musiktheaterflanke mit Neumann als Spartendirektor abzudecken hofft. In Leipzig startet Neumann, nunmehr evangelisch, sein zweites Leben als Missionar für Wagners Werk, es ist ein Abschnitt von nur neun Jahren von 1876 bis 1885, aber es ist der inhaltliche Höhepunkt eines Lebens. Gegen alle Widerstände und Traditionen und Vorurteile setzt er die erste geschlossene (und erfolgreiche) Aufführung des Ring des Nibelungen durch, organisiert Wagner Zyklen, engagiert mit sicherem Instinkt beste Dirigenten und Sänger und beweist dabei kaufmännisches und organisatorisches Geschick. Unter ihm erlebt Leipzig die Glanzzeit seiner Oper. Er schafft sich ein Nahverhältnis zu Wagner, dem er zweifellos innerlich näher steht als umgekehrt, der aber relativ rasch Neumann als wirtschaftlichen Faktor in seinem Leben erkennt: Das Jüdische an Neumann schafft zugleich Distanz und Nähe. Der absolute Geniestreich Neumanns aber ist das Wandernde Wagner-Theater, das er nach der missglückten Fortsetzung seiner Leipziger Funktion startet und mit dem er den Ring innerhalb von neun Monaten in einer unglaublichen logistischen Meisterleistung mit an die 35 Aufführungen schlagartig in Deutschland und dem europäischen Ausland bekannt macht und ihn damit als faktisch an allen Häusern spielbar nachweist. Der Schub, den der Ring dadurch erhält, beschleunigt seine Rezeption, gleichzeitig wird durch das nun fest etablierte Musikdrama die Welt der Oper und damit der Musikszene nachhaltig verändert, die Nummernoper ist passe und nur mehr die besten können sich halten. Unsicher über die Zukunft passiert Neumann ein Engagement ans Bremer Stadttheater, von dem er sich aber nach eineinhalb Jahren wieder verabschiedet und einem Ruf nach Prag folgt. Prag ist die Bühne für das dritte Leben Neumanns als, erstaunlich genug, so gut wie bis zu seinem Tod unumstrittener letzter Repräsentant der Jahrhunderte langen deutschen Kultur und der deutschen Gemeinde in Prag, unter dem diese noch einmal Stärke demonstrieren kann und der der deutschen Investition in ein Neues Deutsches Theater scheinbar Sinn gibt. Mit der Meistersinger Eröffnung legt Neumann dazu sein eigenes Fundament und das der deutschen Gemeinde zugleich. Er trennt sich von seiner Frau und heiratet eine renommierte Burgschauspielerin, deren Können und privater Hintergrund seine gesellschaftliche Stellung zusätzlich festigen und wird noch Vater einer Tochter. Er erfindet die Maifestspiele, Symphonische und Opern Zyklen, bietet stets Neues und engagiert nach wie vor die besten Kräfte. Damit schafft er bei einem potentiellen Publikum von lediglich 40.000 Menschen eine kontinuierliche Auslastung von zwei Theatern, allerdings, wie sich nach seinem Tod herausstellt, unter erheblichen persönlichen finanziellen Opfern. Wagner stellt weiterhin eine Fixgröße in seinem Repertoire, Widerstand braucht er für ihn keinen mehr zu überwinden. Er ist ein versierter Impresario geworden, der unter gegebenen Umständen Maßstäbe für die erfolgreiche Führung eines Theaters setzt, das über Prag hinaus Bedeutung hat, aber das Visionäre an Neumann hat sich erschöpft. Als er dieses dritte Leben nach 25 Jahren beendet, kündigt sich gleichzeitig das Ende eines geschichtlichen Abschnitts an, den die Wogen des Nationalitätenkonfliktes, die Stürme des Ersten Weltkrieges und das Ende der Monarchie zur Vergangenheit machen. Neumann selbst aber lebt nicht nur mit dem Angelo Neumann - Salon in der Prager Staatsoper weiter, sein Name bleibt untrennbar mit dem Ring und dem Meister verbunden und auch, wenngleich nicht so augenscheinlich, mit der Theatergeschichte Europas.

Schlagwörter in Deutsch

Angelo Neumann / Rezeption des Ring des Nibelungen / Leipziger Musikszene Mitte 19.Jahrhundert / Prager Musiktheaterszene / Ende 19.Jahrhundert

Dokumentenart: Hochschulschrift (Diplomarbeit)
AutorIn: Irrgeher, Heinz
Titel: Was anders ist, das lerne nun auch
Untertitel: die Veränderung der Musikszene durch Angelo Neumann mit Wagners Ring
Umfangsangabe: 266 S. : Ill.
Institution: Universität Wien
Fakultät: Philologisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
Publikationsjahr: 2011
Sprache: ger ... Deutsch
BetreuerIn: Gruber, Gernot
BeurteilerIn: Gruber, Gernot
Klassifikation: 24 Theater, Film, Musik > 24.62 Musiktheater, Theatermusik
AC-Nummer: AC08570039
Dokumenten-ID: 14741
(Das PDF-Layout ist ident mit der Druckausgabe der Hochschulschrift.)

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