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Die Kanalisierung von Moldau und Elbe an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert

Brabec, Stephan (2010) Die Kanalisierung von Moldau und Elbe an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert.
Diplomarbeit, Universität Wien. Historisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
BetreuerIn: Winiwarter, Verena

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URN: urn:nbn:at:at-ubw:1-29161.95414.705253-4
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Abstract in Deutsch

Das Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, die Kanalisierung von Moldau und Elbe von ihren Anfängen im 19. Jahrhundert bis zu ihrer Fertigstellung rund zwanzig Jahre später zu beschreiben und zu analysieren. In einem einleitenden Teil wird das Gewässersystem aus topographischen, hydrologischen und historischen Blickwinkeln betrachtet. Dabei wird den Läufen der Flüsse nachgegangen, Angaben zu Geologie und Fließverhalten werden gemacht und die geschichtliche Entwicklung der Region wird untersucht. Dass die Elbe schon ab dem Mittelalter einen wichtigen Verkehrsweg darstellte und gleichzeitig Grenze und Verbindungsweg war, weist auf ihre historische Wichtigkeit hin. Die Beschreibung der Entwicklung der Elbe als Transportweg gibt Einblick in das Zollwesen, in die technische Entwicklung der Schifffahrt und zeigt außerdem ihre große Bedeutung für den Handel auf. Das wiederholte Bestreben, Elbe und Moldau für die Schifffahrt zu optimieren und neue Verkehrswege zu schaffen, wird in einem eigenen Kapitel über Kanalprojekte aufgezeigt, in dem mehrere historische Projektvorschläge beschrieben werden. Speziell die diesbezüglichen Entwicklungen im 19. Jahrhundert, die schließlich zum Umbau der beiden Flüsse führten, werden in der Arbeit entsprechend aufgearbeitet und erläutert. Die verschiedenen Vorprojekte, die eine Verbindung mit der Donau vorsahen, werden erklärt und näher vorgestellt. Ebenso können die diesem Großprojekt zu Grunde liegenden Ziele aufgezeigt und mit Hilfe von Zitaten des vorhandenen Quellenmaterials belegt werden. Es kann dadurch nachgewiesen werden, dass stets wirtschaftliche Interessen für diese umfangreiche Umgestaltung der Flusslandschaften maßgeblich waren und Hochwasserschutz bei diesem Projekt keinen Einfluss hatte. Eine ausführliche Berichterstattung der Bauphase bildet den Kern der Arbeit. Die Bauplätze Prag, Troja, Klecan, Libschitz, Miřowitz und Wraňan/Hořin an der Moldau werden dabei ebenso einzeln vorgestellt und analysiert wie die Baustätten Unter-Beřkowic, Wegstädtl, Raudnitz, Leitmeritz, Lobositz und Střekov an der Elbe. Insbesondere wird dabei auf die Planung und auf einzelne Bautypen eingegangen sowie auf die Probleme während der Bauphase, wie Hochwasser oder Arbeitermangel. Es werden aber auch die Auswirkungen auf die Umgebung nicht außer Acht gelassen und die Eingriffe in die Umwelt mit ihren negativen Folgen, wie der Hebung des Grundwasserspiegels, aufgezeigt. Zur Veranschaulichung sind diese Kapitel mit zeitgenössischem Planmaterial ausgestattet, die eine bessere Vorstellung von den Bauplätzen geben soll. Die Beschäftigung mit Schifffahrtstatistiken zwischen den Jahren 1882 und 1916 dient dazu, den Zusammenhang zwischen Verkehr und Ausbau der Flüsse festzustellen. Die zu diesem Zweck ausgewerteten Zahlenreihen sind graphisch dargestellt und analysiert. