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Faktoren des Studienerfolgs im Medizinstudium der Medizinischen Universität Wien mit besonderer Berücksichtung geschlechtspezifischer Unterschiede

Mitterauer, Lukas (2010) Faktoren des Studienerfolgs im Medizinstudium der Medizinischen Universität Wien mit besonderer Berücksichtung geschlechtspezifischer Unterschiede.
Dissertation, University of Vienna. Fakultät für Sozialwissenschaften
BetreuerIn: Richter, Rudolf
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URN: urn:nbn:at:at-ubw:1-30076.47101.482464-6

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Abstract in German

Ausgangslage: Das neue Medizincurriculum (MCW) der (Medizinischen) Universität Wien, das erstmals im Studienjahr 02/03 vollständig umgesetzt wurde, bietet durch seinen starken Strukturierungsgrad gute Voraussetzungen, um den Studienerfolg laufend zu erfassen. Gleichzeitig bot das österreichische Hochschulsystem bis zum Studienjahr 05/06 aufgrund des „offenen Hochschulzugangs“ die Möglichkeit, die Faktoren an einem unselektierten Sample zu erforschen, da es noch keine Zugangsbeschränkungen zum Medizinstudium gab. Methode: Zu Beginn des Studiums wurde in einer der ersten Vorlesungen ein Fragebogen verteilt, der folgende Bereiche umfasste: soziodemographische Daten, familiärer Hintergrund, Schulleistungen, ökonomische Situation, Lebensumstände, soziale Integration und Gesundheit, Lernkapazität, Lernstil, Studienmotivation, Umgang mit Stress, Informationsverhalten In weiteren Untersuchungen kamen noch folgende Erhebungsinstrumente zum Einsatz: das Inventar zur Erfassung von Lernstrategien im Studium (LIST), die Skala Prüfungsangst des Lernstrategieinventars (WLI), die Skalen „subjektive Lernkompetenz“ und „Erfolgserwartung“ sowie selbstkonstruierte Items zum „strategischen Lernen“. Als Kriterium für den Studienerfolg wurde der Umstand, ob einE StudentIn im 3. Semester (bzw. 5. und 7. Semester) in der Kleingruppeneinteilung der prüfungsimmanenten Lehrveranstaltungen aufschien, herangezogen. Voraussetzung des Aufscheinens in der Kleingruppeneinteilung ist die positive Absolvierung einer summativen integrativen (Jahres-)Prüfung (SIP1 bzw. SIP2, SIP3). Von den 1327 StudienanfängerInnen des Studienjahres 02/03 wurden 674 (50,8%) befragt. In der Replikation im Studienjahr 03/04 füllten von den 1201 StudienanfängerInnen 839 Personen (69,9%) den Fragebogen aus. Bei der Erhebung zu den Lernstrategien im Studienjahr 04/05 beteiligten sich 500 Studierende. In der Folgestudie im Studienjahr 05/06 zum strategischen Lernen wurden 726 Fragebögen ausgefüllt. Ergebnisse: In der ersten Befragungswelle des STJ 0203 konnten vier prädiktive Faktoren gefunden werden und zwar männliches Geschlecht, deutsche Muttersprache, gute Schulnoten und hohe Lernkapazität (Frischenschlager et al. 2005a). Dieses Ergebnis wurde im Folgejahr repliziert (Haidinger et al. 2006). Vor allem der Befund, dass weibliche Studierende (trotz besserer Schulnoten) bei der SIP1 schlechter abschneiden, wurde zum Anlass genommen, an der Universität Graz und der Veterinärmedizinischen Universität Wien ebenfalls Studien durchzuführen. In Graz, wo anstelle der einen großen SIP kleinere Teilprüfungen zu leisten sind, tritt der Geschlechtseffekt nicht auf, die anderen Faktoren bleiben jedoch bestehen (unpublished). An der Veterinärmedizinischen Universität (Mitterauer et al. 2007b) mit einer großen Prüfung hingegen zeigten sich nahezu idente Resultate wie an der MUW. Die weitere Analyse des Studienverlaufs an der MUW zeigte, dass weibliche Studierende mit ein bis zwei Jahren Verzögerung wieder in das Studium kommen (Mitterauer et al. 2007a). Der „Geschlechtseffekt“ muss somit mit dem Lernen zusammen hängen. Es wurden daher