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Soziale Praktiken des Einwilligens

Bister, Milena (2010) Soziale Praktiken des Einwilligens.
Dissertation, Universität Wien. Fakultät für Sozialwissenschaften
BetreuerIn: Felt, Ulrike

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URN: urn:nbn:at:at-ubw:1-29587.16784.275760-3
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Abstract in Deutsch

Die Ablehnung technowissenschaftlicher Prozesse oder forschungspolitischer Regulationen steht häufig im Fokus sozialwissenschaftlicher Interpretationen. Im Gegensatz dazu wird die gesellschaftliche Zustimmung zu Wissenschaft und Forschung sowie deren politische Steuerung selten hinterfragt. Die vorliegende Arbeit stellt daher das Phänomen der Zustimmung ins Zentrum der Analyse. Anhand einer qualitativ-interpretativen Fallstudie, die Informed Consent (IC)-Verfahren zur Überlassung operativ entfernten Hautgewebes für biomedizinische Forschungszwecke in einem österreichischen Universitätskrankenhaus beleuchtet, werden soziale Praktiken des Einwilligens an der Schnittstelle von Klinik und Forschung untersucht und ihre Implikationen diskutiert. Den empirischen Kern der Studie bilden 24 Beobachtungen von IC-Verfahren zwischen einer medizinischen Forscherin und stationär aufgenommenen Patientinnen sowie 19 im Anschluss daran durchgeführte qualitative Interviews mit den Patientinnen. Die Beobachtungsprotokolle wurden mittels des Kodierparadigmas der Grounded Theory nach Strauss und Corbin (1996 [1990]) analysiert. Die Auswertung der Interviews erfolgte in einem qualitativ-inhaltsanalytischen Verfahren durch eine induktive Kategorienbildung nach Mayring (1997). Der theoretische Rahmen der Arbeit beruht auf Foucaultschen Perspektiven zu Gouvernementalität, Biopolitik und Biomedikalisierung sowie auf Arbeiten aus der Wissenssoziologie und Wissenschaftsforschung, die sich mit Formen und Funktionen gesellschaftlichen Nicht/Wissens beschäftigen. Darüber hinaus stelle ich eine Auswahl qualitativer Studien vor, die sich im europäischen Kontext mit IC-Verfahren hinsichtlich Operationen, Arzneimittelstudien sowie Biobanken befassen. Hauptresultat der Auseinandersetzung mit der Überlassung von Gewebe für biomedizinische Forschung im Krankenhauskontext bildet die Erkenntnis, dass Patientinnen in der direkten Interaktion mit der medizinischen Forscherin das IC-Verfahren als Bitte der Forscherin bzw. des Krankenhauses wahrnehmen. Im konkreten sozialen Kontext kommt es auf Seiten der Patientinnen im IC-Prozess daher kaum zu einer Entscheidungssituation zwischen Zustimmung oder Ablehnung. Vielmehr kennzeichnet eine allgemeine Kooperationsbereitschaft mit dem medizinischen Personal den Tag vor der Operation, an dem auch das IC-Verfahren durchgeführt wird. Patientinnen wollen demgemäß die unmittelbare Interaktion mit der Forscherin positiv abschließen und sie bzw. den Forschungsauftrag des Krankenhauses nach Möglichkeit unterstützen. Die erforschten sozialen Praktiken des Einwilligens weisen signifikante Abweichungen vom bioethischen Diskurs des „informierten Entscheidens“ auf, der eine individuelle Entscheidungsfreiheit „für oder gegen“ eine Teilnahme in medizinischen Projekten postuliert. Die aufgezeigte Diskrepanz zwischen IC-Theorie und IC-Praxis ermöglicht einerseits, die politische Regulierung biomedizinischer Forschung kritisch zu beleuchten, sowie andererseits, den IC-Prozess als potentiellen Ort einer Neuorientierung von Individuum und Gesellschaft zu betrachten.

Schlagwörter in Deutsch

Informed Consent-Verfahren / Biomedizinische Forschung / Gewebespende / Soziale Interaktion

Schlagwörter in Englisch

Informed Consent / Biomedical Research / Tissue Donation / Social Interaction

Dokumentenart: Hochschulschrift (Dissertation)
AutorIn: Bister, Milena
Titel: Soziale Praktiken des Einwilligens
Untertitel: Informed Consent-Verfahren und biomedizinische Forschung im Krankenhauskontext
Umfangsangabe: 220 S. : graph. Darst.
Institution: Universität Wien
Fakultät: Fakultät für Sozialwissenschaften
Publikationsjahr: 2010
Sprache: ger ... Deutsch
BetreuerIn: Felt, Ulrike
BeurteilerIn: Felt, Ulrike
2. BeurteilerIn: Forster, Rudolf
Klassifikation: 70 Sozialwissenschaften allgemein > 70.99 Sozialwissenschaften allgemein: Sonstiges
71 Soziologie > 71.99 Soziologie: Sonstiges
44 Medizin > 44.06 Medizinsoziologie
44 Medizin > 44.04 Ausbildung, Beruf, Organisationen
AC-Nummer: AC08148090
Dokumenten-ID: 10301
(Das PDF-Layout ist ident mit der Druckausgabe der Hochschulschrift.)

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