Universitätsbibliothek Wien

Mimetisches Erzählen in zeitgenössischer Schweizer Performancekunst

Könz, Alexandra (2011) Mimetisches Erzählen in zeitgenössischer Schweizer Performancekunst.
Dissertation, Universität Wien. Philologisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
BetreuerIn: Greisenegger, Wolfgang

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URN: urn:nbn:at:at-ubw:1-29340.04736.243260-2
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Abstract in Deutsch

PRINTAUSGABE: 3 DVDs als Beilage. -- Vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung des mimetischen Erzählens in zeitgenössischer Schweizer Performancekunst. Nach wie vor ist der Einsatz des Körpers ein gemeinsamer Nenner innerhalb der heterogenen, seit den 1990er Jahren international etablierten, Schweizer Performancekunst. Doch hat sich die künstlerische Haltung vermehrt entfernt vom Non-Narrativen, Non-Diskursiven und Non- Mimetischen der unmittelbaren Körperhandlung im damals provokanten Prozess von „Zufall, Schmerz und Leid“ und hingewandt zur reflektierten Auseinandersetzung mit aktuellen gesellschaftlichen Problemen, Wissens- und Kommunikationsformen, welche individuelle und kollektive Identitäten prägen. Als wichtige Tendenz hat sich die mimetisch narrative Performance entwickelt, innerhalb derer PerformerInnen Strategien mimetischen Erzählens einsetzen, um sich kritisch mit der Autorität dominanter gesellschaftsübergreifender Narrative auseinanderzusetzen. Der gesellschaftskritische Impetus bedeutender zeitgenössischer Schweizer Performances ist also – so die zentrale These dieser Arbeit – begründet im mimetischen Erzählen. Je nach KünstlerIn geschieht dies in unter-schiedlicher Ausprägung und anknüpfend an verschiedene aktuelle Meta-Diskurse. Da die Performancekunst bisher nicht als Objektbereich der zeitgenössischen Narratologie in Erscheinung getreten ist, wird ein geeignetes Analysevokabular entwickelt, um diese These zu erörtern. Dies geschieht durch Kombination klassischer strukturtheoretischer (Bal, Genette) und postklassischer (A. und V. Nünning, Fludernik) Ansätze der Narratologie mit Ansätzen der Theaterwissenschaft und Performativtätstheorie (u.a. Fischer-Lichte, Pavis). Aufgefasst als mimetische Erzählungen lassen sich narrative Performances mit einer breiten, interdisziplinären Palette hermeneutischer kulturwissenschaftlicher Ansätze (Carlson, Assmann, Lévi-Strauss, Butler, Lischka, Bhabha, Turner) in Kontext setzen und dadurch innerhalb eines spezifischen Meta-Diskurses verorten. Dies wird am Beispiel der Arbeiten dreier massgebender Exponenten der zeitgenössischen Schweizer Performancekunst erläutert: Andrea Saemann, dem Künstlerpaar Muda Mathis und Sus Zwick sowie Yan Duyvendak. Saemanns Arbeiten werden im Kontext der aktuellen kulturwissenschaftlichen Gedächtnis- debatte analysiert, welche dem Erzählen einen entscheidenden Anteil an der kollektiven identitätsprägenden Erinnerungsleistung beimisst. Mathis und Zwick setzen das Erzählen als poetisches und reflektiertes Spiel zur Subversion und Befreiung von normativen Zwängen ein, indem sie ihre Performances als multimediale Bricolage anlegen. Duyvendaks Performances entlarven den massenmedialen Hoheitsanspruch über individuelle und kollektive Identitätsprägung. Teils ankoppelnd an den kulturellen Hybriditätsdiskurs, teils an den kulturwissenschaftlichen Alteritätsdiskurs, sind sie Antworten auf medial geschaffene Hybridiserungstendenzen.

