Universitätsbibliothek Wien

Die Verschiebung des "Migrationsproblems" von Europa nach Nordafrika?

Hornoff, Sandra (2010) Die Verschiebung des "Migrationsproblems" von Europa nach Nordafrika?
Diplomarbeit, Universität Wien. Philologisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
BetreuerIn: Schicho, Walter
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URN: urn:nbn:at:at-ubw:1-29553.38691.696462-1
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Abstract in Deutsch

Seit den 1960er Jahren war Libyen ein Einwanderungsland für ausländische Arbeitskräfte, insbesondere für Araber. Da sich Libyens Position in der internationalen Gemeinschaft in den 1990er Jahren verschlechterte und die US- sowie die UN-Sanktionen Libyen isolierten, orientierte sich der libysche Revolutionsführer Muammar Al Qaddafi stärker in Richtung der afrikanischen Staaten südlich der Sahara. Ende der 1990er stieg daher die Zuwanderung aus den Ländern südlich der Sahara in Libyen rasch an. Zur gleichen Zeit stiegen Libyens wirtschaftliche Probleme sowie der Fremdenhass in der libyschen Gesellschaft. Seit der Verbesserung der Beziehungen zwischen Libyen, Italien und der EU (1999/2004) hat Libyen Maßnahmen eingeführt, um die Einwanderung zu beschränken und die „illegale Migration“ zu bekämpfen. Italien schloss mit Libyen zahlreiche Abkommen ab, welche die „illegale Migration“ eindämmen sollten. Obwohl die EU bisher kein formelles Abkommen mit Libyen geschlossen hat und dafür noch immer in den Verhandlungen steckt, finanziert die EU seit 2004 migrationsrelevante Projekte in Libyen. Die europäischen Maßnahmen sind auf den Aufbau von libyschen Kontrollmechanismen und der Rückführung von MigrantInnen konzentriert. In der Diplomarbeit wird die Zusammenarbeit zwischen Libyen, Italien und der EU analysiert und die Frage untersucht, welche Auswirkungen die Zusammenarbeit auf Libyen (Staat, Gesellschaft, MigrantInnnen) hat. In Libyen ist ein krasser Wechsel der Migrationspolitik zu beobachten: zuvor durften AfrikanerInnen ohne Visum nach Libyen einreisen (1998-2007), doch ab 2005 wurden Einreisebeschränkungen eingeführt und im Jahr 2007 hob Libyen die offene Einreisepolitik vollständig auf. Die Zusammenarbeit zwischen Italien, der EU und Libyen hat wirtschaftliche sowie außenpolitische Vorteile gebracht. Jedoch werden Flüchtlinge und MigrantInnen in Libyen sowie auf dem Mittelmeer menschenunwürdig behandelt. Der Flüchtlingsschutz wurde nicht verbessert und Libyen hat bis heute kein Asylsystem. Die Zusammenarbeit hat dazu geführt, dass den Flüchtlingen und MigrantInnen mehr Rechte geraubt wurden, als sie vorher besaßen. Unter europäischer Beteiligung inhaftiert Libyen Flüchtlinge und MigrantInnen zu widrigen Bedingungen. Darüber hinaus fängt Italien die BootsmigrantInnen auf dem Mittelmeer ab und transportiert diese direkt nach Libyen. Damit vertsößt Italien gegen humanitäre Grundrechte, nationales und internationales Recht. In der Zusammenarbeit zwischen Italien, der EU und Libyen verletzen alle drei die Menschenrechte und die Prinzipien des Flüchtlingsschutzes. Die Kooperation hat daher zu einer Verschlechterung der Lebensbedingungen von MigrantInnen und Flüchtlingen geführt, anstatt den Flüchtlingsschutz und die Menschenrechte zu gewährleisten.

Schlagwörter in Deutsch

Libyen / Italien / EU / Migrationspolitik / illegale Migration / Afrika / Flüchtlinge / Menschenrechte

Abstract in Englisch

Since the 1960’s Libya has been a country of immigration for foreign labour force, especially for Arab nationals. Due to the deterioration of the Libyan position in the international community and the subsequent international isolation of Libya in the 1990’s, the Libyan revolutionary leader Muammar Al Qaddafi re-oriented himself towards the sub-Saharan countries. As a result of the pan-African Libyan policy, the immigration of sub-Saharan Africans increased in Libya at the end of the 1990’s. In the same decade, Libya’s economic problems as well as xenophobia in the Libyan society increased. Since the relations between Libya, the European Union and Italy improved (1999/2004), Libya introduced measures to reduce immigration and to fight “illegal migration”. In this context, Italy and Libya signed several agreements which intend to reduce “illegal migration”. Although the EU has not signed any formal agreement with Libya so far, it cooperates with Libya in regards to migration and finances respective projects in Libya since 2004. The European measures are concentrated on the establishment of a Libyan border surveillance and control system, as well as on the repatriation of migrants. In this thesis, the author analyses the cooperation between Libya, the EU and Italy as well as its impact on Libya (state, society, migrants). Libya has recently changed its migration policy: in the past, Africans were allowed to enter Libya freely without a visa (1998-2007), but since 2005 Libya introduced immigration restrictions and ended its open door policy in 2007 completely. The cooperation between Libya, the EU and Italy has resulted in advantages for the economy and the foreign policy of all three actors involved. In contrast, migrants and refugees are treated in an inhuman and degrading manner. The protection of refugees was not improved and Libya does not have an asylum system till this day. In fact, migrants and refugees have lost more rights than they have had before the cooperation. Under the European influence in Libya, migrants and refugees get detained on a broad scale and human rights are severely violated. In addition, Italy apprehends migrants and refugees on the sea and transports them to Libya. Due to this, Italy violates national as well as international law and ignores fundamental rights. On the whole, the cooperation between Italy, Libya and the EU has lead to a deterioration of the living conditions of migrants and refugees in Libya, instead of increasing human rights and international refugee protection.

Schlagwörter in Englisch

Libya / Italy / EU / migration policy / illegal migration / Africa / refugees / human rights

Dokumentenart: Hochschulschrift (Diplomarbeit)
AutorIn: Hornoff, Sandra
Titel: Die Verschiebung des "Migrationsproblems" von Europa nach Nordafrika?
Untertitel: Probleme und Chancen in Libyen
Umfangsangabe: 152 S.
Institution: Universität Wien
Fakultät: Philologisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
Publikationsjahr: 2010
Sprache: ger ... Deutsch
BetreuerIn: Schicho, Walter
BeurteilerIn: Schicho, Walter
Klassifikation: 89 Politologie > 89.70 Internationale Beziehungen: Allgemeines
89 Politologie > 89.90 Außenpolitik, Internationale Politik
89 Politologie > 89.93 Nord-Süd-Verhältnis
89 Politologie > 89.54 Politischer Einfluss
89 Politologie > 89.73 Europapolitik, Europäische Union
AC-Nummer: AC08170450
Dokumenten-ID: 10213
(Das PDF-Layout ist ident mit der Druckausgabe der Hochschulschrift.)

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