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen zeigen, dass der Ausbau der Flüsse weder an der Elbe noch an der Moldau das Verkehrsaufkommen vergrößert hat. Ab Beginn des 20. Jahrhunderts nahm die Anzahl der verkehrenden Schiffe sogar tendenziell ab. Ob sich dieser Trend nach Ende des Ersten Weltkriegs weiter bestätigt oder sich umkehrt, wird in der vorliegenden Arbeit nicht untersucht. Die hier gewonnenen Erkenntnisse könnten allerdings als Basis für eine weitere Auseinandersetzung mit dem Thema dienen und zur Beschäftigung mit der Entwicklung der Schifffahrt an den beiden Flüssen während der Zwischenkriegszeit und danach anregen. Dadurch könnten möglicherweise auch die mittelfristigen Auswirkungen der Kanalisierung auf Verkehr und Wirtschaft erfasst werden. Durch den Vergleich von zeitgenössischem und aktuellem Bildmaterial wird ein Bogen vom ausgehenden 19. Jahrhundert bis ins 21. Jahrhundert gespannt. Die visuelle Darstellung von mehreren Bildpaaren mit denselben Motiven ermöglicht eine Analyse der Veränderungen der Bauwerke und Landschaften entlang der Flüsse. Die Photos belegen, dass die meisten Bauwerke nach wie vor an Ort und Stelle stehen und lediglich Modernisierungen an Wehr- und Schleusenanlagen durchgeführt wurden. Darüber hinaus wird gezeigt, dass bei einigen Anlagen durch die Integration von Wasserkraftwerken oder Kajakstrecken auch alternative Nutzungsformen ermöglicht wurden. Die kompakte Vorstellung von einigen anderen Wasserbauprojekten, wie den Regulierungen von Rhein und Donau oder den Kanalbauten an der Linth und entlang des Ladogasees, dient dazu, die Kanalisierung der Elbe und Moldau in einem breiteren Kontext betrachten zu können. Die unterschiedlichen Motivationen, die zu massiven Eingriffen in die jeweiligen Flusslandschaften geführt haben, werden erläutert und mit Hilfe einiger Fallbeispiele belegt. Durch diese Darstellungen können Unterschiede und Gemeinsamkeiten der verschiedenen Projekte herausgearbeitet werden. Ebenso werden anhand dieser Beispiele umwelthistorische Konzepte vorgestellt. Die Idee der Eroberung der Natur oder das Konzept der Organic Machine wird erläutert und in einem weiteren Schritt mit der Moldau-Elbe-Kanalisierung in Zusammenhang gebracht. Es wird gezeigt, dass die Betrachtung von Wasserbauprojekten nach solchen Gesichtspunkten teilweise auch hier zu ähnlichen Erkenntnissen kommt. Der Themenkomplex rund um die Kanalisierung der Moldau und Elbe wird unter verschiedenen Gesichtpunkten betrachtet und somit erstmals in einem Werk zusammengefasst. Durch das Eingehen auf Veränderungen von Natur und Umwelt, die mit der Kanalisierung im Zusammenhang stehen, stellt die Arbeit einen Baustein zur Umweltgeschichte von Flüssen dar.

Schlagwörter in Deutsch

Umweltgeschichte / Kanalisierung / Elbe / Moldau

Dokumentenart: Hochschulschrift (Diplomarbeit)
AutorIn: Brabec, Stephan
Titel: Die Kanalisierung von Moldau und Elbe an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert
Untertitel: die Umgestaltung von Fließgewässern aus umwelthistorischer Sicht
Umfangsangabe: 131 S. : Ill., graph. Darst.
Institution: Universität Wien
Fakultät: Historisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
Publikationsjahr: 2010
Sprache: ger ... Deutsch
BetreuerIn: Winiwarter, Verena
BeurteilerIn: Winiwarter, Verena
Klassifikation: 15 Geschichte > 15.09 Wirtschaftsgeschichte
15 Geschichte > 15.36 Europäische Geschichte 1815-1914
AC-Nummer: AC08263889
Dokumenten-ID: 10448
(Das PDF-Layout ist ident mit der Druckausgabe der Hochschulschrift.)

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