Universitätsbibliothek Wien

Konstituierung von Armut

Kirchtag, Rafael (2010) Konstituierung von Armut.
Diplomarbeit, University of Vienna. Fakultät für Sozialwissenschaften
BetreuerIn: Reinprecht, Christoph
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URN: urn:nbn:at:at-ubw:1-30124.93443.647363-0

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Abstract in German

In der vorliegenden Arbeit wurden jene Vergesellschaftungsprozesse untersucht und beschrieben, die bestimmte Lebenslagen in Wien als außerhalb einer als legitim erachteten Ungleichheit kennzeichnen. Der Akt der Kennzeichnung besteht in der Einrichtung von Unterstützungsverhältnissen, welche dazu dienen, Personen einen Mindestlebensstandard zu ermöglichen. Diese Perspektive folgt der Konzeption einer Soziologie der Armut, wie sie von Georg Simmel grundgelegt wurde. Armut wird dabei nicht als Merkmal aufgefasst, dass Personen aufgrund von verschiedenen Eigenschaften anhaftet, sondern als etwas, dass erst durch eine Zuweisung, einer Reaktion der Gesellschaft hervorgebracht wird. Daraus folgt eine Herangehensweise, die tatsächliches Handeln fokussiert, jene Handlungsabläufe, die zur Begründung von Unterstützungsverhältnissen führen. Die Grenzen jener Sozialzusammenhänge, die armutskonstituierende Handlungsabläufe hervorbringen, laufen vorrangig entlang politisch-administrativer Strukturen. In Österreich sind bislang die Bundesländer und Gemeinden für die Normierung von Unterstützungsverhältnissen verantwortlich. Der Raum Österreich beinhaltet demnach viele verschiedene Räume, in denen unterschiedliche Armutsphänomene bestehen. Diese Arbeit konzentriert sich ausschließlich auf den Raum Wien. Die Beurteilung der Unterstützungswürdigkeit einer Person erfolgt in Wien in dafür eingerichtete Sozialzentren. Von den zuständigen ReferentInnen werden Informationen vor allem betreffend der Einkommens- und Vermögensverhältnisse, der Einbindung in ein Beziehungsnetz, der Wohnsituation und der Arbeitsfähigkeit bzw. Arbeitswilligkeit erhoben und anhand vorgegebener Kriterien beurteilt. Auf Verwaltungsebene wurden Handlungs- bzw. Entscheidungsorientierungen entwickelt, die „Internen Durchführungsbestimmungen“, auf die sich die ReferentInnen beziehen. Diese Bezugnahme wird mit einer Reihe an Kontroll- und Formalisierungstechniken sicher gestellt. Das herausragende Instrument zur Beurteilung der Lebenssituation von AntragstellerInnen ist der Sozialhilferichtsatz. Diese Richtsätze bzw. deren Anwendung bestimmen in bedeutender Weise die Kennzeichnung von Lebenslagen als arm und folglich auch die Gestalt bzw. das Ausmaß des sozialen Phänomens Armut. Die Untersuchung des Zustandekommens der Richtsätze hat ein bemerkenswertes Ergebnis erbracht. Weder können die in der Verwaltung dafür verantwortlichen Personen dieses Zustandekommen erklären, noch Experten, die sich auf einer wissenschaftlichen Ebene damit beschäftigt haben. Soziologisch betrachtet ergibt dies folgendes Bild: Einerseits sind die Handlungsabläufe, die Lebenslagen als arm kennzeichnen in hohem Maß standardisiert und der Vollzug erfolgt rational. Während andererseits die Entwicklung eines wesentlichen Instrumentes zur Abwicklung kaum nach rationalen Gesichtspunkten erfolgt. Anders ausgedrückt: ein „Unbewusstes“ ist Maßstab für die Bestimmung von Armut. Die Anzahl der Personen, deren Lebensbedingungen als arm anerkannt wurde ist in Wien in den letzten 10 Jahren um 165 Prozent von etwa 35.300 im Jahr 1999 auf 93.550 im Jahr 2008 gestiegen. ExpertInnen sehen den Anstieg im Zusammenhang mit Entwicklungen am Arbeitmarkt, insbesondere mit dem starken Anstieg a-typischer Beschäftigungsverhältnisse. Die Armutspopulation weist u. a. im Hinblick auf Merkmale wie Bildung, Alter und Haushaltsform Besonderheiten auf. Der starke Zusammenhang von formalem Bildungsabschluss und Armut, den die Armutsforschung wiederholt aufgezeigt hat, wird bestätigt. Kinder, Jugendliche und junge Erwachsenen sind öfter SozialhilfebezieherInnen als ältere Personen. Bemerkenswert ist die deutlich höhere Betroffenheit von allein in einem Haushalt lebenden Personen. Abschließend wird die Auswirkung der armutskonstituierenden Handlungsabläufe im Rahmen der Sozialhilfe auf den Lebensstandard der unterstützten Personen untersucht. Die Analyse ergibt, dass sowohl sozialhilfebeziehende Einpersonenhaushalte als auch Familienhaushalte das Konsumniveau von Haushalten, die dem untersten Einkommensviertel angehören deutlich unterschreiten.

Schlagwörter in Deutsch

Soziologie der Armut / Armut in Wien / Sozialhilfe

Item Type: Hochschulschrift (Diplomarbeit)
Author: Kirchtag, Rafael
Title: Konstituierung von Armut
Subtitle: anerkannte Armutslagen in Wien
Umfangsangabe: 128 S.
Institution: University of Vienna
Faculty: Fakultät für Sozialwissenschaften
Publication year: 2010
Language: ger ... Deutsch
Supervisor: Reinprecht, Christoph
Assessor: Reinprecht, Christoph
Classification: 71 Soziologie > 71.81 Sozialhilfe
71 Soziologie > 71.19 Sozialstruktur: Sonstiges
71 Soziologie > 71.68 Sozial Schwache
AC Number: AC08303685
Item ID: 11853
(Das PDF-Layout ist ident mit der Druckausgabe der Hochschulschrift.)

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