in einer weiteren Befragung die Lernstrategien (Wie eigne ich mir selbst das Wissen an, um es wiedergeben zu können?) erhoben (Frischenschlager et al. 2007b). Es konnten zwar einige Aspekte gefunden werden, die erfolgsrelevant sind und einige, in denen sich die Geschlechter unterschieden. Unterschiede zwischen den Geschlechtern und den Erfolgreichen bzw. Erfolglosen traten nur bei der subjektiven Erfolgserwatung auf. Dieser Umstand allein kann den Geschlechtseffekt jedoch nicht aufklären. Es wurde daher ein neues Instrument entwickelt, das auf das strategische Lernen (also nicht verstehensorientiertes Lernen, sondern prüfungsorientiertes) abzielt (Haidinger et al. 2008). Männliche Studierende zeigen eine deutlich strategischere Ausrichtung ihres Lernverhaltens. Interessant erscheint darüber hinaus, dass ein auf Verstehen ausgerichtetes Lernen für den Prüfungserfolg nicht relevant ist. Im Studienjahr 2006/07 wurde an den medizinischen Universitäten Wien und Innsbruck der Eignungstest Medizin-Studium (EMS) als Aufnahmeverfahren eingeführt. Da der EMS sich ebenfalls als signifikant geschlechtsspezifisch erwies, wurde der Frage nachgegangen, inwieweit die SIP1 (am Ende des ersten Studienjahres dieses ersten vorselektierten Jahrganges) weiterhin geschlechtsselektiv ist (Mitterauer et al. 2008). Wir fanden die Geschlechtsselektivität in nahezu demselben Ausmaß erhalten. EMS und SIP sind somit zwei voneinander weitgehend unabhängige, additiv wirksame, zu Ungunsten von Frauen geschlechtsselektive Faktoren (OR=2,14; 95%CI 1,68-2,72). Empfehlungen: Da eine nichtdeutsche Muttersprache die Erfolgschancen deutlich reduziert, sollten die Deutschkenntnisse vor dem Studium verstärkt überprüft werden. Dies könnte entweder in Form von Self-Assessments mit empfehlendem Charakter oder in Form einer restriktiveren verpflichtenden Überprüfung der Kenntnisse erfolgen. Der Eignungstest Medizin-Studium als Eingangsvoraussetzung sollte jedenfalls abgeschafft werden, da er weibliche StudienwerberInnen benachteiligt. Weiters ist fraglich, ob der Test die Kompetenzen erfasst, die von angehenden MedizinerInnen erwartet werden. Die Probleme, die durch die Prüfungsform der SIP auftreten, sind mannigfaltig. Jedenfalls sollte das Prüfungssystem grundlegend überdacht werden (Haidinger et al. 2007). Beispielsweise könnten Blockprüfungen an Stelle der Gesamtprüfung treten. Auch sollten die Antwortformate (Single Choice) zumindest in Richtung Multiple Choice geändert werden. Lehrveranstaltungen zu „Skills and Attitudes“ sollten geprüft werden und Kleingruppenveranstaltungen – etwa durch die Vergabe von Leistungspunkten - generell aufgewertet werden. Eine weitere Empfehlung geht in Richtung Personalentwicklung und Qualifizierung für die HochschullehrerInnen.

Schlagwörter in Deutsch

Hochschulforschung / Studienerfolg

Schlagwörter in Englisch

higher education research / study success

Item Type: Hochschulschrift (Dissertation)
Author: Mitterauer, Lukas
Title: Faktoren des Studienerfolgs im Medizinstudium der Medizinischen Universität Wien mit besonderer Berücksichtung geschlechtspezifischer Unterschiede
Umfangsangabe: 175 S.
Institution: University of Vienna
Faculty: Fakultät für Sozialwissenschaften
Publication year: 2010
Language: ger ... Deutsch
Supervisor: Richter, Rudolf
Assessor: Richter, Rudolf
2. Assessor: Kolland, Franz
Classification: 70 Sozialwissenschaften allgemein > 70.04 Ausbildung, Beruf, Organisationen
71 Soziologie > 71.04 Ausbildung, Beruf, Organisationen
81 Bildungswesen > 81.05 Bildungsforschung
81 Bildungswesen > 81.20 Bildungssoziologie: Allgemeines
AC Number: AC08232066
Item ID: 11843
(Das PDF-Layout ist ident mit der Druckausgabe der Hochschulschrift.)

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