Schlagwörter in Deutsch

Performancekunst / Performance / Kunst / Erzählen / Narration / mimetisch / Erzählstrategien / zeitgenössisch / Gegenwartskunst / Schweiz / Künstler / Andrea Saemann / Muda Mathis / Sus Zwick / Yan Duyvendak / Erinnern / Gedächtnisforschung / Bricolage / Hybridität / Alterität

Abstract in Englisch

This thesis examines the relevance of mimetic narration for contemporary Swiss performance art. Using the body is still a common feature within the heterogeneous Swiss performance art, which has established itself internationally since the 1990s. More and more, however, the artistic attitude has moved away from the immediate body action and the non-narrative, non- discoursive, and non-mimetic quality it gave to the once provokative process of „chance, pain, and sorrow“ towards a reflected examination of current problems of society, with ways of knowledge and communication, that determine individual as well as collective identities. Mimetically narrative performance has become an important tendency, within which the artists adopt strategies of mimetic narration to question the authority of the dominant narrative that is prevailing in society. So, the socially critical impetus of important contemporary Swiss performances is based – this is the claim at the centre of this thesis – on mimetic narration, depending on the artist in different shape and with respect to various current meta-discourses. Since performance art has not been studied by contemporary narratology up to now, a vocabulary is developed to prove this claim. Classical structuralist (Bal, Genette) and post- classical (A. and V. Nünning, Fludernik) approaches to narratology are combined with concepts of theatre studies and performance theory (a.o. Fischer-Lichte, Pavis). Analysed as mimetic narration narrative performances can be put in context to a wide, interdisciplinary palette of hermeneutic approaches from cultural studies (Carlson, Assmann, Lévi-Strauss, Butler, Lischka, Bhabha, Turner), and thus be localized within a specific meta- discourse. This is demonstrated by the examplary work of three relevant exponents of contemporary Swiss performance art: Andrea Saemann, the artistic couple Muda Mathis and Sus Zwick, and Yan Duyvendak. Saemann's work is analysed in the context of the present discourse of remembrance, that ascribes to narration the decisive part in the collective remembering. By laying out their performances as multimedial bricolages, Mathis and Zwick employ narration as poetic and reflected playing that leads to subversion and emancipation from normative constraints. Duyvendak's performances demask the supremacy that mass-media claim over the constitution of individual and collective identity. Connecting in part to the discourse of hybridity, in part to discourse of alterity, they are replies to the medially created tendency of hybridisation.

Schlagwörter in Englisch

Performance Art / performance / narration / mimetic / strategies / contemporary / Switzerland / swiss / artists / Andrea Saemann / Muda Mathis / Sus Zwick / Yan Duyvendak / memory / bricolage / hybridity / alterity

Dokumentenart: Hochschulschrift (Dissertation)
AutorIn: Könz, Alexandra
Titel: Mimetisches Erzählen in zeitgenössischer Schweizer Performancekunst
Untertitel: eine erzähltheoretische Analyse ausgewählter Performances von Andrea Saemann, Muda Mathis & Sus Zwick, Yan Duyvendak
Umfangsangabe: 297 S.
Institution: Universität Wien
Fakultät: Philologisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
Publikationsjahr: 2011
Sprache: ger ... Deutsch
BetreuerIn: Greisenegger, Wolfgang
BeurteilerIn: Greisenegger, Wolfgang
2. BeurteilerIn: Brejzek, Thea
Klassifikation: 20 Kunstwissenschaften > 20.05 Kunst in Beziehung zu anderen Wissenschaftsgebieten
21 Einzelne Kunstformen > 21.99 Sonstige Kunstformen
24 Theater, Film, Musik > 24.13 Theatergattungen, Theatersparten
21 Einzelne Kunstformen > 21.98 Mediale Kunst
17 Sprach- und Literaturwissenschaft > 17.10 Sprache in Beziehung zu anderen Bereichen der Wissenschaft und Kultur
15 Geschichte > 15.00 Geschichte: Allgemeines
15 Geschichte > 15.07 Kulturgeschichte
AC-Nummer: AC08460305
Dokumenten-ID: 13365
(Das PDF-Layout ist ident mit der Druckausgabe der Hochschulschrift.)

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